Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

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Dom Büchermarkt.

dem schön vergitterten Ramm (Abb. 625), neben
welchem sich die Tür zu dem gleichfalls ganz ver-
täferten Wohnzimmer öffnet (Abb. 627—629). Tine
Hülle von Licht fällt hier durch den drei Meter breiten
Erker, der einen herrlichen Ausblick auf See und
Gebirge gewährt; die Tür daneben öffnet sich auf
die Terraffe, von der eine Treppe zuin Garten hin-
unterführt. Neben der Eingangstür verspricht ein
behäbiger Gfen mit Sitzbank Trost für kalte Tage,
und an der Nebenwand sorgt ein eingebautes Büfett
für des Leibes Bedürfnisse. Die Ausstattung der
beiden folgenden Zimmer (Abb. 630—632) läßt
unschwer dieselben Meister erkennen, von denen
das „potelfremdenzimmer" der Ausstelluitg bemalter
Wohnräume (Abb. 6f^ und 6)5) herrührt; das „Gast-
zimmer" (Abb. 630) liegt in: Obergeschoß, das Eltern-
fchlafzimmer unmittelbar neben dem Wohnzimmer.
— Den Schluß machen vier Bilder aus den Ge-
schäftsräumen der Firma parcus (Abb. 633—635),
deren vornehme Erscheinung kaum erkennen lassen,
mit welchen Schwierigkeiten der Architekt hier zu
kämpfen hatte, wo er auf eine Menge schon vor-
handener, unabänderlicher Dinge Rücksicht zu nehmen
hatte.

(Vom KüchermarKt.

^slrbergiscbe Innenkunst. Unter diesen: Namen
brachte Wilh. Fülle in Barmen einige Serien
von je 32 Bildpostkarten in den Pandel (Preis
),50 M.), die recht wohl geeignet sind, von dem
Aussehen (dieser altväterischen Bürgereinrichtungen
eine Vorstellung zu machen und allerlei Anregungen
zu geben.

^udel, Paul, Falscherkunst, nach der autorisierten
'w' Bearbeitung von Bruno Bücher neu heraus-
gegeben und ergänzt von Arthur Rößler. Leipzig
)909- Verlag von Fr. Wilh. Grunow. Vornehm
geheftet 5 M., in Hellem Leinen gebunden 6 M.,
Luxusausgabe in Lederband 20 M.

Diese deutsche Neuauflage des französischen
Originals ist zweifellos ein sehr zeitgemäßes Werk;
es hat das große Verdienst, Renner und Nichtkenner
auf die Fallen aufmerksam zu machen, die ihnen
bei Einkäufen von irgendwelchen Sammlungs-
gegenständen gestellt werden, die Liebhaber vor
Vertrauensseligkeit zu bewahren, Neulinge mit Vor-
sicht zu wappnen usw. Freilich wird es auch —
leider — manchen geriebenen Fälscher noch behut-
samer machen und seine Schlauheit und sein künst-
lerisches oder technisches Rönnen noch weiter steigern;
aber es ist nun einmal nicht zu verhindern, daß
auch Gauner und Fälscher bei ihrem unsauberen

pandwerk sich der Fortschritte der Gegenwart be-
dienen und was darüber in den: Buch erzählt wird,
kennen diese Herren schon längst. Das Buch ist
mit Ausnahme der zwei ersten Rapitel — prähisto-
rische und ägyptische Altertümer — in fachliche Ab-
schnitte gruppiert — Tonwaren, Glas, Münzen,
Goldschmiedearbeiten usw. und es zeichnet sich be-

zzs. Geschäftsräume bei Gebr. parcus: Ausstellungsraum.
Architekt Georg Daugl. Natur-Lärchenholz.

sonders dadurch aus, daß es mit jedem einzelnen
Teile fesselt, — ob es nun von dem Pereinfall des
Mathematikers Thasles, oder von der Tiara des
Saitaphernes erzählt, — ob es von alten oder neuen
Bildern, von Münzen oder Reramiken spricht.
Manches Rapitel liest sich wie die Darstellung einer
Diebskoinödie; daß die amüsantesten davon eben da
spielen, wo der blindwütige Sammeleifer am meisten
grassiert — Italien und Paris — ist verständlich.
Das Buch wird daher auch bei Nicht-Sammlern ein
willkommener Unterhalter sein, und mancher wird
sich beim Durchlesen schadenfroh ins Fäustchen lachen;
wer aber „sammeln" will, der fange damit an, dies
Buch zu lesen O.

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