Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Lin haltwergcssenes Kunstwerk.

Die neue Bekrönung durfte nicht sehr hoch auf-
gebaut werden, da der ganze Thorraum nur etwa
5 m mißt. Doch gelang es dem Aünstler, eine dem
alten Teile ebenbürtige, dessen entzückendem Grnament-
werke fein nachempfundene Arbeit zu liefern. In
der Mitte unter denr Baldachin steht Thristus, als
der Erhöhte, mit dein Reichsapfel, dem Symbol der
Herrschaft in der Linken, die Rechte segnend erhoben,
eine sympathische Gestalt aus der pand des Bild-
hauers Frey in München. Die übrige Schnitzerei
fertigte Riemer in Augsburg. Alte und neue
Partien des Ganzen zeigen reiche — und zugleich
solide - Vergoldung, welche sich mit der dezenten
Farbengebung zu einem sehr wohltuenden Gesamt-
bilde vereinigt.

Wer ist nun der Schöpfer des alten Aunstwerks
gewesen? In den Akten der Pfarrei ist nichts über
ihn berichtet. Die Ähnlichkeit in der Darstellung
der Geburt Thristi, namentlich die Gestalt der Maria

und des Aindleins, das auf dem umgeschlagenen
Gewände der Mutter liegt, erinnert an die Rosen-
kranztafel eines unbekannten Meisters, welche sich
auf der Nürnberger Burg findet (Rettberg, Nbg.
Kunstgeschichte, S. 77 f.); dagegen Maria auf dem
Sterbebette veranlaßte den Referenten, an das Relief
des gleichen Vorganges, das in dem großartigen
pochaltare zu Schwabach (bei Nürnberg) vorhanden
ist, also an den Nürnberger Veit Stoß, zu denken.
Jedoch gerade die genauere Vergleichung mit Nürn-
berger Werken ergibt so wesentliche Unterschiede,
daß unser Aünftler wohl anderswo gesucht werden
muß. Am ehesten gemahnte noch das bauschige
Gewand der bsauptgestalt (Maria mit dem Anaben)
und der etwas leere Ausdruck des Thristuskopfes
im unteren Schreine an Veit Stoß. Aber wenn die
langgezogenen Falten der Gewänder, die sich dann
in scharfe, knitterige Teilfältchen lösen, für Riemen-
schneider charakteristisch sind, wenn ihm das
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