Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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Ausstellung zur Hebung der Friedhofs- und Grabmalkunst zu Wiesbaden.

oder figürlichem Echmuck äußert, das ist gleich, wenn
sich nur ein bestimmter Charakter zeigt. Nur nicht
dieses formlose, gedankenlose Durcheinander, dieses
Volapück einer unverstandenen willkürlich gemischten
und verwendeten Kunstsprache, wie sie auf unseren
Friedhöfen herrscht und jeden Menschen mit ge-
bildetem Geschmack abstößt.

Wie solche aus der Empirezeit überkommenen
Formen von dem modernen Empfinden und der
modernen Technik umgewertet werden, zeigt uns ein
hübsches Werk voit Fridolin Gedon (Abb. f57).
Da ist einer dem Wesen und Charakter dieser
Etilformen verständnisvoll nachgegangen und hat,
ohne sich direkt an gewisse Vorbilder zu halten,
ein gemütlich anmutendes Denkmal geschaffen. Aus
derselben Quelle der Kunst schöpfend, ohne jedoch
ihre Etilelemente direkt zu übernehmen, kam Ernst
Geiger nahezu auf denselben Weg mit den
Gotikern, indem er den rein künstlerischen und tech
nischen Bedingungen der ihm gestellten Aufgabe
Folge leistete. Die Formgebung des von ihm ge-
schaffenen Grabmales Iauß (Abb. \58) ähnelt
alten gotischen Werken, weil hier eben mit derselben
künstlerischen Konsequenz das gegegebene Problem
gelöst ist. Das hübsche Flachornament ist wie die

darunter an-
gebrachte In-
schrift als Flä-
chenschmuck
gedacht. Die
beiden reiz-





vollen Kindergestalten sind organisch aus der Eteinmaffe entwickelt.
Die starre Materie ist durch die Form sinnreich belebt und über-
wunden. (Schluß folgt.)

Auestekkung zur Hebung der Lnedhofe;
und (ArabmakKunst zu Wiesbaden.

139 — ^0. Fritz Christ; Grabmal
Bergeat.

ie von Jahr zu Jahr eine regere Tätigkeit entfaltende
„Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst"
hat diesen perbst den schon lange gehegten plan, einmal
auf dem Gebiete der Friedhofskunst der künstlerischen
Entartung entgegenzutreten, verwirklicht. Daß unsere
Friedhöfe in ihrem jetzigen Zustande nicht schön sind, weiß man.
Man hat aber bisher noch wenig dagegen gesagt und noch weniger
dagegen getan. Am so anerkennenswerter ist es, daß von einem
doch immerhin auf verhältnismäßig bescheidene Mittel angewiesenen
Verein eine so energische Resormbestrebung, wie es hier geschehen ist,
ausging. Es handelte sich dabei keineswegs um einen bloß vorüber-
gehenden ästhetischen Aufrüttelungsversuch. Die Ausstellung war
quasi nur das Vorspiel eines fortlaufenden Unternehmens. Wurde
hier nur einnml gezeigt, was geboten werden kann, so wird jetzt
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