Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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llnfcrc Silber.

hundert besitzt, deren mustergültige und meist wohl-
erhaltene Einrichtungen bei der im Barock- und
Rococostil beabsichtigten Ausschmückung eines neuen
österreichischen Prunkbaues wohl zu allererst vor-
bildlich heranzuziehen wären! — b. M.

^i„ Bismarckdenkmal ist neuerdings in Leipzig's
Zohannapark enthüllt worden, das seine Ent-
stehung einem kleinen leipziger Künstlerkreis, der sich
„Stalaktiten" nennt, zu verdanken hat. Zum 80. Ge-
burtstag Bismarcks improvisirte diese unternehmende
Schaar ein mächtiges Standbild vor dem Leipziger
Theater, das um Mitternacht in geheimnißvoller
Feier enthüllt wurde. Die Grundidee jenes Modells
ist unter thätiger Beihülfe einer Gruppe Bismarck-
verehrer zu bronzener Dauer gebracht worden.

Das Denkmal besitzt den Vorzug außerordentlich
gut deu populären Ton zu treffen, den es im Gegen-
satz zum repräsentativen Bismark am Siegesdenkmal
zu erreichen strebte. Man verzichtete absichtlich auf
jene „Monumentalität", die bei derartigen Anlagen
nur zu leicht in's Konventionelle umschlägt. Der
Mensch Bismarck ist dargestellt, wie er mit seinem
Tyras des Weges daherkommt. Den Sockel bildet
ein riesiger Fels, an dein ein Merkmeister als Ver-
treter der Volkskraft einen Eichenzweig huldigend
zum Fürsten emporreicht. Es ist den Künstlern
(Adolf Lehnert schuf das Porträt, Zosef Mayr Sockel
mit Figur) gelungen das Genreartige, das in dieser
malerischen Anlage schlummerte zu vermeiden. —
Die Gesammtwirkung ist trotz der beträchtlichen Höhe
von beinahe (0 m gut auf eine trauliche gärtnerische
Umgebung berechnet. F. S.

Hntcr dem Hamen „Runst im Handwerk" hat
sich in München eine Gesellschaft mit beschränkter
Haftpflicht gebildet, welche sich die Aufgabe stellt, in:
Sinne des neuen Kunsthandwerks künstlerische
Entwürfe anzukaufen, die betreffenden Gegenstände
anfertigen zu lassen und zu verkaufen. Diese Ver-
einigung ist hervorgegangen aus dem bei der Klein-
kunstabtheilung der letztjährigen Kunstausstellung
betheiligten Kreise junger Künstler, an deren Spitze
auch jetzt wie damals Hofrath Vr. Rolfs steht. Der
Ausschuß, welchem auch einige Ausschußmitglieder
des Bayer. Kunstgewerbevereins angehören, erklärt
ausdrücklich, daß er sich keineswegs als eine Art
„Secession" des genannten Vereins betrachtet wissen
möchte; „vielmehr wird er nach wie vor diesem
hochverdienstlichen Verein seine Mitwirkung auf dem
Gebiete des neueren Kunsthandwerks zuwenden und
unter Zusammenfassung seiner Kräfte auf dieses eine
Gebiet im klebrigen Hand in Hand mit den all-
gemeineren Bestrebungen des bayerischen Kunst

gewerbevereins gehen." Nähere Auskunft ertheilt
Maler F. A. O. Krüger, München-Gern, Kratzer-
straße (.

nfere (Krkder. MM

Die erste Hälfte dieses Heftes enthält
an Illustrationen größtentheils Bilder
und Zeichnungen von Hans Thoma, welche in dem
auf S. ((6 beginnenden Aufsatz besprochen werden;
daran schließen sich Arbeiten von RI. v. Hei der ((91
bis 203), ein althessischer Bauernstoff (2040 und drei
Glühlichtlüster von Kellner und Re in herz (206
bis 208), die gleichfalls mit besonderen Geleitsworten
(S. (29, (52, (53) eingeordnet sind.

wie schon die letztgenannten Stücke, so segeln
auch die beiden Uhren von Z. Zage mann ((09
und ((0) mit ihren von den Gebrüdern Gradl ent-
worfenen und in Eichenholz geschnitzten Schildern
völlig in modernem Fahrwasser: in der Gesammt-
composition schlicht, nicht mehr und nicht weniger
als was sich aus einein dünnen Brett schneiden läßt,
einfach und treffend in den sinnbildlichen Hin-
weisen auf die „geflügelte" und die „langsam ver-
streichende" Zeit, sowie auf den Wetter und Zeit be-
stimmenden Himmel. Die Derbheit der Schnitzerei
paßt sich dem Eichenholz sehr wohl an und die
farbige Behandlung des Holzwerkes — grüngebeizt
mit wenig roth und gold — steht trefflich zu dem
blank gehaltenen Zifferblatt, den Zeigern und Ge-
wichten. Jedes Material ist seiner Art gemäß be-
handelt und doch mit dem andern durch richtige
Farbenwahl in Harmonie gebracht. — Gleicher
Quelle ist auch die „Speisenfolge"-Karte von M. Z.
Gradl (2(3) entsprungen.

Zn den ganzseitigen Abbildungen 2((, 2(2 und
2(3 sind einige der neuesten Arbeiten Prof. Fr. v.
Miller's dargestellt; sie liefern, nantentlich im ersten
Stück, den Beweis, daß inan ein großer Verehrer
der alten Arbeiten fein und doch in modernem Geiste
Neues ersinnen kann. Das erste Stück ist ein für
eine Silberhochzeit bestimmter Deckelpokal. Die birn-
förmige Tuppa wird von einem schlanken Fuß ge-
tragen, der sich in seiner allgemeinen Erscheinung
den gothischen Kelchfüßen nähert, wobei aber der
Schaft im wesentlichen als knorriger Baumstamm
und der Nodus als dichtes, grün emaillirtes Blätter-
werk ausgebildet ist; die wurzeln des vergoldeten
Stammes entspringen innerhalb eines mit perlen
und Halbedelsteinen besetzten Zaunes, über einem
gothisirenden, mit Widmungsspruch geschmückten
Sockel. Goldenes Gezweig schmiegt sich an die

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