Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Das Germanische Nationalmuseum und der Bayer. Kunstgewerbeverein.

407. Zu Abb. 408 gehörig.

dann in der Folge mehrfach von anderen mit Glück
wieder aufgegriffene Motiv einer architektonischen
Verbindung von Bronze mit Stein auswies, eine sehr
fruchtbare Idee, zu der ihm ein alter Brunnen im
Aloster Maulbronn wohl die erste Anregung gegeben
hat. And schon von den Schatten des Todes be-
rührt, ruhte er nicht: noch für die Reichenhaller
Konkurrenz, die in diesem Frühjahr stattfand, hatte
er begonnen, sich zu rüsten und mit immer noch
sicherer und leichter Entwürfe zu skizzieren ff.
Abb. ^56), als am f8. Januar d. I. der Tod den
Schwerleidenden erlöste. Niemand, der diese feine
und reiche Aünstlernatur erkannte, der den: anspruchs-
losen, sympathischen Menschen näher getreten ist,
wird sich dem tragischen Eindruck entziehen können,
daß dieses so sinnvoll angelegte und schon so herrlich
gediehene Lebenswerk ein trauriger Torso bleiben
sollte.

(Dae (Germanische (National
museum und der (Kaxer. (Kunff?
gewerKe 5 (Verein.

(Von Dr. S. T3?. (Kredk.

sein künstlerischer Verein Deutsch-
lands hat so mancherlei Ver-
wandtes in seinen Bestrebungen
mit dem Germanischen National-
museum wie der Bayerische Aunst-
gewerbe-Verein.

Nicht nur, daß dieser Verein fast gleichaltrig
mit jenem Museum ist, daß beide deutschen: Aunst-
gcwerbe dienen wollen, macht sie zu verwandten. —
wer die Anfangsgeschichte beider Institutionen ver-
gleicht, wird oft glauben, er lese die Geschichte zweier
Geschwister. Das ideelle Band, das beiderIugcnd
verbindet, ist so merkwürdig eng verknüpft, daß ein
Biograph sehr leicht das Aapitel ihrer Jugend für
beide gleichzeitig schreiben könnte. Beide sind jeden-
falls auf gleichem Boden und aus gleichem Stamm
erwachsen. Von gleichem Geiste waren sie erfüllt.

And doch würde das Gleiche, Zeitgemäße ihrer
Bestrebungen gar nicht besonders bemerkbar sein,
wenn nicht die Gründer unseres Vereins wie des
Museums, die übrigens beide gleich alt waren, ge-
rade ihren Zeitgenossen neue, vielwirkende Anre-
gungen, neuen, vollkräftigen Halt gegeben hätten.

Ganz abgesehen von den künstlerischen oder
historischen Zielen, die beide Institutionen verfolgen
sollten, wollten die Gründer beider demselben großen
nationalen Gedanken dienen und ihn erfüllen helfen
auf eigene und neue weise.

Dieser führende Gedanke wurde von August
v. Voit wie vom Freiherrn Hans von und zu Auf-
seß mehrfach betont ausgesprochen. Der „Verein
zur Ausbildung der Gewerke" wollte — wie aus
der Geschichte unseres Vereins so klar hervortritt
— vor allen Dingen die fremden Fesseln abschütteln,
er wollte die deutsche Run st ins Gewerbe ein-
führen. Die ersten Vereinsmitglieder fühlten sich
ganz „Mitarbeiter an: größten und schwierigsten Bau
der Gegenwart, an der Einheit des Vaterlandes".
Auch den: Freiherrn Hans von und zu Aufseß war
sein Sammeln und Bewahren vaterländischer Alter-
tümer nur Mittel zun: gleichen Zweck. Ja, er ver-
wahrt sich sogar von Anfang an nachdrücklich gegen
jene Ansicht, sein Bewahren und Sannneln, sein

*) vgl. Festschrift zum so jährigen Jubiläum des Bayer.
Kunstgewerbevereius, *90*.
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