Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Zur Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses.

<$53. Teppichmuster; Entwurf von Leonh. Hellmuth, Ansbach.

Bild über Hellmuths Thätigkeit aus letzter Zeit.
Buchschmucksachen an Umrahmungen, Zierleisten
und Vignetten sind zahlreich vertreten, Für Einlagen
sind andere Abbildungen gedacht; wieder andere
veranschaulichen Entwürfe zu Auüpfteppichen und
Läuferstoffen, während die vier farbigen Muster für
Möbelbezugsstoffe bezw. Läuferstoffe vorbildlich sein
können. Das sind durchaus ansprechende Leistungen,
über die auch die modernste Strömung nicht so ohne
weiteres wird hinweggehen können.

Unsere Industrie bedarf unbedingt solcher Aräste,
wie wir eine solche in Hellmuth besitzen, um auf dem
großen Markte konkurrenzfähig zu bleiben. Alle die
Intimitäten unserer Maler und Bildhauer in Alein-
kunstdingen sind doch mehr oder weniger für Fein-
schmecker berechnet, kommet: aber für breite Schichten
des kaufkräftigen Publikums selten in Frage, fjicr
müssen die Gewerbekünstler älteren Schlages einsetzen,
um gewerbetüchtigen Handwerkern und Fabrikanten
ausführbare Entwürfe für absatzfähige Maren zu
schaffen. Schon Julius Lessing hat vor einem Jahr-
zehnt betont, daß ein tüchtiger Handwerker gar keine
eigenen Entwürfe fertigen solle, sondern der dafür
besonders geschulte Zeichner bezw. der dafür besonders
befähigte entwerfende Aünstler. Dem Handwerker
müsse es zu allererst auf ein umfassendes technisches
Rönnen ankommen, mit dem selbstverständlich die
Fähigkeit Zeichnungen „lesen" zu können, verbunden

seit: inüsse. Diese Arbeitsteilung sollte :nehr denn je
heute wieder Beachtung finden, da wir sonst ich
wenigstens hege diese große Befürchtung - - im Laufe
der nächsten Jahre entweder einen großen Überschuß
an gekünstelten Handwerkskunst-Erzeugnissen aufzu-
weisen haben werden oder einen kaum noch auszu-
haltenden Niedergang unseres kunstgewerblich schaffen-
den Gewerbestandes werden verzeichnen müssen.

Man trachte also danach, Talente von: Schlage
Hellmuths zu fördern, um den angedeuteten Ge-
fahren nach Möglichkeit und rechtzeitig vorzubeugen.
Der Weltmarkt stellt nan:entlich sehr abweichende
Forderungen, und die zu erfüllen, sind die jüngsten
Talente noch nicht mit ausreichenden praktischen Er-
fahrungen ausgerüstet.

Jur Mederßersiekbung des
Heidelberger Achkosfes.

achdem vor einigen Monaten die badische
Regierung, dem Druck der öffentlichen
Meinung ganz Deutschlands nach-
gebend, sich entschlossen hat, die be-
absichtigte Vorlage an den Landtag,
betreffend den Ausbau des Gttoheinrichsbaues nach
Schäfers pläuen, einstweilen bei den Akten zu ver-
wahren, ist auch der Rampf um die Miederherstellungs-
frage allmählich leidenschaftsloser geworden. In sol
chen Augenblicken können Stimmen, die weder jede
Restauration von sich weisen, noch die Schäferschen
Entwürfe befürworten, eher darauf rechnen, gehört
zu werden, als im heißen Gefecht.

^54. Füllung von Leonh. Hellmuth, Ansbach.

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