Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

Page: 207
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1901_1902/0226
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Ehronik des Bayer. Runstgemerbevereins.

schassende Kunfl davon großen Vorteil hat, zumal der weiß von den Schwierigkeiten zu erzählen, die
es den Anschein gewinnt, daß die Dekorations- ihm die ewige Unruhe des Modells — wenn es
Malerei sich mit der Schablonierkunst begnügen wolle, nicht gerade schläft — bereitet. Es war daher ein
darf wohl bezweifelt werden. 6. 1 überaus glücklicher Gedanke, eine Reihe von vielleicht

Vritz Ad. Becker und Franz Becker, Rinder- : ~0' 80 Moment-Aufnahmen von Rindern (ungefähr
xj studien für Rünftler. Photographische Auf- ^ Ve—Vö der Naturgröße) der Rünstlerschaft darzubieten,
nahmen von Rindern im Alter bis zu zwei Jahren, -chreitend, liegend, stehend, sitzend, hockend werden
— 50 Lichtdrucktafeln. Verlag von Bruno Heßling, ^ Rnaben und Mädchen in der genannten
Berlin SW., Anhaltstraße s6/s7. Preis 28 M. Sanunlung vorgeführt, bald über einem Bilderbuch
Vor 50, ^0 Jahren wurde die Photographie- brütend oder einen Becher leerend, bald eine Taube
kunft von den Malern nnt argwöhnischen Blicken streichelnd oder eine Traube kostend; unter wechseln-
als Ronkurrentin betrachtet — und heut- ist das &er Beleuchtung ist sowohl Mimenspiel wie Gebühren
Verhältnis so, daß nicht allein die höchsten Leistungen Rindes stets mit entzückender Treue zum Aus-
der Photographie zum Teil aus Rünstlerhänden ^ruck gebracht. Die Sammlung bietet so vieles und
hervorgehen, sondern daß die Lichtkunst als allzeit f° wertvolles Material, daß sie zum eisernen Bestand
hilfsbereite Mitarbeiterin beim künstlerischen Schassen Pöer Werstatt gehören sollte, bei welcher die bildliche
anerkannt ist, — ja sie weiß mit untrüglicher Mahr- ! °kev bildnerische Darstellung von Rindern, wenn
heitstreue sogar Momente festzuhalien, die im Wechsel ai^ nur gelegentlich, eine Rolle spielt. Für zahl-
der Bewegung für das Auge unfaßbar bleiben, reiche Fälle wird das Werk ein trefflicher Be-
Das massenhaft in den Handel kommende Material ra*er fe'n'

an Aktstudien, Draperien und ähnlichem beweist, wie Briefkasten. Gegenüber einigen Anfragen in

wertvoll der Runst diese Unterstützung durch die j betreff Zusendung des letzten Heftes unserer Zeitschrift
Photographie geworden ist. Wichtig sind diese Be- an jene Akademieschüler, deren Entwürfe und Modelle
helfe, die ja niemals das Studiuin nach dem leben in jenem Pest Ausnahme gefunden haben, bemerken
den Modell ersetzen, sondern es nur ergänzen können, | wir, daß der Auftrag zur Expedierung der Hefte
namentlich dann, wenn das lebende Material schwerer > schon vor deren Erscheinen erfolgt ist und auch
zu beschaffen ist, oder wenn es durch seine Eigenart j sofort nach Ausgabe der tiefte ausgeführt wurde,
das Abzeichnen wesentlich erschwert. Wer jemals j Sollten einzelne fjefte den Adressaten nicht erreicht
den Versuch gemacht hat, ein kleines Rind zu zeichnen, haben, so bitten wir um^Mitteilung hierüber.


Mroml $*pi(|

m AunjlgklmßMkkiis.


Ätkgememe (Dereinsnachrichien.

Die ordentliche Generalversammlung vom \r. März hat
zur Ausstellungsangelegenheit folgenden Beschluß gefaßt:

„Seine Aönigliche Boheit der jdrinzregent Luitpold von
Bayern haben durch Handschreiben vom (. März (902 an
Seine Excellenz den Herrn Staatsminister vr. Freiherrn
v. Feilitzsch die Abhaltung einer Runstgewerbeausstellung in
den Räumen des Kgl. Glaspalastes aus allerhöchst eigenster
Initiative anzuregen und die Bewilligung besonderer Mittel
für die Unterstützung der Beteiligten allerhuldvollst in Aussicht
zu stellen geruht.

Die vorstaudschaft des Bayer. Aunstgewerbevereins durfte
in der Audienz vom 9. März (902 den begeisterten Dank der
Auustgewerbetreibenden und die ehrerbietigste Bitte um den
allerhuldvollsten Schutz zum Ausdruck bringen.

Der Bayer. Auustgewerbevereiu tritt in seiner heutigen
ordentlichen Generalversammlung dieser allerhöchsten Anregung
unter dem Ausdrucke seines ehrerbietigsten Dankes mit Ein-
mütigkeit bei.

Wiederum hat der verein den ksingang eines
seiner Ehrenmitglieder zu beklagen.

Joseph Vikker v. StorcK,

ehemaliger Direktor der Runstgeiverbeschule am
k. k. Österreichischen Museum für Runst und
Industrie in Wien,

ist am 27. März im 72. Lebensjahre verschieden.
Seine hohe öffentliche Stellung, die ihn in Wien
zum natürlichen Führer des dortigen Rnnstgewerbes
machte, brachte ihn besonders gelegentlich der
Deutschnationalen Runstgewerbeausstellung (888
unserem Verein nahe. Der Eifer, mit dem er
für die Beteiligung Deutsch-Österreichs au jener
Ausstellung gewirkt hatte, hat ihm den Sitz unter
unseren Ehrenmitgliedern bereitet.

207
loading ...