Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

Page: 313
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Töpfereien von Schmuz-Baudiß.

öpfercicn von Achinuz-
(Kaudiß in München.

Im Rahmen der vorstehenden
Besprechung der vom Berliner
Aunstgewerbemuseum veranstal-
teten keramischen Ausstellung konnten dieAunsttöpfereien
von Schmuz-Baudiß nur kurz erwähnt werden;
innerhalb einer Ausstellung, welche die hervorragend-
sten Vertreter vollendeter keramischer Techniken um-
faßt, nehmen die Arbeiten des Münchener Malers
technisch allerdings einen bescheidenen Rang ein:
gewöhnlicher, gelblich oder röthlich brennender Thon,
wie er auch für Aüchengeschirr und Backsteine ge-
braucht wird, darüber ein andersfarbiger Thon-
überguß, in welchen die Dekoration hineingekratzt
wird — und schließlich ein paar leichtflüssige Gla-
suren, denen man deutlich anmerkt, wie der Aünstler
noch nach völliger Beherrschung dieser heiklen Materie
ringt. And trotzdem besitzen all diese eigenartigen
Stücke, von denen kein einziges ein zweites Mal ge-
macht wurde oder wird, einen eigenen Reiz, dessen
Geheimniß gerade in der individuellen Behandlung
beruht, welche der Aünstler jedem einzelnen Stück
zu Theil werden ließ.

Es ist eben ein ganz anderes Ding, ob der
Aünstler sich in seinem Atelier hinter das Reißbrett
setzt, seiner Phantasie die Zügel schießen läßt, und
schließlich dem Töpfer fagt: da hast du einen Ent-

wurf, führe denselben nun möglichst originalgetreu

aus,-oder ob der Aünstler seinen gewohnten

Arbeitsraum verläßt, sich in des Töpfers Merkstätte
nicht nur umsieht, sondern beschäftigt, das zur Ver-
fügung stehende Rohmaterial persönlich, handgreif-
lich kennen lernt und nun feine Phantasie nur im
Bannkreis der Technik und des Materials sich tum-
meln läßt. Wenn dem Aunstgewerbe durch Aünstler
geholfen werden soll, so kann es nur auf diesem
Wege geschehen, — nicht dadurch, daß man sich
über die nothwendigen praktischen Forderungen —
mögen dieselben nun mehr zwecklich-wirthschaftlicher
oder materiell-technischer Natur sein -— hinwegsetzt
und die vorhandenen Aräfte und Mittel zu über-
mäßiger und widernatürlicher Anstrengung zwingt.

Im vorliegenden Falle verdanken wir es einem
unglücklichen Zufall, daß ein Aünstler zur praktischen
Beschäftigung mit der gewöhnlichsten der keramischen
Techniken gelangt ist. Der schlechte, regnerische
Sommer des Jahres s8st6 zwang den Maler zu
einer unfreiwilligen Muse an der Stätte, die eigent-
lich zum Zwecke landschaftlicher Naturstudien auf-
gesucht worden war; aber der Schaffensdrang ließ
ihm keine Ruhe, sondern trieb ihn in die Werkstätte
eines Töpfers, der schlecht und recht gewöhnliches
Thongeschirr drehte und glasirte, wie es von Alters
her üblich und in den bäuerlichen Paushaltungen
der Gegend gebräuchlich war. Pier erlernte Schmuz-
Baudiß all die so primitiven und doch so unent-
behrlichen pantirungen, welche in der Erzeugung

469— 47;. von A. Damntoufe«paris.

(76 der wirk!. Größe.)

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