Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Kleine Nachrichten.

348 u. 349. Dgl. 544 u. 345. (Aufnahmen nach den Griginalmodellen.)

in Leipziger Grassi - Museum befindet sich zur
Zeit in einem der wenigen erträglichen Räume
dieses für alles Andere, nur nicht für eine kunst-
gewerbliche Sammlung erbauten Gebäudes eine
Mtto Eckmann-Ausstellung, die, vom Berliner
Kunstgewerbemuseum ausgehend, die bedeutendsten
Amseen Deutschlands besuchen wird, um schließlich
auch jenseits des Kanals den Beherrschern der moder-
nen dekorativen Kunst ein Stück antochthoner deut-
scher decorativer Kunst vor Augen zu führen. Die
Ausstellung ist noch nicht groß, kann noch nicht groß
sein, da es einen Eckmann als dekorativen Künstler
erst wenige Jahre gibt und auf diesem Gebiete ori
ginell und gesund schaffen, so gut wie von vorne
ansangen heißt. Sie stellt noch durchaus kein End-
resultat in irgend einer Beziehung dar, da Eckmann
noch immer rastlos an sich selber arbeitet, auf jedem
neuen Gebiet, das er mutvoll betritt, wieder ein
Reformator ab ovo sein muß; sie zeigt aber doch
schon zur Genüge, wo Eckmann hinaus will, was das
Typische seiner Kunst ist und kann daher in seiner
Geschlossenheit noch eindringlicher wirken als einzelne
zerstreute zufällige Erzeugnisse seiner bsand. Erstaun-
lich ist dabei doch schon die Mannigfaltigkeit seines
Schaffens in so kurzer Zeit, wenn man bedenkt, daß
man auf diesenr felde der Kunst nicht nur Meister
der form, sondern auch der Technik sein muß. Man
sieht hier die stilsicheren, phantasiereichen Zeichnungen
zum Pan und zur Zugend, mit denen Eckmann's
dekorative Thätigkeit begann, und die die Natur
sogleich wieder als einen neuen, unerschöpflichen
Wunderborn enthüllen. Es folgt die bekannte Serie
der Scherrebecker Teppiche, hier vermehrb durch das
neueste Erzeugniß dieser Kunst, die im frühlings-

walde spielenden Mädchen, „fanget an, so rief der
Lenz in den Wald" betitelt, das den bedeutungsvollen
Aebergang dieses Kunstbetriebes zum figürlichen
zeigt. Dann die zahlreichen marmorirten Bunt-
papiere in den alten Techniken, deren wahren ästhe-
tischen Werth man erst in ihrer Verwendung
als Einband- und Vorsatzpapier erkennt, ferner
Zeitungsköpfe, Briefköpfe, Ex libris u. dergl. m.
Den großen Schritt von der flächendekoration zur
plastischen zeigen dann seine gleichfalls aus Natur-
motiven konstruirten pandleuchter, Hängelampen,
Wandleuchter, eine reizvolle Blumenvase, die erst der
ihr zukommende Blumenstrauß zur rechten Geltung
kommen läßt, Alles Erzeugnisse in Schmiedeeisen
oder der dankbaren Aluminiumbronze in reizvollster
Behandlung dieser Materialien. Zur flächendekora
tion kehrt er dann in seinen bei Kneusel in Krefeld
geknüpften fußteppichen zurück, hier dieses schwierige
Problem Anfangs noch mit Zurückhaltung in seinem
Eulenteppich, dann aber niit voller freiheit in seinen
beiden jüngsten Erzeugnissen, von denen der eine
als „der Meeresgrund" bezeichnet werden kann, in
ganz hervorragender Weise lösend. Letztere gehören
entschieden zu den originellsten Schöpfungen Eck-
mann's und werden wohl bald die Beachtung finden,
die sie verdienen. E. Z.

ine Buchausstellung. Zm mährischen Gewerbe-
museum zu Brünn ist am Sonntag den 6. v. Au
eine „Buchausstellung" eröffnet worden, welche die
ganze Entwicklung des Schriftwesens und Druck-
werkes veranschaulicht, für die älteste Zeit haben
das k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv, das
Mährische Landes- und das Brünner Stadtarchiv,
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