Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

Page: 200
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guß eine neue Negativforin hergerichtet werden
muß. Trotzdem wird aber wegen der künstleri-
schen Vorzüge der Gußmedaille seit einigen Jahren
hauptsächlich im Süden Deutschlands der Vorzug
vor der geprägten gegeben.

Mitteilungen

Preisausschreiben 'zur Verbesserung der Ersatzglieder für
Kriegsverstümmelte.

Um den vielen Tausenden von tapferen Männern, welche in
dem Kampf um Deutschlands Ehre und Zukunft ihre gesunden
Glieder opferten, den bestmöglichsten künstlichen Ersatz zu
schaffen, welcher unserer technisch so hochentwickelten Zeit
entspricht, hat Herr Karl Bauer, Fabrikant in Schwäb.-Gmünd,
den maßgebenden Behörden und Organisationen der Kriegs-
invalidenfürsorge in einer Denkschrift vorgeschlagen: man
möchte durch große Preisausschreiben zur Verbesserung
der Ersatzglieder und Hilfsmittel für Arm- und Handampu-
tierte die fähigsten Kräfte auf technischem Gebiete und durch
große Preise zu Höchstleistungen anspornen. Es soll dadurch
in kurzer Zeit erreicht werden, für die verschiedenartigsten Be-
rufe, welchen die verstümmelten angehören, passende Ersatz-
glieder und Arbeitsprothesen zu schaffen, welche den Inva-
liden ermöglichen, neben ihren lebenslänglichen Renten einem
befriedigenden Erwerb wieder Nachkommen zu können.

In Magdeburg ist nun der erste Anfang gemacht und diesen
Monat anläßlich der Ausstellung für Kriegsinva!idenfür>orge
ein Preisausschreiben zur Verbesserung der Ersatz-
glieder für Kriegsverstümmelte veröffentlicht worden:
Es find drei Preise von 3000 M., 4500 M. und 500 M. aus-
geworfen. Der Linlieferungstermin ist der Oktober. Die
sieben Preisfragen lauten:

(. Verbesserung der künstlichen Glieder (Prothesen) für Arm-,
Hand- und Beinamputierte.

2. Verbesserungen der künstlichen Glieder, bei welchen die
besondere Art der Amputation, z. B. ohne Stumpf oder ein
kurzer Stumpf berücksichtigt ist.
z. Verbesserungen der künstlichen Glieder unter Berücksichti-
gung verschiedener Berufsarten.

4. Verbesserungen in bezug auf Erzielung eines leichteren Ge-
wichtes der künstlichen Glieder bei gleicher Dauerhaftigkeit.

5. Hilfs- und Ersatzmittel, welche den Amputierten die Aus-
übung ihrer verschiedenen Berufe wieder ermöglichen und
erleichtern, z. B. Lrsatzstücke für Unterarmansätze, Werk-
zeuge aller Art, Vorrichtungen an Maschinen usw.

6. Ein Ersatzstück, welches den Daumen, Zeige- und Mittel-
finger als greifendes Werkzeug ersetzt, mittels dessen der
Amputierte einen kleinen Gegenstand so festznhalten ver-
mag, daß er ihn z. B. mit einer Feile bearbeiten und dann
wieder leicht anslösen kann. (Für diese Preisfrage ist ein
Zusatzpreis von 300 ITC. gestiftet.)

7. Bestmögliche Ersatz- und Hilfsmittel, welche den Ampu-
tierten die Handgriffe des täglichen Lebens erleichtern, z. B-
Eßbestecke für Einarmige, Waschtischgegenstände usw.

Das Preisrichteramt haben übernommen:

Geh. Medizinalrat Professor l)r. Kölliker in Leipzig, Direktor
der orthopädischen Universitäts-Poliklinik, Generaloberarzt ä la
suite des bayerischen Sanitätskorps, z. Z. beratender Ortho-
päde in Metz; Geheimer Medizinalrat Or. Deneke in Magde-
burg, zweiter Vorsitzender des Krüppelfürsorgevereins in der
Provinz Sachsen; Stabsarzt d. R. Df. Blencke, Spezialarzt
für orthopädische Ehirurgie in Magdeburg, z. Z. beratender
Orthopäde beim IV. Armeekorps; Oberarzt Or. Reichard
in Magdeburg, leitender Ehirurg der Pfeifferschen Anstalten
in Magdeburg-Eracau, z. Z. ordinierender Arzt am dortigen
Hilfslazarett; Lemcke, Mitinhaber der Firma Baumgartel,
Bandagist der Kgl. Klinik in Halle a. d. S.

Line Auswahl der besten Arbeiten des Medailleurs
Alois Börsch ist hier inr Bilde wiedergegeben,
wollen wir uns Begleitworte ersparen und die
Abbildungen zu Worte kommen lassen!

I)r. Max Bernhart.

Es wäre sehr zu wünschen, daß diese wichtigen Bestrebungen
recht gute Früchte zeitigen. Mögen sich auch in unserem Kunst-
gewerbe recht viele erfinderische Kräfte finden, in edlem Wett-
bewerbe diese interessanten Aufgaben lösen zu helfen. Die
Preisausschreibebedingungen können von der Geschäftsleitung
der Ausstellung für Kriegsinvalidenfürsorge, Herrn Bankier
H. Zuckschwerdt in Magdeburg, bezogen werden.

Saperische Lanüesgewerbeanslalt. König LuSwigs-Preis-
stiftung 1915.

Über alles Erwarten war trotz des Krieges in diesem Jahre
die Zahl der Bewerber um eine Medaille oder einen der
ausgeschriebenen Geldpreise der im vergangenen Jahre er-
freulicherweise durch Seine Majestät König Ludwigs um eine
Zusatzstiftung erweiterten König-Ludwigs-Preisstiftung eine
außergewöhnlich große. Die Ausstellung der in einem Saale
des Erdgeschosses der Bayerischen Landesgewerbeanstalt ver-
einigten kunstgewerblichen Arbeiten bietet ein abwechslungs-
reiches Bild.

An dem Wettbewerb um die Medaillen beteiligten sich eine
photographische Lehranstalt, zwei Drechsler, ein Zinngießer,
drei Goldschmiede, ein Keramiker, ein Holz- und ein Elfen-
beinschnitzer, ein Dekorationsmaler und ein Instrumentcn-
fabrikant.

Das Preisgericht verlieh zwei goldene, drei silberne und
eine bronzene Medaille. Die goldene Medaille er-
hielten: die vor zehn Jahren von der Stiftung mit der sil-
bernen Medaille ausgezeichnete Lehr- und Versuchsanstalt
für Photographie, Ehemiegraphie, Lichtdruck und
Gravüre in München und der Münchener Goldschmied
Eduard Steinicken, elftere für ihre hervorragenden Lei-
stungen auf den verschiedenen Gebieten der Photographie und
Ehemigraphie, der letztere für drei mit auserlesenem künst-
lerischen Geschmack und technischer Gediegenheit ausgeführte
Kassetten. Mit der silbernen Medaille wurden bedacht: der
als Fachlehrer in Zwiesel tätige Bildhauer Franz Joseph
Mayer für eine Reihe vorzüglich in Holz geschnitzter Tier-
figuren von echt künstlerischem Gepräge, der ^Kgl. Bayer.
Hofgoldschmied Th. Heiden in München für seine vor-
tresflichen Leistungen auf dem Gebiete der Goldschmiede- und
Iuwelierkunst und der Nürnberger Kunstdrechsler I. L.
Hermann Saueracker für eine Reihe von außergewöhn-
licher technischer Fertigkeit zeugender Kunstdrechslereien. Die
bronzene Medaille wurde verliehen dem Augsburger Saiten-
und Instrumentenfabrikanten Karl Müller für zwei im
Ton gut ansprechende Saiteninstrumente.

Zu dem ausgeschriebenen Wettbewerb um eine zur Aufbewah-
rung von Kriegserinnerungen dienende Kassette aus einem
beliebigen Material waren 45 ansgeführte Arbeiten und 30
Entwürfe eingelaufen. Zur Verfügung standen für die er-
steren Geldpreise in der Höhe von 400, zoo und 200 M., für
letztere solche von 200 M. Zur Vergebung kamen ein Preis
von zoo M. und zwei Preise von 200 M. Der erstere fiel auf
die unter dem Motto „Heldentod" eingesandte Arbeit des
auch mit der goldenen Medaille ausgezeichneten Münchener
Goldschmieds Eduard Steinicken, während mit dem
Preise von 200 M. die unter dem Motto „Eiserne Zeit 19(5"
eingesandte Lederkassete des Nürnberger Buchbinders
Johann Haustein und der unter dem Motto „Gebrannte
Erde" als Modell eingesandte Entwurf des Nürnberger
Bildhauers Ewald Holtz ausgezeichnet wurden.

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verantw. Redakteur (ausgenommen Anzeigeteil): Alexander Heilmeyer. — herausgegebcn vom Bayer. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag

von R. Dldenbonrg München.
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