Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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^r. v. Thierschs „kfaus für Handel und Gewerbe".

S^OLX.

l.SI'OLX

SKZ—27(. Neue Börse in München von Fr. v. Thiersch. Grundrisse des Erdgeschosses
und der zwei folgenden Obergeschosse.

dein Erdgeschoß die drei
Stockwerke und das Dach-
geschoß auf. Möchte sich
ähnlich das Mrtschafts-
lebcn Münchens entwickeln!

Neu und sehr beachtens-
wert erscheint niir, wie glück
lich Thiersch die großen
Fenster des Restaurants
architektonisch verwertet. Er
zeigt uns darin eilten neuen
Weg. Besonders bei großen
Geschäftshäusern, wie wir
sie iit München allerdings
kaum kennen, tritt das
Fehlen aller die Pfeiler
verbindenden Flächen als
Charakteristikum praktischer
Neubauten stark hervor.
Ulan muß sich ttur wun-
dern, daß ein gewisses ästhe
tisches Gefühl nicht dazu
geführt hat, diese großen
^ichtlöcher durch entspre-
chende farbige Mittel kon
struktiv mitreden zu lassen.
Thiersch, nicht nur Inge
nieur, sondern immer auch
Aünstler, führt nun hier-
durch breiten, hellfarbigen
Gpalescenz- Glaseinsatz in
den Fenstern ein Band,
das auch bei den schweren
messingenen Thüren keine
iit die Augen fallende Unter-
brechung erleidet, rings um
das Erdgeschoß. Überdies
unterbricht er die Mono-
tonie der großen Fenster
durch kleinere Bunt- und
Bleiverglasungen, die den
ganzen oberen Teil der-
selben einnehnren, aufs
glücklichste, deitir sie haben
keine Ähnlichkeit mit jenen
düsteren gotischen und „Re-
naissance" - Verglasungen.
Auch nach innen ist dies
von wohlberechneter Wir-
kung. Es trägt gar sehr
zur heiteren, aber geschlos-
senen Stimmung des Innen-
raumes bei. Bei sehr reich-

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