Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 133
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Kleine Nachrichten.

(Elfen mit einem Engelfigürchen und einer Säule
ausgesetzt sind; darüber ein kleines Relief mit einem
Schutzdach. In dem Ensemble mit Opferbüchse,
Guckfensterchen u. a. ist eine gute Wirkung wohl zu
erwarten, doch reicht die Arbeit im Ernst der Sache
nicht an die beiden vorhergehenden; daß sie gleich-
wohl von der Jury an erster Stelle ausgezeichnet
wurde, beruht offenbar daraus, daß die Preisrichter
der Programmbestimmung, wonach das Weihbecken
für eine kleine Hauskapelle gedacht war, ein aus-
schlaggebendes Gewicht beilegten.

Ungleich zahlreicher als bei der ersten Aufgabe
liefen die Entwürfe bei der zweiten ein, und man
gewahrte auch beim Anblick der eingelaufenen Ar-
beiten eine unverkennbare Freude an dem Thema.
Als die besten Entwürfe seien ohne Berücksichtigung
des Spruches der Jury erwähnt eine sehr geschickt
komponierte, temperamentvoll erfaßte und breit hin-
gesetzte Gruppe des guten „Ekehard" von Wilh. Benz
und ein wohl für Ausführung in Bronze gedachtes
allerliebstes Figürchen der Froschprinzessin, das leider
in den Beinen etwas zu kurz geraten schien, von
Rar! Huber. Von demselben rührte auch noch eine
Rattenfängerszene in Relief her, die vielleicht in der
Raumverteilung einige Härten besitzt, aber wegen
ihrer flotten Technik sehr ansprach. Gut charakteri
siert und auch im Vortrag interessant erschien der
Rübezahl von Andreas Manet st älter, der nament-
lich von guter Wirkung in der Seitenansicht war.
Einen sehr geschickt und rassig in Eichenholz ge-
schnittenen „Gestiefelten Rater", im Geiste Moritz

v. Schwinds aufgefaßt, hatte August Henneberger
eingereicht. Erwähnen wir noch Julius Drexlers
Figur des mit der Pfeife lockenden Rattenfängers
und die keusch und anmutig aufgefaßte Mädchen-
statuette von Michael Preising er, die als Personi-
fizierung des Märchens jedoch schwer verständlich ist,
so haben wir die beachtenswertesten Arbeiten nomi-
niert. Die keine Ausstellung gab, das darf wohl
anstandslos ausgesprochen werden, ein recht erfreu-
liches Bild von dem freundschaftlichen Wettstreit,
durch den die jugendlichen Künstler sich gegenseitig
zu ernstem Schaffen anspornen wollen; man darf
auf Grund des Ergebnisses dieser Konkurrenz mit
berechtigtem Interesse weiteren Wettbewerben des
Vereins entgegensehen. lck.

(Meine Nachrichten.

Vereine, Museen, Schuten, -Aussteifungen,
(MettKeweröe <rc.

Hnfer Artikel „Unterschlagung der geistigen
Autorschaft" (peft ^), der einen besonders
schweren Fall von Fälschung der künstlerischen Autor-
schaft behandelt und in welchem gegen den Schluß
jS. s07) anhangsweise der „Vereinigten Werk-
stätten für Kunst im Handwerk" gedacht ist, hat der
Direktion dieser Firma Veranlassung zu einem heftigen
Angriff auf die Schriftleitung dieser Zeitschrift ge-
geben. Wir behalten uns vor, in unserer nächsten
Nummer darauf zurückzukommen; vorläufig sei be

Aunst und Handwerk. 53. Iahrg. Heft 5. — ^35 —

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