Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

Seite: 169
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Die dekorative Malerei der Renaissance am Bayerischen ljofe.

wiegen der spätrömischen
Schule, im Ornamentalen an
Raffael, in der dramatu
schen Romposition an Michel
Angelo sich anlehnend; keiner-
lei nachfolgender Einstuff auf
die altbayerische Dunst.

Zweite Epoche. Ruhig
fortschreitende Entwickelung,
beginnend mit der Dekora-
tion der Neuveste zu Rinn
chen, daun Dachauer Schloff.
Diese bezeichnend sür die
Dunst unter Albrecht V. RAt
der bheirat Wilhelm V. und

ein kurzer Exkurs auf das
Gebiet der Dleinmalerei, der
Beziehungen zur kirchlichen
Dunst, zu der volkstümlichen
Dunst der Faffadeumalerei
angeknüpft und dabei allerlei
parallelen in Österreich und
Tirol herangezogen.

Das ganze ist als erster
Beitrag zu einer umfassen-
den Geschichte der Dunst in
Bayern während der Re-
naissance äußerst wertvoll,
obfchon nicht zu leugnen ist,
daff eigentlich andere küust

266. (pariser Ausstellung.) Silbernes Theeservice von Lhristofle & Lo., Paris.

seinem Regierungsantritt wieder wachsender italie-
nischer Einfluß, der von Augsburg her wesentliche
Unterstützung erhält. Sustris als leitender Düustler.
Als ausführeude Dräfte vorwiegend Italiener, die
in manchen Sparten, z. B. Stuccaturen, ganz selbst-
ständig arbeiten. Im Ornamentalen tritt Florenz,
im figürlich-kompositionellen, vor allein in der Farbe
wiegt der Einfluß Venedigs vor.

Die dritte Epoche ist bezeichnet durch die
Regierung Maximilians I. und auf küustlerischein
Gebiete durch den Namen Eaitdid, dessen Erstliugs-
arbeiten zwar den Einfluß der italienischen Schulung
verraten, während mit der weiteren Entwickelung
seiner Arbeiten sich ein Zug nach voller Selbst-
ständigkeit, die mehr und mehr deutsch-nationalen
Eharakter anuimmt, geltend macht. Die Mitarbeit
italienischer Düustler hört ganz auf. Die Ausbildung
der Innendekoration nach venetianifchem Muster
erreicht unter ihm die höchste Vollendung.

Anschließend wird noch eine Betrachtung an
das gegenständliche der Malereien aller drei Epochen,

lerische Gebiete, so z. B. das des hochentwickelten
Bronzegusses, daun das ganze, große Gebiet des
Duustgewerbes, schon der gegenseitigen Wechsel-
beziehungen halber eigentlich mit in Betracht zu
ziehen gewesen wären, um so mehr, als ja gerade
Eaudids Thätigkeit auch hier stark ins Gewicht
fällt. Dein Teil Deutschlands ist so reich au bedeut
samen Denkmälern aus allen Gebieten der Dunst,
wie gerade Bayern. Rin so begrüßenswerter er-
scheint es, daß hier, wenn auch nur mit einem
Bruchstücke, der Grund gelegt wurde zu Forsch-
ungen, die das Gesamtgebiet der Dunst betreffen
und Bayern gerade nach dieser Seite hin endlich
einmal der Welt gegenüber an jene Stelle rücken
müßten, wohin es mit Fug und Recht gesetzt zu
werden verdient. Die Inventarisation der Dunst-
deukmäler wird bei allem Eingehen auf die einzelnen
in Betracht kommenden Gebiete das nicht geben
können, was eine zusammenfassende Geschichte der
bildenden Dünste in Bayern zu geben die Aufgabe
hätte.

Kunst und Handwerk. 5P Iahrg. Heft 6.


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