Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Unsere Bilder.

In Silber getriebenes Madonnenrelief, von Leopold Eberth, München.
(Wenig verkleinert.)

— ZOO, 200, (50 M. — (Ankäufe
zu je (00 Hl. Vorbehalten). <£s soll
ein Plakat hergestellt werden, das
an Bahnhöfen ic. ausgehängt wird
und auf die Schönheiten Magdeburgs
aufmerksam macht. — Die näheren
Bedingungen werden vom genannten
Verein (Domplatz 5) verschickt; für die
allgemeinen Bestimmungen sind die
vom Verband deutscher Runstgewerbe-
vereine festgestellten Grundsätze maß-
gebend. %

(Unfm (Kikder.

ast alle Bilder dieses peftes
stehen außer Zusammen-
hang mit dem sie um-
gebenden Text. Eine An-
zahl Druckverzierungen,
die dazu benutzt sind, Hauptabschnitte
des Textes zu markieren, eröffnet den
Reigen. Darauf folgen mehrere neuere Arbeiten
von Ernst Riegel, an deren Spitze ein Tafelaufsatz
für einen Jagdliebhaber (Abb. ^7 ff.). Das eigen-
artige Zierstück erhebt sich auf einem hölzernen
Sockel, einem starkgefurchten, mit Silberadern durch-
wachsenen Wurzelstück und zeigt in seinem Aufbau
eine gewisse Ähnlichkeit mit alten dreiteiligen Öl-
lampen, bei denen der schlanke Ständer sich über
dem Ölbehälter in einer langen Stange fortsetzt, die
in einem Ring endigt. Die Stelle des Rings vertritt
hier eine bogenspannende Diana, und da, wo bei
der Lampe die Dochtmündungen aus der Rundung
des Behälters Hervorbrechen, sind bei Riegels Aufsatz
drei Pochjagdtiere — Elch, Steinbock und pirsch —
ausgestellt^ während darunter in reizvollen, dein
Schalenrand entlang angeordneten, bzw. den Fußring
umgebenden Reliefs die niedere Jagd veranschaulicht
wird. Das ganze, in seinen Einzelheiten charakter-
voll durchgeführte Runstwerk besteht aus Silber, das
aufs feinste abgetönt ist, und nur an dem Nodus
am Unterrande des Schafts ist durch eingesetzte
Opale eine andere Farbe hereingebracht; an leb-
hafter farbiger Wirkung wird es nicht fehlen, wenn
die Schals in Gebrauch genommen und mit grünem
Laub und bunten Früchten gefüllt wird.

Die weiteren Arbeiten Riegels schließen sich in:
Tharakter den schon früher von uns veröffentlichten
(Jahrg. (903, 5. 237 ff.) an; bei dem Briefbeschwerer
(Abb. <(57) hat das Märchen vom Froschkönig als
Motiv gedient, und zur Ausstattung des Silberbechers
(Abb. ^58) haben päckels Runstformen in der Natur

die Anregung gegeben. — Als bezeichnendes Rurio-
fum fei erwähnt, daß Riegels Arbeiten im letzten
Jahre auf der Dresdener Runstausstellung mit der
goldenen Medaille ausgezeichnet wurden, während
man in der Ausstellung des Münchener Glaspalastes
keinen Platz dafür übrig hatte. Aus dem Wett-
bewerb betr. Entwurf zu einem Ehrenpreis des Auto-
mobilrennens (Perkomerpreis) ging Riegel als Sieger
hervor.

Auf einige kleine Bronzen von Fred Dünn
& To., München (Abb. q.59—4(6 (), folgt dann eine
größere Reihe Arbeiten von Leopold Eberth, meist
Schmucksachen, die den Beweis liefern, daß die Werke
der Alten ihre Triebkraft noch nicht eingebüßt haben,
und daß es dem Nachwuchs Münchens weder an
künstlerisch geschultem Geschmack noch an technischem
Rönnen gebricht. Man wird bei Eberths Schmuck-
fachen unschwer die deutlichen Spuren griechischer,
römischer, etruskischer Zierkunst erkennen, während
anderseits auch die Renaissance sich neben modernen
Gedanken zeigt; aber auch da, wo eine recht enge
Anlehnung an alte Arbeiten wahrzunehmen ist (z. B.
in den Abb. 4(65—<(69 u. 4(74(), kann man sich dem
Eindruck nicht entziehen, daß dieser enge Anschluß
eine naturgemäße Folge der Gleichartigkeit der Technik
ist. Das Gold ist nun einmal ein Stoff, der sich in
dünne Bleche und Drähte verarbeiten läßt und da-
durch mit verhältnismäßig geringem Materialauf-
wand eine verhältnismäßig große Wirkung zu er-
zielen vermag. Was ist da natürlicher und prak-
tischer, als dünn getriebene Bleche auszuschneiden, sie

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