Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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Die Maschine als Werkzeug.

576. Skizze zu einem Glasbild; von A. Viegelmauu, München.

strenge Beschränkung der Darstellung auf das Zwei-
dimensionale weiß er meisterlich herbeizuführen, indem
er vor die Figuren Gestrüpp, Laubwerk u. dgl. zieht.
Wie mit einem Zauberschlag werden durch diese
Manipulationen die Tiefen vernichtet und alle Punkte
der Darstellung in die eine, die vordere Fläche eingeeb-
net. Zugleich erreicht Biegelmann durch dieses Borziehen
des Laubwerks die erwähnte Brechung der großen,
einfarbigen Flächen, insbesondere der nackten Rörper
von Mensch und Tier. Neben den Anregungen,
die er von Rarl Ale empfing, haben hier die uner-
reichten Glaskunstwerke der Alten erziehend auf
den Rünstler eingewirkt. Unsere Abbildungen
zeigen gerade von dieser Leite aus kein abgerundetes
Bild von seinem Streben. U)ie es bei jungen Rünst-
lern die Regel zu fein pfiegt: das Beste, das eigent-
lich Tharakteristische ist noch zu sehr Entwurf, um
gezeigt werden zu können. Ts fehlen auch in diesem
Falle die Aufträge, die großen Aufgaben, an denen
das Rönnen erst zu voller Rraft erstarkt. Zst dieser
Sachverhalt schon an sich beklagenswert, so wird er
noch verschlimmert, wenn man erwägt, wie viele
Rattel jahraus, jahrein an schlechte Arbeiten ver-

Bei all dieser vielseitigen Tätigkeit
kommt dem Aünstler das unter si)rof.

Thedy (Weimar) und Professor Marr
(München) erworbene zeichnerische und malerische
Rönnen sehr zustatten. Abschließend bemerke ich:
Wenn redlicher Sinn, tüchtiges Rönnen, künstlerische
Begabung und Berständnis für das Material Bürg-
schaften für eine gute und ehrenvolle Weiterentwicklung
sind, dann kann inan dem jungen Rünstler nur die
beste Prognose stellen. Die Tatsache, daß er sein
edles Gewerbe selbständig und auf eigene Rechnung
betreibt, wird dieser guten Entwicklung nur förder-
lich sein. Wilhelm Michel.

(Die fiüaschme ake Werkzeug.

^ bekannt, wie die maschinenmäßig
herausgedrehte Ornamentik der histo-
rischen Stile wucherte, und wie schließ-
lich die im ehrlichsten Bestreben —
aber leider nicht aus der ästhetischen
Entwicklung des Gebrauchsgegenstandes selbst — ent-
standene Zugendstilornamentik ebenso ein Raub der
Maschine wurde.

Das Runstgewerbe hat sich deshalb daran ge-
wöhnt, die Maschine als eine schäbige Ronkurrentin

geudet werden. Auch hier ist der Auf-
traggeber von Unberufenen umgeben,
und es erhebt sich von neuem die oft
ausgesprochene Forderung: Runstfreunde
und Architekten, wendet euch direkt
an die Rünstler, zu ihrem und eurem
Nutzen!

Schließlich bleibt noch zu erwähnen,
daß Biegelmann auch aus den: Gebiete
der Glas m osaik tätig ist, auch hier
jenen Sinn für die Natur des Materials,
jenes hohe kompositionelle Geschick und
den künstlerischen Ernst entfaltend, der
alle seine Arbeiten auszeichnet. An dem
musivischen Zierat am chause des k)of-
bäckers Zof. Maier (Dachauerstraße) und
Rarl Ules (Schellingstraße) ist Biegel-
mann künstlerisch beteiligt. Auch diese
Spezies der Glaskunst hat reiche Mög-
lichkeiten, deren Ausbeutung sich Biegel-
mann wohl nicht entgehen lasten wird.
Er denkt an Verwendung der Mosaik in
Verbindung mit Architektur (wofür sie
sich durch ihre Wetterfestigkeit vorzüglich
eignet) oder auch mit Reliefplastik, mit
der sie zum Schnmcke unserer Friedhöfe
Unschätzbares beitragen könnte.

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