Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

Page: 403
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1897_1898/0431
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Vom Büchermarkt.

583. Brachen von p. Merk, München; wirkl. Größe. (Muster geschützt.)

^-^eyer, Or. Alfr. Gotthold, Oberitalienische Früh-
^ renaiffance, Bauten und Bildwerke der Lom-
bardei. I. Theil. Berlin W. Ernst & Sohn. (2 ITcf.

Der um die Forschung der oberitalienischen
Architektur und Skulptur hochverdiente Verfasser hat
es unternommen, ein noch von Jakob Burkhardt
als ungelöst bezeichnetes Problem mit eingehender
kritischer Würdigung vorhandener Vorarbeiten Ande
rer wie auch auf Grund eigener langjähriger Studien
in zusammenfassender Weise als ein Ganzes zu be-
arbeiten, die kunstgeschichtliche Stellung und die Ent
wicklung der lombardischen Renaissance. Bei dem
ungeheuren Material an Denkmälern, die vielfach
unterschätzt wurden, und bei der Fluth von hier
einschlägigen Werken war die Aufgabe durchaus
nicht leicht zu nennen, um so mehr als die italienischen
Forscher wie Beltrami, Moretti, E. Boito, der ver-
dienstvolle Monographist des Mailänder Donies
u. A. durch ihre feinsinnigen, geistvollen Arbeiten
die eingendste, umfassendste Würdigung erheischten
und andererseits die kunstgeschichtliche Lokalliteratur
aller Orten zerstreut war. Alfred G. Meyer, dem
für die 7. Auflage des Eicerone mit vollstem Rechte
die Neubearbeitung des betreffenden Abschnittes über-
tragen wurde, hat die Aufgabe trefflichst gelöst. Bei
einem Thema, in dein wie bei dem vorliegenden
die „Künstlergeschichte" durch die „Kunstgeschichte"
wesentlich zurückgedrängt wird, war es das Richtigste,
daß der Verfasser sein Werk nach Monographien
eintheilte. Diese behandeln zunächst die Gothik des
Mailänder Domes und seine hier zum ersten Male
eingehend gewürdigte dekorative Plastik bis zum
Jahre (^50 und dann unter dem Allgemeintitel
„Der Uebergangsstil" das Ospedale Maggiore, die
Medizeerbank, die Portinarikapelle zu Mailand, dann
den Doin zu Toms und die Tertosa bei pavia.
historische wie stilkritische Behandlung unterstützen
sich durch alle Kapitel hindurch in vortrefflicher Weise.
Ist inan sich der wichtigen Stellung der oberitalieni-
schen Kunst in Bezug auf die Entwicklung der Früh-

renaissance in Deutschland klar bewußt, so wird man
das vorzügliche Werk doppelt zu schätzen wissen.
Das Studium desselben unterstützen zehn gute Licht-
drucktafeln und 80 Textabbildungen.

Ohne irgend welchen Tadel damit aussprechen
zu wollen, sei zum Schluffe nur bemerkt, daß der
unter den deutscheil Meistern (S. 29) angeführte
Ulrich von Füßingen s(39^—(395) identisch mit
Ulrich von Ensingen, dem großen Dombaunleister,
ist. Als Ulrichs de Fussingen führen ihn zwar die
Mailänder Hüttenbücher in den Jahren (39«(—95
auf, Dr. Tarstanjen hat aber in seiner Monographie
über diesen Baumeister (München (893, S. 25 ff.)
die Identität der Beiden festgestellt. bl.

^ichtenbcrg, v. Ueber den Humor bei den deutschen
Kupferstechern und Holzschnittkünstlern d. (6. Jahr-
hunderts. Mit (7 Tafeln. I. h. Ed. heitz. Straß
bürg (89?. 3,50 M.

Es ist ein reiches mannigfaltiges Gebiet, welches
der Verfasser zu bearbeiten unternahm, denn bei nur
wenigen Künstlern des Kupferstichs oder Holzschnitts
der Renaissance vermissen wir Züge des Humors, sei
es nuil, um die Definition des Verfassers zu ge-
brauchen, daß deiil Humor Tribut in allerlei Dar
stellungen selbst oder in deren Beiwerk gezollt wird,
sei es, daß er iiil Gewände der Satyrs oder der
Ironie auftritt, oder daß er sich zur Konrik ent-
wickelt. Die Definitioil des Begriffes huinor ist
hiemit, wie der Verfasser selbst zugibt, durchaus nicht
klar gegebeil, vielmehr will v. Lichtenberg nach den
eben erwähnten drei Punkten beurteilen, inwieweit
der oder jener Kleister ein humoristischer Künstler zu
nennen ist. Mich dünkt nun aber, wenn auch in
diesen drei puilkten eine strenge Grenze gezogen zu
sein scheint, in den belegenden Beispielen sich dafür
eine um so größere Dehnbarkeit des Begriffes
„Humor" geltend zu machen, und ich glaube, daß
denr subjektiven Empfinden des Verfassers an vielen
Stellen nicht beigepflichtet werden wird. Darf man
loading ...