Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Alte Geleise — neue pfabe.

Arbeit schätzen zu lernen, sic heranzuziehen und sie
so zu bezahlen, wie sie es verdient. Er würde dabei
immer noch weit „billiger" fahren wie damit, daß
er seine verständigen englischen Aollegen für sich
denken und lernen läßt. Mit dein Verstäudniß
würde dann auch die Werthschätzung pand in ksand
gehen, mit dieser aber naturgemäß das Miß-
trauen schwinden, das der deutsche Aünstler gegen
die Ehrlichkeit des Fabrikanten, letzterer gegen die

auch die „Meinkunst" groß und des Anpackens
würdig erscheint; er hat mit vollein Verständniß für
die Technik uitd das Material seine Entwürfe an-
gefertigt. Der Fabrikant aber hat des Aünstlers Ab-
sicht und Verdienst zu würdigen gewußt und hat
mit dem nicht unbegründeten Zweifel in der Brust,
ob es sich auch bezahlt machen würde, die Arbeit
dennoch mit eingehendem Verständniß fleißig und
vollendet zur Durchführung gebracht. Aus Beiden ist

8. u. 9. Glasbilder; Entwurf von Rich.

Fähigkeit des Aünstlers hegt, und so würde ein Zu-
sammenarbeiten Beider ermöglicht, das jenes Ideal
der Vereinigung von allen an einenr Werke schaffenden
zu einer einzigen Persönlichkeit verwirklicht.

Auch hiezu sind die Anfänge gemacht, und die
Münchener Ausstellung liefert den Beweis davon.
Aünstlerische, eigenartige Entwürfe sind technisch voll-
endet zur Ausführung gekommen, und wenn Beider
Arbeit, wie man wohl vermuthen darf, mit Opfern
ausgeführt ist, indem der Aünstler keine Bezahlung
erhalten, der Hersteller aber das „Risico" übernommen
hat, so ist dies dennoch der natürliche Anfang zum
Bessern. Denn der Aünstler hat bewiesen, daß ihm

eine Persönlichkeit, aus ihrem Bemühen aber ist
ein Aunstwerk entstanden; denn das ist der richtige
Weg, und auf den Bahnen, auf denen Aunst und
pandwerk sich gegenseitig zur Einheit durchdringend
jedes sein Bestes giebt, muß und wird unser Aunst-
handwerk einer neuen Blüthe entgegengehen! Die
p erste llun g dieser Vereinigung und die
Ausstellung ihrer Schöpfungen als gleich-
wert h i g e Erzeugnisse neben der Malerei
und Plastik im Münchener Glaspalast bilden
den bescheidenen Ausgangspunkt der „neuen
Pfade" im deutschen Aunstgewerbe — in
der deutschen A u n st überhaupt.

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