Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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4;o. Zierleiste von Beruh. Wenig, Berchtesgaden.

(Der A?eii6ewerk
um ein lKrunnen ^ (Denßmak für
die KLadt (Nördkingen.

kam am 2<{. !1
Als Preisrichter
Syrius Eberle
tekteii Prof. Gg.

er Wettbewerb um einen als Krieger-
denkmal gedachten Brunnen, den
die Stabt Nördlingen unter Zu-
schußleistung des Staates aus den
Fonds für Pflege und Förderung
der Kunst zu errichten gedenkt,
nrz dieses Jahres zum Entscheid,
fungirten die Bildhauer Professor
und Jakob längerer, die Archi-
b^auberisser und H. v. Schmidt,
ferner Akademieprofessor Rud. Seitz und als Ver-
treter der Stadtgemeinde Nördlingen Prof. Julius
Heller und Ingenieur NI. Gaab. Eingelaufen
waren im Ganzen f8 Entwürfe, die am 5f. Nlärz
im Erdgeschoß des alten Nationalmufeums zu öffent-
licher Besichtigung aufgestellt waren. Das Ergebniß
der unter dem Vorsitz eines Regierungsvertreters ge-
pflogenen Berathung des Preisgerichts war folgendes:
der erste Preis, bestehend in dem Aufträge zur
Ausführung, soll nicht vergeben werden, und zwar
itamentlich deshalb, weil die beiden besten Entwürfe,
abgesehen von sonstigen gegen sie erhobenen Er-
innerungen, der Konkurrenzbedingung, wonach der
Brunnen zugleich als Kriegerdenkmal ge-
staltet werden sollte, nicht hinreichend Rechnung
tragen. Die beiden Geldpreise mit IJOO und sOOO NI.
sollen zusammengelegt und der Gcsammtbetrag je
zur kjälfte den Urhebern der NIodelle mit den Kenn-
zeichen „Siegfried" und „G. 23" zuerkannt werden.
Bei Eröffnung der Eouverts mit den Namen der

Urheber stellten sich als Preisträger die Bildhauer-

Jak. Bradl und Georg IVrba, beide in München,
heraus.

Nachdem diese Entscheidung die allerhöchste
Genehmigung erhalten hat, würde es zwecklos fein,
daran zu rütteln. Jndeß, so wenig inan in sachlicher
Beziehung dagegen einwenden kann, so sehr unterliegt
der Beschluß der Jury Bedenken formeller Art.
Dadurch, daß das Preisgericht, wir lassen dahin-
gestellt, ob mit Recht oder Unrecht, den ersten Preis
strich, wurde für jeden Theilnehmer an der Kon-
kurrenz die Wahrscheinlichkeit, einen von beit drei
ausdrücklich in Aussicht gestellten Preisen zu erringen,
um 33 hg Prozent vermindert. Gesetzt, die beiden
künstlerisch werthvollsten Arbeiten entsprachen in der
That nicht den festgesetzten Bedingungen, so standen
der Jury zwei Auswege offen: entweder sie ertheilte
den ersten Preis einem andern dritten Entwurf, der
jenen Bedingungen besser genügte, oder, was unseres
Erachtens allerdings empfehlenswerther gewesen wäre,
sie schlug die vorhandenen Geldpreise zusammen und
vertheilte die Gesammtsumme.in angemessenen Theilen
aus wenigstens drei der Ulitbewerber. So wäre
den durch die Besteller selbst gestellten Bedingungen
einigermaßen Genüge geschehen. Jm Uebrigen mögen
solche und ähnliche Mißgriffe, wie der hier vor-
gekommene, bei künstlerischen Wettbewerben eine
ständige Gepflogenheit sein; allein eine Inkorrektheit
wird dadurch nicht korrekter, daß man sie beliebig
wiederholt.

Bevor wir zur Betrachtung der Entwürfe selbst
übergehen, müssen wir einen Blick auf den zukünf-
tigen Standort des Denkmals werfen, den uns eine
Ansicht des Platzes (Abb. 4^3) und der Ausschnitt
aus dem Plan der Stadt (Abb. q.\2) gewährt.
Ziemlich im Zentrum des alten „Rübenmarktes",

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Kunst und Handwerk. 50. Iahrg. Heft 8.

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