Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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facsimile
56. (parifci' Ausstellung.) Fries au der körte mouumsntuls. Nodellirt von A. Guillot, iu Steinzeug ausgeführt

von Liuil Müller, pnris. - (Figuren über Lebensgröße.)

Moderne Keramik auf der pariser Meltansstellniig,




wmm^mrr.

—.~

Moderne Keramik auf der Pariser
'DekkaubfieEun^.

(Von Dr. Srnst Jimmermann.

eltausstellungen haben bisher immer
Ueberraschungen auf dem Gebiet
der Aunst bedeutet. Alan hat
dort einzelne Künstler entdeckt, man
hat ganze Aunstländer aufgefnn-
den. Die diesjährige Weltaus-
stellung wird schwerlich wieder eine gleiche Beden
tnng gewinnen. Ts gibt jetzt der Ausstellungen zu
viele, und jede strebt zu sehr nach dem Hoheit Range
der internationalen, es gibt Zeitschriften genug, für
die es eine Pflicht ist, das Neue in der Run st aus-
findig zu machen, als daß tioch heutzutage etwas
bedeutungsvolles Neues den Augen der itach neuen
Anregungen begierigen Menschheit verborgen bleiben
könnte. Die diesjährige Ausstellung bedeutete höchstens
eine negative Ueberraschung: eine Enttäuschung des
Inhalts, daß die künstlerische Welt zur Zeit noch
weniger modern ist, als nran erwartet hat. Man
muß hier das Moderne noch suchen! Das beweist,
daß es sich nirgends durch sein Uebergewicht von
selber aufdrängt. Auf manchem Gebiet ist es sogar
ganz ausgeblieben. Die Weltausstellung scheint eben
ein wenig zu früh gekommen. Sie gibt mehr ein

Bild dessen, was das jfi. Jahrhundert erreicht hat,
als dessen, worauf das folgende aufbauen soll.
Große Bewegungen richten sich eben nicht nach
mathenmtischen Zeitabschnitten, wenn auch der Histo-
riker — meist aus Bequemlichkeit — sie später diesen
anzupassen trachtet.

Zu dieser allgemein giltigeu Thatsache bildet
die Aeramik die bedeutendste Ausnahme. Das ist
besonders merkwürdig, bedenkt man, daß kein Ge-
biet der dekorativen Aunst in dem vergangenen Jahr-
hundert zu solchem Tiefstand gelangt war, wie dieses.
Sogar Frankreich, das sich sonst das Land des guten
Geschmacks nennt, hat, wie hier die keramische
Tentennarausstellung zeigt, darin nicht die geringste
Ausnahme gebildet. Aeberall war unter dem poch-
druck gesteigerter Technik und Produktion der gesunde
kerainische Instinkt verloren gegangen, dessen man
für diese ebenso schöne wie eigenartige Aunst doppelt
bedarf. Diese Ausnahme erscheint jedoch weniger
seltsam, erinnert inan sich, wie die moderne de-
korative Bewegung in ihrem Anfang fast überall
mit dem Wiederaufblühen dieser Aunst eingesetzt hat,
erinnert man sich ferner der ersten Lehrmeister
auf diesem Gebiete. Das eigenartige Aunst-
volk der Japaner hat seit der pariser Welt-
ausstellung von f878 in reichster Hülle eine
künstlerisch wie technisch so mustergiltige Aeramik
uns in den Schooß geschüttet, daß hier die Möglich-
keit einer bequemen, hurtigen Nachahmung und

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