Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

Page: 206
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1901_1902/0225
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Kleine Nachrichten.

eine genügend sichere Grundlage zu geben, ist für
die zweite Hälfte des Monats April die Einberufung
einer neuen Kommission von sachverständigen ein-
geleitet, die lediglich vom technischen Standpunkte
aus auf Grund einer Untersuchung des Baues selbst
die Frage beantworten soll, ob der Otto Heinrichs
Bau mit ästhetisch vertretbaren Mitteln auf eine
längere Zeitdauer in seiner dermaligen Gestalt er-
halten werden kann. — Der Heidelberger 5chloß-
verein sammelt gegenwärtig sämtliche Meinungs-
äußerungen über die Frage der Erhaltung des
Heidelberger Schlosses, um sie in chronologisch ge-
ordneten Auszügen zu veröffentlichen. Es wird an
sämtliche Zeitungen und Autoren die freundliche
Bitte gerichtet, was sie darüber veröffentlicht haben
(auch anonymerweise), dem Schloßverein unter der
Adresse der Großherzoglichen Universitätsbibliothek
in Heidelberg bezeichnen oder in Ausschnitten oder
Abdrücken gefälligst mitteilen zu wollen. Auch wird
gebeten, diese Nachricht gefälligst durch Nachdruck
weiter zu verbreiten.

(Unsere Kikder.

Die farbige Tafel (qh dieses Heftes gibt - auf
etwa ein Drittel verkleinert das Titelbild zu der
von den Künstlern Münchens dem Prinzregenten,
als Dank für die Einsetzung der Monumental-
Kommission, überreichten Adresse; das Original ist
von Prof. Franz Stuck in (Ölfarben ausgeführt.—
Die Bilder aus dem Karl Müllerschen Volksbad
sind von entsprechendem Text begleitet.

(Vom (KüchermarKt.

radl, M. 3-t Decken und Wände für das mo-
derne Haus. 2% Foliotafeln in Farbendruck.
Jul. Hoffmann, Stuttgart. Preis 26 M.

Hat Zul. Hoffmann schon vor etwa (0 Zähren
als weitblickender Verleger den Versuch unternommen,
die einheimischen Kunsthandwerker durch Bekannt-
machung mit auswärtigen Arbeiten auf die darin
sich ankündigende Stilwandlung vorzubereiten, so ist
er jetzt eifrig bestrebt, den älteren Meistern, denen
das Umlernen schwer wird, mit geeignetem Vorlagen-
material an die Hand zu gehen, damit auch sie den
Wünschen der Gegenwart gerecht werden können.
Zn diesem Gedanken hat er der vorliegenden Samm-
lung eines jungen Münchener Zeichners, der sich
zuerst durch die „Liebhaberkünste" (Verlag von
R. Oldenbourg, München) bekannt gemacht hat,
seinen Verlag zur Verfügung gestellt. Was M. Z.
Gradl in diesen Blättern bringt, stellt zeichnerisch

an den Ausführenden keine allzu hohen Anforde-
rungen; und wie er schon dadurch seine Arbeit auf
bescheidene Verhältnisse zugeschnitten hat, so beweist
auch die einfache Farbgebung, daß diese Entwürfe
besonders für schlichtere, bürgerliche Wohnungen
gedacht sind. Er rechnet nur mit einer flachen,
schattenlosen Malweise, weiß im ganzen die Färb
Massen gut zu verteilen und durch Linien wieder mit-
einander zu verbinden, wenn auch in den Einzel-
heiten nicht alles glücklich genannt werden kann. -
Namentlich betrifft dieser Einwand auch die Farben an
sich, was aber z. T. daraus geschoben werden darf,
daß mit Rücksicht aus die billigere Herstellung des
Farbendrucks - oft mehrere Muster mit den gleichen
Farben wiedergegeben werden mußten; da aber die
Farbstimmung doch immer in letzter Linie vom
Geschmack des Ausführenden bestimnü zu werden
pflegt, so fällt dieser Abelstand weniger ins Gewicht.
Am glücklichsten ist Gradl bei Verwendung von
Naturmotiven; unsere einheimischen Pflanzen haben
ihin viel Anregung gegeben, aber auch am niederen
Tierleben, wie es Häckel in seinen Kunstsormen so
prächtig dargestellt, ist er nicht achtlos vorüber-
gegangen. 6.

— ul. Rlinger und Hanns Anker, Die Grotesk-
linie im Ornament und in der Dekorations
Malerei; 6H Tafeln mit ((22 Motiven. Verlag von
Kanter & Mohr, Berlin und Köln. Preis 20 M.

Auch dieses Werk bewegt sich ganz auf dem
gleichen Boden wie das oben besprochene von M.
Z. Gradl. Die Flachmalerei oder besser das Auf-
schablonieren beherrscht hier fast völlig das Feld in
Anwendung auf Pflanzenmotive und frei erfundene
Linienzüge; doch sind —■ wenigstens in einzelnen
Fällen — auch Elemente höherer Art Figuren
und Tiere in das Bereich des Ornainents gezogen.
Die in ihrem kleinen Format [2\ : (6 cm) überaus
handlichen Blätter bieten eine große Fülle brauch-
barer Motive, die zumeist auch eine wohlthuende
Farbenstimmung zeigen. Auffallend und für die
Entstehungsgeschichte mancher modernen Ornamente
ungemein bezeichnend ist, daß in der Vorrede aus
die Anwendung des — übrigens schon lange in
Gebrauch befindlichen Winkelspiegels hingewiesen
wird. Auch Gradl hat in den Einleitungsworten
zu seiner Sammlung ähnliche Rezepte zur Rm-
gestaltung der Entwürfe gegeben; Klinger und Anker
gehen noch weiter, indem sie zur Erprobung der
kaleidoskopartigen Verwandlungsweise durch Bei
legung eines Winkelspiegels direkt anregen. Be-
quemer kann man es den Dekorationsmalern nicht
mehr machen; ob aber die eigentliche, wirklich

206
loading ...