Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

Page: 28
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1897_1898/0036
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Kleinkunst auf der Münchener Kunstausstellung.

hätte dann so als selbständiges Werk der Phantasie
mehr Berechtigung, wie als Gebrauchsgegenstand.

Ganz anders die deutscheil
Zinnarbeiten; das sind doch
Dinge, deren Zweck deutlich
aus ihrer Erscheinung spricht
und die dem Bmterial nicht
minder gerecht werden wie
jene pariser Erzeugnisse. Die
Teller, Becher, Basen u. s. w.
von K. Groß entsprechen in
ihren geschmeidigen Formen
ganz der Biegsamkeit des
Zinns uild in ihrer breiten,
tief eingeschnittenen Gravirung
ganz der Weichheit desselben.

Bat vielem Glück hat Groß
bei der Gravirung auf gailz
gewöhnliche Naturgebilde un-
serer heimath — Wegerich
und Blondraute (Abb.

2\), Spatz und Raupe
(Abb. 22, Henkel) — ge-
griffen ; ist auch nicht
Alles einwandfrei —
die großen hohlgetriebe-
nen Salbeiblumen auf
der Platte (Abb. 2\)
stehen im Blaaßstab in
etwas merkwürdigem
Gegensatz zur sonstigen
Behandlung der Platte,
namentlich auch zu dem
eingravirten gothisiren-
den Ornament — so
sind diese Dinge den-
noch ein sprechender Be-
weis dafür, daß es bei Verwendung von Natur-
fornren weniger auf das „Was" als auf das „Wie"
ailkomnlt. Die runde Zinnplatte vonGottlobWilhelm

und Hugo Lind ist gleichfalls ein durchaus modernes
Werk, dessen Eomposition und Ausführung unein-
geschränktes Lob verdienen; so
reich aber auch der plastische
Schmuck gestaltet ist, so wenig
wirft er sich doch zunr Herrn
des Gegenstalides auf wie bei
den Zinngeräthen von Fix-
Biaffeau: — in der Erschei-
nung des Ganzen behält die
runde Gestalt der Platte immer
die Oberherrschaft. (Abb. 24.)
Das Hauptfeld der Thätigkeit
der beiden genannten Aünstler
liegt in der Treibarbeit So-
wohl der große Blumenkübel
(Abb. 25), als namentlich der
Wandbrunnen (Abb. 26) ver-
rathen gesundes Stilgefühl,
reiche Phantasie und ungemein
solidesAonnen beigutem
Geschmack. An dem
Wandbrunnen, wie auch
am Pflanzenschnmck von
Blumentöpfen und Ba-
sen tritt hin und wieder
Bergoldung aus; aber
im Allgemeinen beruht
die farbige Wirkung
dieser in Rupfer ge-
triebenen Gefäße aus
einer geschickt durchge-
führten künstlichen pati-
nirung. hierin, wie auch
anderwärts (3. B. bei
einem einfachen, acht-
kantigen Theekeffel mit
Trapezflächen von Eugen Berner-Dinkelsbühl)
zeigt sich unverkennbar der Einfluß der japanischen
Bietallotechnik. (Schluß folgt.)

26. Mandbrunnen von Gottl. Mil Helm und Hugo Lind.

28
loading ...