Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Unsere Bilder.

75. (Pariser Ausstellung.) Intarsirte bholzDecke aus dem Ulnsikzimmer von Gust. kjalm Huber und

Gg. wölfel, Stuttgart.

aus dem Riemerschmid'scheu Zimmer (Abb. 67)
dielte, daß das den Thürrahmen umschlingende Grna-
ment sich friesartig im ganzen Ziinmer herum fort-
setzt, gewissermaaßen Wände ttud Decke längs ihrer
Berührungslinien nrit einander verflechtend; in diesem
Raume steht u. A. auch jenes eigenthümliche Möbel
von Gbrift (Abb. 68), das Bücherschrank und Schreib-
tisch fest mit zwei Lehnstühlen verbunden zeigt — eine
Anordnung, deren Zweckniäßigkeit indessen nicht außer
Zweifel steht. Das Zintmer der vier Münchener
Aunstschreiner, das nur in einem Bruchstück — dem
erkerartigen Sitzplatz — dargestellt werden konnte
(Abb. 7 s), ist in seinen polztheilen aus graugrün
gebeiztein Ulmenholz nnt Ulmenntaserfüllungen aus-
geführt; die Wandbespannungen siitd gelblich ge-
mustert, die Möbelbezüge blaugrau mit dunkelblauen
Applikationen. ^

Die folgenden Bilder (72—77) veranschaulichen
eine Arbeit, der weder nach Art, noch nach Durch-
führung leicht eine andere an die Seite gestellt werden

kann: Wände, Decke und Fußboden eines Musik-
zimmers, dessen Entwürfe von Prof. Gust. Palm-
Huber herrührten und mit dem Grand prix aus-
gezeichnet wurden — und dessen Ausführung in
Zntarsia Georg Wölfe! in Stuttgart in so trefflicher
Weise bewerkstelligte, daß die Arbeit die goldene
Medaille errang. Zur Darlegung der leitenden
Grundgedanken und der Durchbildung im Einzelnen
geben wir dem Urheber der Entwürfe das Wort:
„An der Esplanade des invalides in Paris war
von Seiten des perrn Reichskommissars eine Aoje
für Zntarsien vorgesehen, und es wurde der Firma
Georg Wölfe! und dem Unterzeichneten in Stuttgart
der Auftrag von Seiten des Reiches, ein geeignetes
Vbjekt in dem ^ : 5 m betragenden Raum auszu-
stellen. Die Zeit war sehr knapp, und es galt, Entwürfe
herzustellen, die gleichermaßen Auftraggeber und Pub-
likum befriedigen sollten. Das Publikum erwartete da
mals Ultramodernes, die Auftraggeber, zu denen neben
tarn Fabrikanten auch unser württembergischer Prä-
sident der Zentralstelle v. Gaupp gehörte, verlangten

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