Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Page: 142
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Chronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

297 u. 2^8. Medaillon von £7. Wedd ig, Berlin. _(’/» der wirkl. Gr.)

Wonil i>ts VriNlisDn AunjlgeiMßMMls.

-Aklgememe (Vereinsnachrichten.

Linder - Weihnachtsfeier im Verein. Die große Freude,
die die letztjährige Weihnachtsfeier bei den Vereinskindern her-
vorgerufen hatte und der ansehnliche materielle Erfolg, den die
Veranstaltung mit sich gebracht, machten es begreiflich, daß die
III. Kommission auch Heuer wieder zu einem solchen Fest einlud.
Und wer freute sich nicht, wenn feierlicher Gesang in einem
weihnachtlich geschmückten Festraum ertönt und eine Schar froh-
licher Kinder mit erwartungsvoller Ungeduld des Kommenden
harrt?! Sonntag den 9. Januar war der große Saal mit seinem
Nebenraum und den Galerien von alt und jung dicht gefüllt,
und da wo sonst ernste Reden gewechselt werden, da hatte die
Kindheit das Szepter ergriffen. Musik, Gesang und eine An-
spräche — vom Gbmann der III. Kommission, vr. Halm, —
eröffneten die Feier; darauf folgte die Vorführung einiger Weih-
nachtsbilder in Projektionen und das Anzünden des weihnachts-
baumes unter Harmoniumbegleitung. Mit der Verteilung der
für die Kleinen bestimmten Konfektkörbchen und der Eröffnung
des Glückshafens schloß die erste Abteilung. Die zweite Abteilung
war passenden Musikstücken, Gesängen u. s. w. gewidmet, um
deren Ausführung die Geschwister Steinicken und Frln. Lohr
sich besonders verdient machten.

Mochenverfannnt'unzcn.

Programm der vereinsabende.

2.

März:

: Fachabend: Alte und neue Schris

ten.

tO.



Außerordentl. Generalversamm!

lung (Aus-



stellung ;9<H).


17.



Grdentliche Geueralversammlu

n g.

2-*-



Geselliger Abend.


3,.



Fachabend: Textilia.



Die

Schlußfeier mit Lehrlingspreisverteilung

findet am

28. April statt.

Fünfter Abend — den 2. Dezember — Vortrag von Prof,
vr. Mart, Hahn: „Zur Hygiene der Wohnungseinrich-
tung." von der Erfahrung ausgehend, daß körperliches und
geistiges Wohlbefinden miteinander in Wechselwirkung stehen,
stellte Redner eine Reihe von Forderungen auf, bei deren Er-
füllung er allerdings auch stets die materielle Lage der Woh-
nungsinhaber in Betracht gezogen wissen will; Wohlhabende
sind eher in der Lage, Zeit und Mittel an die richtige Instand-
haltung der Wohnung zu wenden als Unbemittelte und somit
ist manches in den Wohnungen der ersteren zulässig, was sich
bei den letzteren als unzweckmäßig in der Benutzung erweist.
Luft, Licht und auch Wärme sind diejenigen Faktoren, die
bei Gesnndhaltung einer Wohnung hauptsächlich in Betracht
kommen. Die Luft leidet am meisten durch Staub, der zugleich
Träger und Übermittler von schädlichen Mikroorganismen ist;
sie ist der Verunreinigung am meisten im Schlaf- und im Bade-
zimmer, sowie in Klosett und Küche ausgesetzt. Bei einfachen
Wohnungen ist der — übrigens auch desinfizierende — Kalk-
anstrich (bis Mannshöhe etwa durch Glanstrich ersetzt) der
geeignetste Wandüberzug, da er sich leicht erneuern läßt (was
zugleich die gründlichste Reinigung von Staub in sich schließt)
und weil er die Luftdurchlässigkeit der wand nicht beeinträchtigt.
Tapeten sind bedeutend weniger durchlässig, wirken dagegen
schalldämpfend und warmhaltend; waschbare Tapeten, die allein
ein gründliches Reinigen ermöglichen, sind meist undurchlässig.
Sehr schädlich als Staubreservoire sind rauhe Stoff-Wandbezüge,
besonders der hier beliebte Rupfen; eher zulässig sind glatte
Seidenbezüge. — Dem Staub und seinem bakteriellen Gefolge
gewähren ferner die Fußbodenritze bedenklichen Unterschlupf,
was am wirksamsten durch gut gefügte Riemen- und Parkett-
böden hintangehalten wird; auch Linoleum ist — selbst den
Steinböden gegenüber — zu empfehlen, wenn dafür gesorgt ist,
daß an seinen Rändern kein Wasser hinabdringt, was zu
Schimmelbildung Veranlassung geben würde. Daß bei den
Zimmerdecken die reichen Stukkaturen mit ihren Staubnestern
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