Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

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Unsere Bilder.

99. Modell von 6 er in. Gbrist.

nur durch zwei, symmetrisch zur Hauptachse des
Schlosses liegende, gegen das Schloß zu konvergierende
Straßenzüge unterbrochen wird; eine der mit der Paupt
seite des Schlosses parallel laufenden Straßen erhielt
eine solche Breite, daß sie genügte, um auf dieser Straße
(außerhalb der beiden genannten, schräg verlaufenden
Straßen) einerseits der Kirche, anderseits denr Rat-
haus eine Stelle anweisen zu können. Aus dieser
platzartigen Hauptstraße stehen die drei Brunnen,
deren größter von Markgraf Ludwig Georg iin
Jahre (738—(739 nächst dem Rathaus errichtet
wurde, — dem heil. Alexius zu Ehren, „damit dieser
Peilige fürderhin die in den zwanziger fahren ((728)
von Erdbeben betroffene Stadt vor solchen Schrecken
bewahren möge".1) Wasser gab der Brunnen erst
(770; denn erst um diese Zeit erhielt dieser Brunnen
eine Wasserzuleitung. Da im gleichen Jahre ein
Ahne des Landesherr», Markgraf Bernhard (f (-(38)
von Elemens XIV. selig gesprochen wurde, so gab
dies Veranlassung zur Errichtung des Bernhardus-
brunnes (Abb. (03); noch im Festjahr beauftragte
Alarkgraf August Georg den Karlsruher pofbildhauer
Lengelacher mit der Ausführung des Brunnens,

9 Diese und andere Angaben über die Entstehung der
Brunnen sind dem Buch von L. ff. kederle „Rastatt und seine
Umgebung" (Verlag von Greiser in Rastatt), ^902, entnommen.

die sich bis zum Jahre (776 hinzog. Das Stand-
bild lehnt sich (nach Lederle) an die Auffassung
eines Kupferstichs von I. E. Nilfon an und soll
mehr Allegorie als Porträt sein; dagegen gibt
das Reliefmedaillon anr Postament die Züge
des Markgrafen August Georg in großer Treue
wieder. Außer der darunter angebrachten Anschrift,
welche den Markgrafen als Stifter nennt, trägt der
Brunnen noch eine zweite Inschrift (auf der Rück-
seite), wonach die Vollendung erst nach dem Tode
des Markgrafen erfolgte. Der St. Iohannesbrunnen
ist in der Anlage der älteste der drei. Der monu-
mentale Aufbau stammt ungefähr aus der gleichen
Zeit wie der Alexiusbrunnen; er ist über einem
Brunnenschacht errichtet und gibt sich durch die beiden
Schwengel deutlich als Pumpbrunnen zu erkennen.
Ob bei der Wahl des peiligen für den Brunnen
die Thatfache bestiminend war, daß Johann von
Nepomuk um diese Zeit — (729 — heilig gesprochen
wurde, bleibt ungewiß.

Der nun folgende Brunnenentwurf von AI. A.
Nicolai (Abb. (06), sowie das Modell von Beyrer
(Abb. (07), das vor wenigen Jahren im Glaspalast
ausgestellt war, bedürfen keiner weiteren Erläuterung;
zu dem Brunnen aus dein pof des Hamburger Rat-
hauses (Abb. (08—((0) muß beinerkt werden, daß
bei dessen Errichtung behufs besserer Ventilation des
pofes zugleich die Ausgabe gelöst werden »rußte, der
durch den Brunnenunterbau selbst aus künstliche Weise
eingetriebenen Luft eine möglichst ausgiebige Ab-
kühlung durch einen zu passierenden Wasserschleier
zu verschaffen. Die Herstellung erfolgte in der Milte
der 90 er Jahre; das Material besteht aus Marmor
und Bronze.

Den Schluß unserer Bilder (Abb. ((( und ((2)
macht eine reich umrahmte Wandnische aus Genua,
die wohl ursprünglich als Brunnennische gedacht
war und vielleicht nur durch einen Zufall ihre eigent-
liche Bestimmung verfehlt hat.

Berichtigung. Architekt Arno König läßt
UNS wissen und zugleich durch die „Aktiengesell-
schaft für Fabrikation von Bronzewaren und Zink-
guß, vormals I. L. Spinn & Sohn" bestätigen,
daß die auf S. 5^3 des letzten Jahrgangs abgebil-
deten beiden Kandelaber von ihm entworfen sind;
danach ist auch der Text auf S. 33(( (links) zu be-
richtigen. Der Name Willy Dreßler war mit einem
der Kandelaber in Verbindung gebracht worden, da
dieser in Turin irrtümlicherweise Dreßlers Ausstel-
lungsnummer trug.

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