Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Seite: 263
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Die St. Bennokirche in München.

3<)\. St. Bennokirche; Lrucifix im Langhaus,
von Balthasar Schmitt.

Charakteristik romanischen Eisenbeschläges zum
Ausdruck zu bringet!. Unsere Abbildungen — die
äußere Sakristeithüre und der Gpferstock (Abb. 595
und Zst?) — geben davon bezeichnende Proben; mit
Ausnahine der von D. Bußmann gefertigten Be-
schläge des Pauptportals staminen sämmtliche Thür-
beschläge aus der Werkstatt Al. Birners.

Zln den Glasmalereien, die ihr Dasein durchweg
freigebigen Stiftern verdanken, — zu denen zum Theil
auch die Verfertiger selbst gehören — haben mit-
gewirkt die Anstalten von Jos. Mayer (f. Tafel fO),
F. ch. Zeltler (Abb. 398—403), und Fr. Bouche;
ihre Arbeiten, zu welchen der Baumeister nur
flüchtige Skizzen gefertigt hatte, während er sich für
die Ausführung im Einzelnen die Oberaufsicht
vorbehielt, fügen sich dem Rahmen des Ganzen
trefflich ein.

pat die leitende pand bei den Glasinalereien
demnach die Zügel etwas lockerer gehalten, so hat
sic dagegen eine um so straffere Wirksamkeit entfaltet
bei der Ausstattung der Sakristei mit dem Mobiliar
und dem rituellen Geräthe; insbesondere sind die
Sakristeischränke, dann die verschiedenen Wonnen der
Altarleuchter, ferner Ampeln, Osterkerzenleuchter,
Reiche, Monstranzen, das große Altarkruzifix (ein
Geschenk des hohen Adels Bayerns an die Kirche,

Abb. 58 P, Rauchfaß, Schiffchen (Abb. 592), Bal-
dachin (Abb. 596) durchweg nach den genauen Zeich-
nungen von Roineis gefertigt. Dabei sind mit
Arbeiten betheiligt Juwelier K. Winterhalter,
Tifeleur Rud. parrach, Kunstschlosser D. Buß-
mann, Bronzegießer F. ch. Stäble.

Die gute Zucht, die sich unsere Münchener
Kunsthandwerker durch das gründliche Studium der
alten Arbeiten errungen haben und die auch die
solideste Grundlage für das Schaffen in inodernein
Sinn bildet, hat hier treffliche Früchte gezeitigt.
Möge es auch in Zukunft dein Münchener Kunst-
handwerk nicht an Aufgaben fehlen! Daß es die
höchstgestellten Anforderungen zu befriedigen im
Stande ist, haben die Arbeiten für die St. Bcnnokirche
wieder bewiesen. L. G.

Pauk HcLedrich Urekb.

<8eö. Len 17. (Nlai 18-43, gesi. Len 14. (fflär; 1899.

Lin Nachruf.

unstschriftsteller und grübelnde Theoretiker,
die sich mit Betrachtungen über zeit-
genössische Werke und Kleister befassen,
werden von den zünftigen Praktikern
meist etwas mit scheelen Augen angc-
schaut. Nur wenn ihre Kritik einen wohlwollenden
Charakter anninnnt, verzeiht man ihnen ihre Be-
rufsthätigkeit; wenn nicht, dann sagt man entweder
sie verstünden nicht, was der Künstler gewollt hat,
sie hätten sich nicht einmal bemüht, dem Gedanken-
gang des schaffenden Kleisters nachzuspüren, —
seien von Vorurtheilen umgarnt, -— oder gar, sie
schrieben unter dein Einfluß persönlicher Mißstiinmung.
Bei Schriftstellern, die wohl Kunstgeschichte gründlich
studirt, aber sich nie ernsthaft persönlich mit künst-
lerischem Schaffen befaßt haben, mögen einzelne
obiger Vorwürfe eine gewisse Berechtigung besitzen;
dann freilich kann weder Kunst-Kritik noch Kunst-
theorie fruchtbaren Samen ausstreuen. Wo aber
der Kunstschriftsteller von eigenem künstlerischen!
Schaffen ausgeht, wo dann die Worte dein Drange
entspringen, auf Irrwege hinzuweisen und in der
Ferne winkende Ziele zu kennzeichnen, die von dein
über die Parteien hinausragendcn Standpunkt sich
besser übersehen lassen als iin Drange praktischer
Arbeit, da haben die Worte ein Anrecht auf Be-
achtung durch Künstler und Kunsthandwerker. Ge
wiß wird —- wie in andern Dingen, so auch bei
allen Bewegungen im Kunstleben — stets die That
den Ausschlag geben bei der Beurtheilung von
Wollen und Vollbringen; aber Wort und Schrift

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