Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Smanzpkan

für die

^ukekfeier des (Kaxerischen HLunstgeweröevereLnb.

er Bayerische Kunstgewerbeverein schickt
sich an, die Feier seines fünfzigjährigen
Bestehens und damit fünfzigjähriger,
unendlicher Arbeit zu begehen — nicht
mit einem Feste, das in einigen Stunden
verrauscht und nur in der Erinnerung dauernd fort-
lebt, sondern mit einer Veranstaltung, welche in
bleibendem Bestehen einen Beitrag zur Lösung von
fragen der allgemeinen Wohlfahrt bildet.

Die Gedanken, die den Verein bei seinem Jubel-
feste bewegen, hat derselbe in jener Denkschrift nie-
dergelegt, welche unseren Lesern und Mitgliedern
als Beilage zu dieser Zeitschrift bereits bekannt ge-
worden ist und welche seither das Interesse weiter j
Kreise wachgerufen hat. Nunmehr hat auch die
stnanzielle Ergänzung der Denkschrift in den: dieselbe
vervollständigenden Finanzp lan ihren Weg in die
Veffentlichkeit gesunden und es mag wohl angezeigt
erscheinen, dessen Grundzüge auch an dieser Stelle
zusammenfassend darzustellen.

Der ganze Finanzplan basirt auf dem Gedanken,
daß an einem Werke öffentlichen Nutzens finanziell
alle jene Areise betheiligt sein sollen, welche an
diesem Nutzen Theil haben. — Nachdem den Kern J
und das Endziel des gesummten Projektes die Schaf-
fung eines mit Schulen, Lehrwerkstätten, Bibliothek
und Vorbildersammlung verbundenen Gewerbe-
museums bildet, kommen nach dieser Richtung der
Staat, die Stadt und ein weiter Kreis von privaten
in Frage.

Das ganze Unternehmen ist sowohl technisch,
wie auch finanziell in drei Gruppen gegliedert.

Technisch umfaßt dasselbe an erster Stelle die
Gruppe (I) der Bauten des Museums, welche bei
einem Einheitssätze von Ulk. \7 für den Kubikmeter

der auszuführenden Baumassen einen Aufwand von
Ulk. s 8^2 f 24,93 erfordert.

Die zweite Gruppe (II) wird gebildet von jenen
Gebäuden, welche seinerzeit nach Entfernung der
alten Isarkaserne den nördlichen Theil der Kohlen-
insel bedecken und jenes reizvolle Bild eines echt
bayerischen Bauwesens entstehen lassen sollen, in
welchem die handwerklichen Körperschaften und ver-
schiedenen gemeindlichen Einrichtungen, Schulen,
Aemter u. dgl. ihren Platz finden würden. Die
Krönung des Ganzen würde, wie bekannt, ein über
dem Eingang an der Zweibrückenstraße sich erheben-
der Thurm darstellen.

Legte man für den Letzteren eine Kosteneinheit
von Ulk. 22 für den Kubikmeter, für die übrigen
Bauten wiederum Ulk. 17 für den Kubikmeter zu
Grunde, so berechnete sich für diese Gruppe eine
Kostensumme von insgesammt Ulk. \ 650 320.

Die dritte Baugruppe (III) enthält den Saalbau
sammt Nebengebäuden, welcher selbst mit Ulk. 20
für den Kubikmeter veranschlagt ist, wogegen für die
Nebengebäude Ulk. {7, für die Terrasse Ulk. \2 aus
den Kubikmeter vorgesehen sind. Die Gesammtkosten
dieser Gruppe werden Ulk. 2 506 280,75 beziffern.

Das Projekt in seiner Gesammtheit erfordert
sonach eine Summe von Ulk. 5 7st8 653,68, also rund
von 6 Millionen Mark.

Nun ist es aber nicht möglich, sogleich das
Ganze in Vollzug zu setzen, denn die in der alten
Isarkaserne zur Zeit untergebrachten städtischen Aemter
können bis auf weiteres an anderen Stellen ein Unter-
kommen nicht finden, Hieraus refultirt sofort eine
Zweitheilung für die Bauausführung, insoferne zu-
nächst an die Aufführung des Museums- und des
Saalbaues — Gruppe I und III — geschritten, die

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