Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Festgaben zum 12. Marz ryof.

39 Einband zur Adresse der bayerischen Bischöfe; Entwurf »nd Ausführung von
Steinicken & Lohr, München. (Ungefähr l/i der mirkl. Gr.)

Adresse selbst, von F. X.

Weinzierl in Neu-Pasing
geschrieben, steht jener der
Benediktinerklöster in ihren
ruhigen Schriftzügen (f5.Jahr-
hundert) an künstlerischen:

Wert völlig gleicht).

Die umfangreichste Arbeit
war jedenfalls der Einband
zu der Adresse der bayerischen
Adelsgenossenschaft(Abb.592),
wobei auch von der Leder-
treibarbeit der umfangreichste
Gebrauch gemacht wurde. Der
Willigkeit, mit der sich das
Leder treiben läßt, steht die
Möglichkeit zur Seite, durch
geeignete Unterlegung den
hochgetriebenen (figürlichen)

Partien ihre Unveränderlich-
keit zu sichern — und damit
rechtfertigt sich auch die Aus-
führung derartiger Arbeiten.

Die Ecken des Einbandes, der
im ganzen die natürliche Harbs
des Leders zeigt, schmücken
reiche Beschläge; die Schrift
und einige kleine dekorative
Zuthaten sind vergoldet, das
heraldische farbig. Wehr im
Bereich des Hlachornamentes
hält sich die von den gleichen
Händen herrührendeLade für
den Glückwunsch der Minister (Abb. 3fi6—Zfi8), die
im übrigen neben etwas Vergoldung und heraldisch-
farbigen Zuthaten ihren Hauptschmuck in dem fein
ciselierten Medaillonbildnis des Gefeierten besitzt. —
Zu den in ihren Motiven einfachen, aber gerade da-
durch wirkungsvollen Decken für die Adressen der
Rabbiner und der Deutschen Gesellschaft für christliche
Kunst in München (Abb. 59^ und Zstö) ist nur zu
bemerken, daß bei der ersteren sparsame Vergoldung
(in der Schrift), bei der letzteren auch Harbe (bei den
Wappen) zur Anwendung gekommen ist.

Eine noch einfachere Ausschmückung hat der
Einband zur Adresse der Technischen Hochschule er-
halten (Abb. Zfiä), wo der Schmuck sich aus ein
kleines Mittelfeld mit farbig behandeltem Wappen

9 Die unter ungünstigen Verhältnisse» gemachte photo-
graphische Aufnahme ließ leider die hellblau gehaltenen Initialen
und die Drnamente so blaß erscheinen, daß deren Retouche nicht
möglich war und so auf Vorführung dieser Schriftprobe ver-
zichtet werden mußte.

und auf einige einfassende Linien und Messing-
nägel beschränkt. Die Adresse selbst (Abb. 399) ist
auf Pergament geschrieben; zu dem warmen Leder-
gelb der Fassung, die nach innen mit einem Gold-
leistchen abschließt, harmoniert trefflich das die Schrift
einfassende Rahmenwerk, dessen Grundton auf Blau
gestimint ist — in der Hauptsache blaugrün. In
den unteren Ecken auf je drei Schildchen in Goldum-
rissen auf blauem Grund die Abzeichen der sechs an
der Technischen Hochschule vertretenen Hachabteilungen;
Rand der Schildchen violett, Grund der Felder
blaurot.

Wie dieser Adresse die Airordnung und Durch-
bildung der Schrift zu besonderem Vorzug gereichen,
so bildet bei der Städteadresse (Abb. ^00) die Schrift
mit allenr Drum urrd Dran derr künstlerisch bedeu-
tungsvollsten Teil des Ganzen. Die bayerischen Städte
hatten sich zu einem gemeinsamen Glückwunsch ver-
einigt, wobei zugleich am Schluß (unter Beisetzung
der Städtewappen) die Beiträge der einzelnen Städte

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Kunst und Handwerk. 5P Iahrg. Heft 8.

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