Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

Page: 32
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Chronik des Bayer. Aunstgewerbevereins.

ein gemalter Altar von Zos. Altheimer, ein Glas-
bild-Aarton von Zos. Bradl, einige Bilder von
Gebhard Füge! und ein prächtiges Glasbild (farbig)
im Aonstanzer Münster von Fritz Geig es. N.

Itc Meister. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig
und Berlin. Jährlich 5 Lieferungen mit 8 Tafeln
zu 4 Alk.

Für den Kunstfreund wie für den Historiker
bestand schon längst das Bedürfnis guter farbiger
Reproduktionen hervorragender Gemälde; doch er-
wiesen sich solche, wenn sie überhaupt geglückt
waren, zu kostspielig, als daß man eine ausgiebige
Sammlung von solchen sich hätte anlegen können.
Der rührige Verlag E. 21. Seemann hat es nun
unternommen, solche Nachbildungen zu einen: wirk-
lich erstaunlich billigen Preise herauszugeben. Mit
den derzeit zur Verfügung stehenden technischen Hilfs-
mitteln ist zweifelsohne alles Mögliche, in vielen
Fällen auch wirklich Zweckentsprechendes, den An-
forderungen der Runstforschung Genügendes erreicht
worden. Ohne auf die hier angewandte Technik
der mechanischen Photographie einzugehen, sei nur
kurz betont, daß die Ausführung mit größter Sorg-
falt und Peinlichkeit vorgenommen wurde. Die noch
bestehenden Mängel beruhen aus dem noch nicht zur
höchsten Vollendung gediehenen Standpunkt der frag-
lichen Technik und in der nicht ganz glücklichen Wahl
und dem Größensormat einiger Genrälde, bezw. der
Reproduktionen. Allzu figurenreiche Aompositionen
wirken nicht selten unruhig in der Farbe; entschieden
besser eignen sich für diese Technik Gemälde mit klar
voneinander sich abhebenden breiten Farbenpartien.
Als beste Leistungen mögen die Blätter nach Melozzos
bekanntem lautenspielenden Engel und nach Terborchs
Aonzert (Berlin) genannt werden. Besonders glücklich
gelang bei ersterem der Freskocharakter, bei letzterem
die Behandlung des Stofflichen. Solche Blätter
können sehr wohl auch als guter Wandschmuck dienen.

H.

Archiv für Buchbinderei und verwandte Ge-
vl schaftszweige, Zeitschrift für kunstgewerbliche
und handwerksmäßige Buchbinderei, Lartonnage,
Lederwaren- und Geschäftsbücher-Fabrikation, Papier-
ausstattung. perausgegebcn von Paul Adam in
Düsseldorf. Jährlich s2pefte; Preis pro Quartal
2,50 M. Verlag von Wilh. Anapp, Palle.

Wer sich der hübschen illustrierten Monatsschrift
für Buchbinderei erinnert, die der gleiche Peraus-
geber mehrere Jahre lang geleitet, aber dann aus
geschäftlichen Rücksichten vor etwa s0 Zähren ein-
gehen lassen mußte, der wird diese neue Zeitschrift
mit Freude und mit der poffnung begrüßen, daß sie

in gleich erfreulichem, fortschrittlichem und doch dein
Alten wie dem Neuen gerecht werdendem Sinne wie
ihre Vorgängerin geleitet werde, daß ihr aber eine
größere Dauer beschieden sein möge. Das vorliegende
erste Pest ist vielversprechend. Es behandelt (neben
allgemeinen Einleitungen): pandvergoldungen, orien-
talische Einbände, Ledermosaik, Marmorierpapier,
den modernen Stil im kirchlichen Buchgewerbe,
Tagesfragen, meist durch paffende Bilder erläutert.
Eine Fachzeitschrift, deren Perausgeber eine HOjährige
Praxis hinter sich hat, dabei aber die Fortschritte der
Gegenwart aufmerksam verfolgt, darf wohl des Er-
folges sicher sein. G.

(Unsere (Kikder.

it Ausnahme des letzten Textbildes und
der Tafel { fußen alle Abbildungen
dieses peftes auf der künstlerischen
Thätigkeit p. E. v. Berlepschs;
sie sind durch die begleitenden Texte
hinreichend beleuchtet — ebenso die Riemenschneider-
sche Afrabüste — und nur die auf Tafel s darge-
stellte Altarnische bedarf einiger Worte der Er-
klärung.

Die auf ein in Papier ausgeführtes Modell der
Altarnische (ca. 1jw der wirkt. Größe) gemalte Skizze
war eine der letzten — leider unvollendeten — Ar-
beiten des in den besten Lebens- und Schaffensjahren
verstorbenen Malers Wilhelm Volz; der untere Teil
der Nische ist in eine Arkadenreihe aufgelöst, während
der obere eine Darstellung des Menschenlebens unter
dem Gesichtspunkte der christlichen Lebensanschauungen
darstellt: zur Linken — unter dem Schutz von Engeln ins
Leben eingeführt — die Rinder, die dann zu Jüngling
und Jungfrau heranreifen und — in der Mitte
des Bildes, zu Füßen des Gekreuzigten — mit der
Eheschließung den Pöhepunkt des Lebens erreichen;
darauf wieder ein allmähliches Perabsteigen, bis der
Engel den Greis zur ewigen Ruhe geleitet. — Das
hier gegebene Blatt soll einen Vorläufer bilden sowohl
zu einer eingehenden Würdigung des verstorbenen
Malers als zu einer Darstellung der Erlöserkirche
und anderer Werke Theodor Fischers.

Lgronik lies Bayer. Kunflgkwerßkvereins.

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Die regelmäßigen tvochenversammlungen beginnen Dienstag,
den s. November, abends 8 Uhr, im vereinslokal an der Pfand-
hausstraße. Neuangemeldete Mitglieder sind zum Besuch der
Versammlungen berechtigt, auch wenn ihnen die Aufnahms-
urkunde noch nicht zugestellt fein sollte.

verantw. Red.: Prof. (. Gmeli». — heransgegeben vom Baser. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag von R Dldenbourg, München.
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