Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

Page: 141
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1903_1904/0157
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Der Aiinstsaloii lseinemann in München.

27^. Gemäldegalerie von D. heineinann; von Eniannel Seidl, München.

inenschlichen Gesellschaft, freilich vorerst noch ein
kleiner, ganz kleiner, sich abwendet von den zweifel-
haften Genüssen der Illassenaufgebote. Wie lange
ist es her, da baute inan sich sein paus, feilte „Dilta",
und wenn die nach mehr oder weniger kouventio-
nellem Schema aneinanderstoßenden Wohn- und Ge-
sellschaftsräume ihre üppig plumpen Stukkodecken
und die übrige dekorative „Beiwag" bekommen
hatten, so wurde das Ganze „möbliert", d. h. man
brauchte nicht daraus zu achtcii, daß die Wobei in
irgend welcher intimeren Beziehung zum Raume
stünden oder gar das wirksame Glement in demselben
dadurch wurden, daß sie mit ihm recht eigentlich
verwachsen schienen, wie Paupt und Glieder mit
dem Körper im Zusammenhänge stehen. Die For-
derung der Raumausbildung in diesem Sinne ist ein
Wiedererwachen gesunder Anschauung, zweifelsohne
ein Fortschritt. Genau ebenso verhält es sich mit
der Ausgestaltung des Ausstellungsraumes. Damit,
daß Platz zum Bilderaufhängen, Raum zum Stellen
von plastischen Werken, ein paar ganz versteckte
Räume für Werke der Architektur, gar kein Platz

für die alles umfassende dekorative Kunst vorhanden
ist, damit allein macht man heute keine Kunstaus-
stellung; mit dem Kasernieren allein ist die Sache
nicht abgetan, denn ebenso gut, wie man peinlichste
Rücksicht aus die zweckdienliche, gesunde, krasterhal-
tende Unterbringung der waffentragenden Landes-
verteidiger nimmt, dürfte endlich auch die Anschauung
Platz greifen, daß man es beim Unterbringen künst-
lerischer Arbeit mit einer Macht zu tun hat, die
ihrerseits nicht weniger zum Ansehen eines Staates
und Dolkes beiträgt als eine tüchtige Armee. Wag
man in Paris fortfahren, im „Salon" die Bilder
aufeinander zu packen wie geringe in die Tonne.
Das braucht nicht vorbildlich zu fein, wie der „Salon"
ja überhaupt seit geraumer Zeit aufgehört hat, das
große Kunstereignis des Zahres zu bedeuten. Seine
wirkliche Größe gehört der Dergangenheit an. Wenn
also aus Münchener Boden eine Tat geschieht, die
zur pebung der künstlerischen Arbeit überhaupt bei-
trägt, so braucht man dabei ebensowenig nach be-
rühmten Mustern sich zu richten, wie man sich beim
Landhausbau an englische Dorbilder als das einzig
loading ...