Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

Page: 209
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1901_1902/0228
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
(Ußer das Dirßen von MeiaEen,
von Seorz (Kuchner» (LßemEer.

(Nach einem im Bayer. Aunstgewerbeverein gehaltenen Vortrag.)

s ungemein dankbare Gebiet der
Metallfärbung hat im Bereich des
Aunstgewerbes noch immer nicht
jene Förderung gefunden, die seiner
Bedeutung entspricht. Selbstver-
ständlich ist eine kunstgewerbliche
Zeitschrift nicht der Vrt, um eine erschöpfende Aus-
führung über dieses Thema zu geben und die Ge-
schichte, Gntwickelung, die einzelnen Methoden zur
Färbung der verschiedenen Metalle darzulegen. Es
sollen nur die wichtigsten Momente, welche für die
Weiterentwickelung dieses „Aunstgewerbes" ausschlag-
gebend sind, mehr zu allgemeiner Anregung als zu
direkter Belehrung besprochen werden.

Ich rede natürlich nur von der chemischen
Metallfärbung und sehe ganz ab von der so be-
liebten, durch Anstriche aller Art bewirkten Bemalung
der Metalle, welche nur einen Behelf darstellt, ein
Surrogat der eigentlichen, der chemischen Metall-
färbung. Ich selbst kam dadurch dazu, der chemischen
Metallfärbung mein Interesse zuzuwenden, daß schon
vor ca. 20 Jahren vielfache Anforderungen in dieser
Richtung von Gewerbe- und Aunstgewerbetreibenden
an das bekannte chemische Laboratorium meines
Vaters, in welchem ich thätig war, herantraten. Ich
sah, wie hilflos der Metallotechniker — meistens
aber auch ich selbst dastand, wenn es galt, einen mit
vielem Kleist hergestellten Metallgegenstand nicht nur
beliebig zu färben, sondern nach hübschen franzö-
sischen Mustern farbig abzutönen. Die Metallsärbung
ist ein Specialgebiet der angewandten Themie, auf
dem mit allgemein chemischen Aenntnissen gar nichts
anzufangen ist, sondern welches ganz fpecielle, detail-
lierte Kenntnisse und Erfahrungen voraussetzt. Die
in der Litteratur vorkommendeu spärlichen Angaben
ließen wohl einfache, verschiedene Färbungen erzielen,
nicht aber die eben verlangten Farbentöne. Nachdem

ich Gelegenheit gehabt hatte, mir hier Erfahrungen
zu sammeln, mich mit der Themie der Galvano-
plastik eingehend zu befassen und auch da die Not-
wendigkeit herantrat, verkupferte Gegenstände u. dgl.
hübsch zu färben, trat ich dein Gebiete der Metall-
färbung näher, sammelte alle in der Litteratur be-
findlichen Angaben, verband sie mit meinen eigenen
Erfahrungen und so entstand mein Buch, Die Metall-
särbuugJ), welches zuerst s89j und in verbesserter,
zweiter Auflage voriges Jahr erschien. Das Buch
ist in weiten Areisen bekannt geworden — aber das
Buch allein thut es nicht — hat doch, als ich durch
meinen Verleger in Berlin au die verschiedenen Auust-
gewerbeschulen Gratisexemplare verschicken ließ, eine
solche Schule das Buch mit dem Bemerken zurück-
gesaudt: sie wisse nicht, was sie mit diesem Buche an-
fangen sollte.

Alle unedlen, blanken Metalle werden, wenn sie
an der Luft liegen, durch die Einwirkung der Atmo-
sphärilien, also des Sauerstoffes des Wassers und der
Rohlensäure und der in der Lust enthaltenen Ver-
unreinigungen, wie z. B. Schwefelwasserstoff, nach
und nach verändert, d. h. es werden die oberfläch-
lich liegenden Metallteilchen nach und nach in ge-
färbte Verbindungen übergeführt, die Metalle laufen
an, sie oxydieren sich, indem sie Verbindungen, teils
mit Sauerstoff allein, teils mit Sauerstoff, Wasser
und Aohlensäure eingehen. Im Beginne dieser Ver-
änderung zeigen die Metalloberflächen ein fleckiges,
unschönes Aussehen — wenn aber die Mxydation
eine vollständige geworden ist, dann ist der Metall-
gegenstand mit einer gefärbten Schichte einheitlich
überzogen, in der Farbe, welche eben den verschie-
denen Mxyden und Hydroxyden des betreffenden
Metalles zukommt.

Diese Mxydschichten schützen in den meisten
Fällen (das Eisen macht eine Ausnahiue) den Mctall-
gegenstand vor weiterer Veränderung und erteilen
demselben ein bleibend schönes Aussehen. Das ist
die natürliche chemische Metallfärbung. Ein Beispiel
dieser natürlichen chemischen Metallfärbung ist die

') Verlag von !N. Arayn, Berlin. Preis s 11t.

Kunst und Handwerk. 52. gahrg. Heft 8.

209

29
loading ...