Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Der XX. Delegierten- und der Aunstgewerbetag zu München.

55x u. 552. Spieltellerchen aus Messingblech, Messerbänkchen aus Schmiedeeisen von St ei nicken & Lohr.

arbeit anerkannt. Ferdinand v. Miller hat ihn
besonders gegen das französische Kunstgewerbe ge-
sorderh heute kommen noch andere Konkurrenten
hinzu, wenn auch Deutschlands Kunstgewerbe selbst
konkurrenzfähiger wurde. Der Schutz der heimischen
Kunstarbeit kann auf zwei Wegen erreicht werden,
entweder durch Wertzölle oder durch besonders er-
höhte Positionen in den Tarifen. Die Wertzölle
sind gewiß annehmbar und durchführbar, aber die
Abneigung gegen Wertzölle wird in neuerer Zeit
immer allgemeiner und größer. Auch einige zoll
technische Schwierigkeiten stehen den Wertzöllen ent-
gegen. schließlich könnte ja eine Kombination von
Wert- und Gewichtszoll eingeführt werden. Der
Tarif soll ja immer mehr vereinfacht werden, wie
sich immer deutlicher zeigt. Und wenn der Wertzoll
abgelehnt wird, dann müßte eben für Kunstgegen-

stände eine möglichst sorgfältige Auswahl und eine
feinere Gliederung des Tarifes verlangt und in dein
Zolltariffchema durch Festsetzung von besonderen Ge-
wichtszöllen Ausgleich gesucht werden. Die Sonder-
positionen des neuen Tarifes zeigen auch schon,
daß die Möglichkeit, das Kunstgewerbe zu schützen,
bereits angestrebt wird. Immerhin hat der Reichs
tag noch ein reiches Feld der Thätigkeit bezüglich
des Schutzes des heimischen Kunstgewerbes.

Das Kunstgewerbe kann nur gedeihen, wenn es
möglichst viele kaufkräftige Konsmnenten hat. In
der Zollpolitik muß darauf gedacht werden, alle Tr-
werbsgruppen gleichmäßig zu schützen. Das Kunst-
gewerbe hat also Interesse an einer ausgleichenden
Zollpolitik, peute schon mit Wehklagen aus die
unentbehrliche Gunst des Auslandes als Abnehmers
hinzuweisen, ist verfehlt und auch das Kunstgewerbe

553. Blmnenväschen, entworfen von !j. L. v. Berlepsch, ausgeführt von I. Win hart & Co.
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