Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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Perlen, dunkle Patina der beiden Bronzefigürchen,
Silber und Gold am Stamm und in den Asten
und Zweigen und am Mauerring. Das in seiner
blinkenden pracht so sestlich leuchtende, anmutige
und reizvolle Ehrengeschenk ist ein Meisterstück
Münchener Schmuckkunst.

Die von warmherziger Empfindung und künstleri-
scher Phantasie eingegebene Erfindung und kser-
stellung des fertigen Modells ist das gemeinsame
Werk der Bildhauer Düll und pezold. An der
Ausführung waren beteiligt die Herren: Hofgold-
schmied Heiden, Eosmas Leyrer, Bronzegießer und
pofziseleur, Adolf v. Mayrhofer, Silberschmied und
Ziseleur, pofgoldschmied Rothmüller und Eduard
Steinicken, Goldschmied und Ziseleur.

Das andere, gleichfalls von Düll und pezold
erfundene und im Modell hergestellte Ehren-
geschenk entstand im Auftrag der wanderer-
werke anläßlich der ^eier ihres 25jährigen Be-
stehens. Die Aufgabe war, durch ein sinniges Ge-
schenk den Gründer der Werke zu ehren. Die
Künstler stellten daher den Gründer als den leben-
digen Schöpfer und Träger seiner Werke in den
Mittelpunkt des in seiner Art monumentalen Auf-
baues. Der Gründer war ein einfacher Schlosser-
meister, dessen Genie und Fleiß die Werke ihren
hohen Aufschwung, ihre Blüte und ihren Erfolg
verdanken. Und so sehen wir denn sein Werk ge-
tragen von seinen Lsänden. Aus den goldenen
Füllhörnern sprossen silberne Zweige, Blüten (die
von den Werken erworbenen Anerkennungen und
Medaillen) und Früchte.

Graphiken von E. 3. Schmiö

Ls könnte vielleicht befremden, daß kunstgewerb-
liche pefte, wie die vorliegenden, sich mit den
graphischen Werken eines jungen Künstlers be-
schäftigen; indes das ist kein abirrender Seiten-
sprung und kein launisches Durchbrechen des
Programms; denn L.Z. Schmids Schwarzweißkunst
will kunstgewerblich sein, will sich nicht als
„große" Graphik gebärden, will daher auch keinen
Wettbewerb mit dieser, will aber auch keine un-
gerechten vergleiche und Maßstäbe aus jenem
Bereich auf sich angewendet wissen,
was Schmid will, ist kleine Graphik für den
Hochdruck zu schaffen. Ich unterstreiche „Hoch-
druck" und umgehe es geflissentlich, von Holz-
schnitt zu reden. Schmid ist nicht in den Fehler
verfallen, im Holzschnitt allein alles Heil zu suchen,
von dieser Technik allein alle Ästhetik des Hoch-
druckes überhaupt abzuleiten. Natürlich hat auch

Letztere, Kapseln von Bergkristall, umschließen je
einen von den Werken hergestellten Gegenstand:
ein Wanderer-Fahrrad, Auto und Maschinen. Der
reichgeschmückte Sockel, auf dem sich die in Bronze
ausgeführte Figur erhebt, ist in Silber gearbeitet;
er enthält auch die Widmung der Stifter.

Außer den Erfindern und Herstellern des Modells
waren an der Ausführung wiederum unsere kunst-
gewerblichen Werkstätten und ihre Meister betei-
ligt: von A. v. Mayerhofer^ stammt die Silber-
arbeit des Sockels, von Eduard Steinicken die des
oberen Teiles über der Figur, den Bronzeguß der
Figur und Guß der Darstellung des Fabrikgebäudes
führte Eosmas Leyrer aus.

Die Ausführung dieser beiden Prachtstücke lag also
durchaus in künstlerischen Händen. Das ist schon
eine Hoffnung, daß vielleicht langsam und all-
mählich doch der Sinn für die eigentliche Bedeu-
tung solcher Ehrengeschenke ins Publikum dringt.
Denn die Aufklärung durch Wort und Bild tuts
am Ende noch nicht; mächtiger wirkt das Bei-
spiel; es reizt zur Nachfolge und Nacheiferung.
Zch glaube, es wäre darum keine verlorene Mühe,
wenn einmal in einer Ausstellung alles das, was
an künstlerisch wertvollen Arbeiten dieser Art schon
in Münchener Werkstätten entstand, zu einer solchen
Sammlung von guten Beispielen in unserer Halle
vereinigt würde.

Sie würde jedenfalls ganz andere Eindrücke und
Vorstellungen vom Wesen und wert des Ehren-
geschenkes vermitteln als die eingangs erwähnte
Ausstellung eines Ruderklubs. A. Heilmeyer.

er in dieser Technik gearbeitet und viel dabei
gelernt, was für einen noch nnsicher Tastenden
und Suchenden kaum auf einem anderen Wege,
als durch eigene Betätigung mit dem Stichel zn
lernen ist; aber er hat darüber nicht vergessen,
daß der Holzschnitt letzten Sinnes für unsere
Buchkunst eigentlich schon eine Maske, eine Un-
wahrheit geworden ist; denn die technischen Vor-
aussetzungen bei der modernen Buchdruckmaschine,
die Auflageziffern usw. gestatten es heute kaum
noch, die Griginalholzstöcke beim Druck zu ver-
wenden. Man fertigt also vom Originalholzschnitt
Zinkätzungen und druckt tatsächlich „Zinkos", selbst
wenn es um „Holzschnitte" geht. Znsoferne nun
die Zinkätzung dank der Leistungen der Photo-
graphie einen fast völlig übereinstimmenden Ab-
klatsch des Holzstockes gibt, ließe sich das ja ent-
schuldigen; allein dem Künstler, der einen Holz-

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