Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Unsere Bilder.

(Lenialter Schrank von Schmidt & <£o., München.

'TN.ae Färbe»: lebender Blumen kann für dekora-
tive oder für Studienzwecke manchmal von Vor-
theil sein. Man benutzt dazu wasserlösliche Farbstoffe
(z. 23. Anilinfarben-Auflösungen), in welche man die
23lunren mit den frisch abgeschnittenen Stengeln steckt;
der Farbstoff wandert alsdann durch die Stengel
hindurch bis zu deir Blüthenblättern, welchen er je
nach Art der Pflanze und der Farbe, bald schneller
bald langsamer, verschiedenartige Färbungen verleiht.
Bei nranchen Blumen treten nur gefärbte Streifen
(Tulpen) oder Aderungen (Schneeglöckchen) auf, bei
andern färben sich nur die Kelchblätter. Als be-
sonders wirksame Farben werden Scharlach-Anilin,
Zndigo-Karmin bezeichnet. Selbstverständlich eignen
sich ganz besonders weiße oder überhaupt Helle Blu-
men zu diesen Versuchen, außer den schon genannten:
Narzissen, Christrosen, Kamelien, Primeln, Flieder.
<£s lassen sich auf diese Weise etwa für Tafelaufsätze
Blumen erzeugen, die die Gärtnereien bisher nicht
zu liefern im Stande waren, z. B. blaue Tulpen,
geröthete Schneeglöckchen u. f. w. Man hat nicht
beobachtet, daß solche Blumen schneller welken als
ungefärbte. *

nsere QßtfW. üü

Mas die Seiten 26 l— 295 an Ab-
bildungen enthalten, findet in den zu-
gehörigen Texten, soweit als nöthig, feine Erklärung:
die neuen Zinngefäße, dis Erinnerung an das Mün-
chener Künstlerfest und die Plakate. Gehört schon
die letztgenannte Gruppe ganz zur Domäne des Malers,
so haben auch die noch übrigen der Abbildungen
ihren Schwerpunkt in der malerischen Behandlung.
Am wenigsten freilich die Ahr von p. f} u b e r (Abb.
Hof), bei welcher die pflanzliche Dekoration ebenso
gut flachgeschnitzt wie gemalt sein könnte. Eine
durchaus flotte Dekorationsmalerei trägt der Truhcn-
deckel von Schlicht (Abb. q.32); als Erläuterung
dazu dient die (in Abb. ^33 gegebene) Gesammt-
ansicht, wenn auch diese Art der Bemalung einer
Truhe an sich nicht zur Nachahmung empfohlen
werden soll. Zn vollem Maaß vorbildlich ist da-
gegen der aus den Werkstätten von Schmidt & Eie.,
München, hervorgegangene Kleiderschrank, zu dessen
rothbraunem, in welliger Maserung behandeltem
Rahmenwerk die Hellen, mit stumpffarbigen Ranken
belebten Füllungen in wohlthuendem Kontrast stehe».
(Abb. 4.5^.)

Wie die Verfertiger der beiden letztgenannten
Stücke, so gehören auch die der übrigen den jüngeren
Münchener Künstlerkreisen an. Die dekorative»
Skizzen von Fr. Naager (Abb. ^35—HHs) sind
einer Reihe von Originallithographien entnommen
(in s/4 der wirkt. Größe), die durchgehends — eine
besondere Eigenthümlichkeit Naager's — im Geist
und in der zeichnerischen Technik (Zweifarben-bje'^
schnitte) altdeutscher 2Aeister gehalten sind; die Ori
ginalien sind in schwarz und grün gedruckt.

Zwischen alt und neu suchen Wenig's gemalte
Thür- und Fenstereinfassungen zu vermitteln; sie lasse»
sowohl hinsichtlich des Geschmacks und der solide»
zeichnerischen Technik (vgl. damit Wenig's Exlibris
im letzten Ljeft) die Schulung an den alten Vor-
bildern, als auch das Ringen nach neuen Ausdrucks-
formen erkennen (Abb. 442—444).

‘Y^ericbtigmtg. Zn unserer letzten Nummer ist leider
ein sinnstürender Druckfehler in den pinweise»
auf die Abbildungen stehen geblieben. Zn der sechste
letzten Textzeile S. 23f sollte es heißen Abb. 55^
und 354, statt Abb. 358—367, während dieser
letztere pinweis auf S. 230, Spalte rechts, Zeile \6
gehört.

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