Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

Page: 278
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1904_1905/0297
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Wilhelm Spannagel.

5^8. Entwurf zu einer Friedhofsaulage für Pasing; von wilh. Spanuagel, München.

Ministerium in München (Abb. 5^9 u. 550) ging ans
einem im April (ZOif abgelaufenen Wettbewerb als
einer der zum Ankauf empfohlenen Entwürfe hervor;
die Forderung des Programms, iu dem Bau außer
dem Verkehrsministerium auch das Zeutralbriefpost-
anrt unterzubringen, und anderseits die Absicht des
Künstlers, diese beiden Bestandteile recht deutlich von
einander zu scheiden, hat zu der eigenartigen Zwei-
teilung der Baumasse geführt. Man kann über die
Zulässigkeit der Formen des Hauptbaues in solchen
Dimensionen verschiedener Meinung sein; aber sicher-
lich ist die Idee, das Briefpostamt äußerlich von
dein Ministerium sich abheben zu laffeit und diesem
in ganz niederen, sich breit ausdehnenden Gebäulich-
keiten vorzulegen, ganz vortrefflich, ein Beweis für
Spannagels Phantasie und Sinn für die Ausgestal-
tung natürlicher, reizvoller Situationen.

W. Riezler.

(Die folgenden drei Zeichnungen, 55 (— 555,
sind anläßlich des vor wenigen Monaten abge-
laufenen Wettbewerbs um das Empfangsgebäude des
neuen Karlsruher Bahnhofs entstanden; dieser Wett
bewerb zeichnete sich vor andern durch den Umstand
aus, daß der Grundriß des Ganzen im wesentlichen
gegeben war und nur geringe Minderungen zulässig
waren. Wurde dadurch einerseits viel unnötige
Arbeit erspart, da alles Grübeln über die Zweck-
mäßigkeit dieser oder jener Anordnung in Wegfall
kam, so waren die Konkurrenten anderseits in der freien
Entfaltung ihrer künstlerischen Araft nicht unwesent-
lich gehemmt. Gegenüber dem an erster Stelle
prämiierten Hermann Billing, für den nicht nur
seine hohe künstlerische Meisterschaft, sondern noch
der gewichtige Umstand in die Wagschale fiel, daß

er als Ortsansässiger sich genau darüber orientieren
konnte, wo und wieweit am gegebenen Grundriß
Änderungen vorgenommen werden durften, hatten
die übrigen Konkurrenten einen schweren Stand;
zu den in allen Ehren Unterlegenen gehörte auch
W. Spannagel.)

Steine (Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Ausmessungen,

(Wettbewerbe @c.

jWiedereröffnung der Maillinger-Saminlung in
München. Am Sonntag, den Juni, fand
die Wiedereröffnung der Maillinger-Sammlung mit
einer neuen Serienausstellung, der 28. der Gesamtfolge
seit dem Jahre (880, statt, wo deren erste anläßlich
des 700 jährigen Regierungsjubiläums des Hauses
Wittelsbach veranstaltet worden war. Die Ausstellung
enthält Karten, allgemeine Pläne und Ansichten der
Stadt München und solche ihrer einzelnen Straßen
und Gebäude aus der Regierungszeit König Lud-
wigs I. ((825—(8^8). Da in die neue Ausstellungs-
periode, welche bis zum Mai künftigen Jahres währt,
zwei in die Geschichte Bayerns und Münchens be-
deutungsvolle Gedenktage fallen, der 200. der Send-
linger Bauernschlacht (Lhristtag (705) und der (00.
der Erhebung Bayerns zum Königreich (Neujahrs-
tag (806), hat auf Grund früherer Magistrats-
beschlüffe der Museumsvorstand von Destouches mit
dieser Serienausstellung zwei aus den Beständen der
städtischen Sammlungen gebildete Säkularausstellungen
verbunden, deren Eröffnung gleichfalls am 4,. Juni
stattfand. ^

278
loading ...