Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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395. vom Münchener Künstlerfest. Griechische Waffen.

ie ein JLünskkerfesi
macht wird?) (Von
Tßeodor Pi^Lb.

Es kann wohl kaum ein Aünstlerfest gedacht
werden, bei welchem nicht das Au n st Handwerk
^ einer oder der anderen Weise hereingezogen werden
H'üßte. In ganz hervorragender Weise war dies
^ei dein jüngst verflossenen Münchener Feste der Fall.

läßt sich deshalb durch die Tendenz dieser Zeit-
schrift, Aunst und Handwerk möglichst innig zu ver-
schmelzen, sehr wohl rechtfertigen, daß dieselbe sich
Nachträglich mit diesem hervorragendeit Ereignisse
U"d init den Vorbereitungen hiezu beschäftigt.

*) wir glauben nicht, von den unserer Zeitschrift vor-
öezeichneten wegen abznweichen, wenn wir die ernste Arbeit
einmal durch einen Rückblick ans das Münchener Künstlerfest
unterbrechen, zumal obiger Bericht ans der Feder eines der
berufensten — jdixis gehörte als eines der thätigsten Mitglieder
Festausschuß an — durch zahlreiche Abbildungen unterstützt
U'ird. wir hoffen im Gegeutheil, daß das tiefere Eingehen
u»f die Einzelheiten eines solchen Künstlerfestes nicht nur allen
Teilnehmern willkommen sein, sondern manchen Künstler zu
^ersuche,, anregen wird, die in weiterer Folge dem Kunsthand-
N>erk von Nutzen sein köntien. Die Red.

So ein Fest gibt denr Aünstler tauseitdfach Ver-
anlassung, sein eigenstes Gebiet zu verlassen, so zu
sagen, vom Olymp herabzusteigen und mit eigener
ksand sich mit ganz ordinären Techniken zu befassen,
also wirklich zum Handwerker zu werden. Das
Schaffen ist ja dem Aünstler die Hauptsache und bei
solchen Anlässen lernt er eine ganze Reihe von
Materialien viel intimer kennen und ihreti Eigen-
schaften gemäß behandeln, als durch bloßes Ein-
sehen und Ueberlegen. Dies kommt dann dem k)and-
werk fast direkt zu gute, indein der Aünstler bei seiner
auf diesem Wege erlangten intimen Aenntniß des
Materiales und der Techniken viel eher im Stande
sein wird, für ein bestimnttes Material auch geeignete
Entwürfe zu fertigen. —

Das glänzende Fest ist nun vorüber; ein Fest
seltener, ja einziger Art, veranstaltet von sämmtlichen
Aünstlergruppen Münchens.

Durch die Gnade 5. Agl. poheit des Prinz-
Regenten waren beide Agl. poftheater zur Verfügung
gestellt worden. Trotz der sehr hohen Eintrittspreise
war das ganze glänzend geschmückte poftheater bis

auf den letzten Platz besetzt.-

Feierliche Stille herrschte, als der begeisterte
Empfang des Prinz-Regenten und der zahlreich er-
schienenen Prinzen und Prinzessinnen des Agl. pauses

Aunft und Handwerk. 47. Iahrg. Heft 8.

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