Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

Seite: 236
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Line Nedaillen-Uonkurrenz.

d'Arc gedachten Medaille, die sich ganz im Charakter
eines Siegels hält, zeigt sich Viktor Gppenheimer
von der blumenhaften Anmut der französischen Gotik
inspiriert (Abb. ^3-s u. ^55). Eine ausgezeichnete
Charakterstudie in angenehm flüssiger Technik endlich
brachte Frau Maria Kern-Löfftz (Abb. ^56).

Was wir hier in Abbildung vorlegen, ist nur
ein Ausschnitt aus dein erfreulichen Gesamtbild der
Konkurrenz, und dieses ist um so erfreulicher, als es
zum guten Teil noch junge Kräfte sind, die als Me-
daillenkünstler sich hier zum ersten Mal betätigen.

446. Medaillonbild (Martin Greif); von Hermann Lang;
ausgefiibrt von A. Brandstetter & Sohn.

Nimmt man die Arbeiten unserer schon längere Zeit
auf diesem Gebiet tätigen älteren Künstler hinzu, so
gewinnt das Bild der modernen Münchener Medaillen-
kunst noch ganz erheblich an Leben und Bewegung.
Obwohl nicht an der Konkurrenz beteiligt, sondern
schon in früheren Zähren entstanden, seien hier
wenigstens einige Arbeiten unserer Pauptmeister der
Nkedaille vorgelegt. Cin größeres, sehr überzeugendes
Reliefporträt des Prinzen Ludwig von Ad. pilde-
braitd, das auf der Nkedaille der vorigjährigeit
Brauereiausstellung (Abb. ^57 u. H38) Verwendung
fand, hat offenbar durch die leidige Reduktionsmaschine
an Schärfe der Form und Klarheit der Reliefwirkung
erheblich verloren, und auch der von Karl Sattler
erfundene hübsche Revers mit der etwas puppenhaft
geratenen Reiterin auf dem kolossalen Arbeitspferd
zeigt alle Spuren einer lieblosen Verkleinerung aus
maschinellen Wegen. Daneben bewährt sich die im

direkten Stempelschnitt so geübte pand Georg Römers
um so schlagender in einer den: Bundesschießen von
sy06 gewidmeten Medaille (Abb. q.5fl u. ^60). — Sein
sicheres Stilgefühl in der Behandlung des Reliefs und
daneben eine bemerkenswerte porträtistische Begabung
im kleinen Maßstab beweist Zoseph Floßmann in
einer Reihe von groß und einfach zugeschnittenen
Plaketten (Abb. —^6-P. Weniger bekannt als sie

cs verdienen, sind einige geprägte Medaillen des-
selben Künstlers, die durchweg freihändig unmittelbar
in den Stahl jprägeeisen) gegraben sind. Leichte,
flüssige Kompositionsmotive von fast musikalischem
Reiz verbindet mit hoher Monumentalität auf ihrer
Vorder- und Rückseite die schöne Orchestervereins-
medaille (Abb. ^63 u. q^66).— Weniger als Münze denn
als „Abzeichen" ist die im Figürlichen humoristisch
konzipierte, in der ornamentalen Ausstattung aber
um so kraftvoller und würdiger gehaltene Schützen-
medaille (Abb.H67 u. H68) gedacht. Der kleine präge-
jeton (Abb. 4.69) mit dem amüsanten Glücksschwein
zeigt ganz die spielende Frische der Technik, die bei den
Erzeugnissen der Münzschmiede aus den besten Zeiten
der Kunst, bei alten Nürnberger Zetons und Marken
so handwerklich wahr und künstlerisch echt anmutet.

Auch dem Zweifler wird diese flüchtige Über-
sicht die Gewähr geben, daß auf der diesjährigen
großen Medaillenschau, welche die Brüsseler Welt-
ausstellung voraussichtlich bringen wird, die Mün-
chener Medaillenkunst sich neben zierlicheren und
vielleicht gefälligeren Erscheinungen dieser Art mit
Ehren behaupten wird.

(Der (Achisschuh des öikdenden
(Musikers (von (Dr. (Draißen).

ohl in keinem andern Stande und Be-
rufe ist die Unkenntuis der einschlägigen
Rechtsvorschriften und die Ungewandt-
heit in der Behandlung geschäftlicher
und rechtlicher Angelegenheiten so groß,
wie in dem der Künstler. Wer, wie der Unterzeich-
nete, ständig mit den Rechtsangelegenheiten der
Künstler befaßt ist, weiß daher, wie notwendig es
im Znteresie der Künstler ist, hierin Wandel zu
schaffen und die Künstler mit dem geltenden Recht
vertrauter zu machen. Dieser Aufgabe hat sich
Zustizrat Or. D rat Heu in seiner durch E. A. See-
manns Verlag veranlaßten Schrift „Der Rechtsschutz
des bildenden Künstlers"mit großem Erfolge unter-
zogen.

') Verlag <£. A. Seemann, Leipzig.

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