Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 66.1915-1916

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Rriegsgraphik von Julius viez

von Nicharü öraungart

Der Krieg hat sich, wie überall im Leben, so auch
auf dem weiten Gebiet der Kunst zugleich als ein
Zerstörer und Schöpfer und gewaltig in beidem er-
wiesen. Er hat zahllose Existenzen vernichtet, grü-
nende Keime ebenso rücksichtslos wie reifende
Saaten zerstampft, und nicht alles, vielleicht nur
das wenigste, wird zu ersetzen und neu aufzu-
richten sein. Aber er hat auch in vielen Künstlern
Dinge geweckt, die ihnen nie bewußt waren, und
sie zu Werken begeistert, die durch die Jahrhun-
derte von dieser Zeit zeugen werden. Und er hat
nicht etwa nur Künstler, die sonst ganz anderes
sannen und schufen, neuen Gebieten zugeführt; er
hat auch solche, die sich längst weiteren Zielen zu-
gewandt hatten, wieder auf ihre ursprüngliche Art
der Kunstübung sich besinnen lassen, wenn diese
zum Ausdruck dessen, was die Gegenwart bewegt,
am besten geeignet schien. Mit anderen Worten:
wir sehen, wie Künstler, die als Zeichner begonnen
und später sich fast ausschließlich malerischen Pro-
blemen zugewandt hatten, ihren Zeichenstift oder
die Feder wieder hervorsuchten und die Fülle der
aus der Zeit geborenen Ideen graphisch festzu-
halten sich bemühten. Und es ist höchst verlockend
und lehrreich, diese neuesten Arbeiten mit den
älteren der nämlichen oder einer ähnlichen Gattung

zu vergleichen und zu untersuchen, ob und wie weit
der Maler den Zeichner beeinflussen konnte.

Zu diesen Künstlern, die durch den Krieg sozusagen
ihre Iugendgeliebte wiedergefunden und neu
schätzen gelernt haben, zählt in München, neben
Fritz Erler, pengeler u. a., auch Julius Diez. Man
erinnert sich, daß Diez in früheren Jahren einer
der Pauptzeichner der „Jugend" gewesen ist. Er
gehört mit Erler, Jank, Lichler, Georgi, Münzer
und noch einigen anderen zu jener kleinen Gruppe
ganz spezifisch Münchnerischer Künstler, die der
neuen Zeitschrift ihr besonderes, über jeder Kon-
vention stehendes Aussehen gegeben hat. Zumeist
waren die Diezschen Arbeiten Kompositionen ro-
mantisch-satirischer Art, teilweise illustrativen bzw.
dekorativen Eharakters; und man bewundert an
diesen glänzend gezeichneten, durch ihre Bizarrerie
und Strenge allerdings viele befremdenden Blät-
tern auch heute noch ihren Ideenreichtum, ihren
etwas mittelalterlich-derben, aber urgesunden pu-
mor und ihre meisterliche Raumdisposition, ver-
schiedene von ihnen wirken trotz den vielen Jahren,
die seit ihrer Entstehung vergangen sind, auch heute
noch zeitgemäß, und selbst unter den nicht sehr
zahlreichen politischen Karikaturen ist kaum ein
Blatt, das (wie es bei solchen Arbeiten die Regel

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rinnst und yandwerk. 66. Iahrg. tzeft 1.
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