Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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Dom Büchermarkt.

wurden. Dieses sonst ausgezeichnete Verfahren, das
von jedermann hätte ausgeübt werden können, wies
aber doch einige Ubelstände auf, die feine Anwen-
dung erschwerten und einfchränkten. Alle diese Ubel-
stände zu beheben, ist nun nach mehr als zweijährigen
Bemühungen dem Tischlermeister A. Zun gl in Graz
gelungen. Von Thür selbst dazu aufgefordert, das
Verfahren weiter durchzuarbeiten, ruhte er nicht eher,
als bis er erreicht hatte, dasselbe leicht und voll-
kommen sicher und auch auf sehr großen Flächen
ausführbar gemacht zu haben. A. Zungl gelang
dies hauptsächlich durch Anwendung eines eigens
präparierten Schablonenpapiers, das stets, auch nach
vollständigen: Eintrocknen des Leimes, selbst noch nach
einigen Tagen, leicht von der Unterlage ablösbar
bleibt und dadurch ein genaues und bequemes Ar-
beiten gestaltet. Auch der säurefesten Schutzmasse hat
Zungl eine zweckmäßige Zusammensetzung gegeben.
Uni die letzten Säurereste inl polz unschädlich zu
machen, wird es nach gründlichem Waschen mit ver-
dünntem Ammoniak behandelt. A. Jung! hat nun
seine Erfahrungen in einer kleinen Broschüre nieder-
gelegt, die eine Anleitung zur Ausführung des Ver-
fahrens darstellt und mit deren pilfe jedermann in
den Stand gesetzt wird, das Verfahren mit Leichtigkeit
auszuüben. (Selbstverlag des Verfassers: A. Zun gl,
Graz in Steiermark, Lagergasse 2(; — \<)Oö. —
Preis der Broschüre 20 Heller; Zungl liefert auch
Schablonenpapier, Schutzmasse, paarpinsel ic. für
sein Verfahren. —- Ein Exemplar der Broschüre
liegt im Sekretariat des Bayer. Kunstgewerbevereins
zur Einsichtnahme auf.) U). p. Schram in.

Heue Zierdlecbe bietet die Maschinenbauanstalt
pumboldt in Kalk bei Köln a. Ah. mit ihrem
neuen Musterbuch an, durch welches die Firma be-
weist, daß sie nicht nur modern sein will, sondern
auch, daß sie sich tüchtige künstlerische Kräfte zum
Entwurf ihrer Muster gesichert hat, die es wohl
verstehen, sich den Stilbedingungen des perstellungs-
prozefses unterzuordnen.

(Vom KüchermarKk.

nheißer, Dr. Roland, Botaniker und Architekt,
Mikroskopische Runstformen des pfianzen-
reiches. 60 Tafeln mit Text. Dresden, Gerhard
Kühtmann. preis (8 21T.

Die Erfolge, die Ernst paeckel mit seinen „Kunst-
formen in der Natur" hatte, haben offenbar auch
zu obengenannter Sammlung die Anregung gegeben.
Der perausgeber, Zllustrator großer botanischer
Werke, ehemaliger Assistent an den botanischen Zn-

J58. Ernst Geiger, Hieran. Grabmal Aaroline Sauß.

stituten zu Zena und Basel, glaubt „durch seine
architektonischen und künstlerischen Studien in der
Lage zu sein, die Formen einerseits vollkommen
naturgetreu darzustellen", — „anderseits war er be-
sonders darauf bedacht, die Objekte wie architekto-
nische Details zu behandeln und den künstlerischen
Wert der Formen zu betonen und nicht durch zu
detaillierte Ausführung den Reiz des Tharakteristischen
zu zerstören". Der pauptwert dieser Sammlung
scheint uns darin zu beruhen, daß sie zum eigenen
Studium der Welt des Kleinen mit unwiderstehlicher
Gewalt hindrängt; denn was der perausgeber da
an Motiven ausgeschüttet hat, ist so mannigfaltig
und für so viele Gebiete der Kleinkunst von oft ge-
radezu überraschender Vorbildlichkeit, daß die daraus
zu schöpfenden Anregungen stets wieder zu neuen
eigenen Studien treiben werden. Darüber, daß die
zeichnerische Darstellungsweise in künstlerischer pin-
sicht nicht einwandfrei ist, sieht man bald hinweg,
je mehr man sich in das gebotene Material selbst
vertieft; denn es ist nicht zuviel gesagt, wenn wir
behaupten, daß für jeden Zweig des Kunstgewerbes
dekorative Gedanken hier in bülle und Fülle zu finden
sind: Flachmuster, Bordüren, Fliesen, Flecht- und
Webewerk — Broschen, Armbänder, Rosetten —

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