Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Nürnberg und die neue Handwerkskunst.

5«*2—5^7. Kabaretts, Vase, Flaschenteller, Weinkanne, Aschenschale aus Zinn („Gsiris") von XV. Scherf «Sc £o., Nürnberg.

(V4 der wirkl. Gr.) Muster geschützt.

I.

Das Bayerische Gewerbemuseum.

Die Vorgeschichte dieses Museums reicht, wie
die des Bayerischen Kunstgewerbevereins in Mün-
chen, in jene rein gewerblich-technischen Bestrebungen
zurück, die in der ersten Hälfte des nüchternen
ist. Jahrhunderts dem Kunstgewerbe neuen Boden
bereiteten. — Wie tu München die Handwerksfeier-
tagschule von Kefer und Mitterer, in Berlin Beuths
Gewerbeinstitut den Boden für die etwa um die
Jahrhundertmitte einsetzende kunstgewerblichen Be-
strebungen vorbereitet hatten, so sind auch in Nürn-
berg eine „Gesellschaft zur Hebung der vaterländischen
Industrie", eine „Industrieschule", eine „polytech-
nische schule" als die Pioniere für den Grundbau
des „Bayerischen Gewerbemuseums" anzusehen. Und
die durch den Frhrn. v. Faber und den Reichsrat
Frhrn. v. Tramer-Klett in die Wege geleitete Grün-
dung des Bayerischen Gewerbemuseums sollte als
Entschädigung und Ersatz für die in
München errichtete Polytechnische Hoch-
schule, um die sich Nürnberg damals
vergeblich beworben hatte, gelten. Wenn
nun inzwischen Nürnberg wie keine
andere bayerische Stabt für die zweite
geplante Technische Hochschule in
Bayern reif geworden sein mag — das
Bayerische Gewerbemuseum hat vom
Tage seiner Gründung, vom p Jan.

\872 ab, als der hochbegabte Weimaraner Dr. Karl
Stegmann als Direktor zu wirken begann, auf dem
weiten Gebiet der technischen Künste und Wissen-
schaften und der künstlerischen Gewerbe, als Führer
und Pionier immer größeren und schwierigeren Auf-
gaben sich unterzogen und vorangestellt.

Von den einzelnen, durch praktische Wirksamkeit
immer inehr hervortretenden technischen Abteilungen
des Museums kann hier nicht die Rede sein. Aber
es darf nicht vergessen werden, daß auch alle mehr
dein Kunstgewerbe dienenden Bureaus, Abteilungen
und Unternehmungen des Bayerischen Gewerbemu-
seuins ihre große Bedeutung für Nürnberg und
Bayern dadurch erlangt, daß eine weite und klar-
sehende Leitung des Museums iminer die Förderung
der Techniker im besten Sinne, des Kunst ha nd-
werks in erster Linie ins Auge gefaßt hat.

Recht bescheidene Mittel konnten in den letzten
Jahren für die Neuanschaffungen der kunstgewerb-
lichen Mustersammlung aufgewendet werden;

es mögen meist nicht viel mehr als
-fOOO M. dafür übrig geweseii sein.
Trotzdem ist schon neben der früher,
da nur alte Stile als vorbildlich für
Neues galten, angelegten kleinen histo-
rischen kunstgewerblichen Sammlung
eine so bedeutsame Mustersammlung
neuen Kunstgewerbes entstanden, daß
Bayerns Hauptstadt, die noch immer
kein kunstgewerbliches Museum besitzt,

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