Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 66.1915-1916

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3n der Gesamtausschuß-Sihung vom 24. November \9;5
wurden ausgenommen:

pisetta Anton, Kunst- und Möbelschreinerei, München,
Theresienstraße Nr. 2g.

2. Weigl Karl, Fabrikation von Beleuchtungskörpern, Mün-
chen, Maximiliansplatz (4.

3. Rückert Gtto, Maler und Lehrer an der Gewerbe-Zeichen-
und Modellierschule, Würzburg, Maxstraße Nr. 2.

4. wilm Hubert, Maler und Graphiker, München, winthir-
straße \3.

5. Bruckmann Peter, fjofrat, kandtagsabgeordneter, I. Vor-
sitzender des Deutschen Werkbunds, Heilbronn a. N.

6. Mühlthaler Eduard, Graph. Kunstanstalts-Besitzer, Mün-
chen, Schönfeldstraße Nr.

7. Klein Richard, Maler und Bildhauer, München, Sieg-
friedstraße 23.

8. Dasio Ludwig, Bildhauer, Kgl. Professor, München,
Rüthlingstraße 2; Atelier: Schillerstraße 26/o.

9. Mattes Georg, Bildhauer, München, Theresienstraße
Nr. 34.

zc>. Rötgers Friedrich Wilhelm, Architekt, Dipl.-Ing., Mün-
chen, Max-Joseph-Straße Nr. 4/1.

U- vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk,
A.-G., München, Ridlerstraße.

Eröfsnungsabend Dienstag, den 9. November. Der
Vorsitzende Prof, Bönig begrüßte die zahlreich erschienenen
Mitglieder. In seinen Ausführungen wies er auf den Ernst
der Zeit hin, in der auch für uns gelte „durchzuhalten".
Für den Verein und seine Mitglieder liege Grund genug vor,
mit Kraft und Energie an die Vereinsaufgaben heranzutreten,
damit es mit vereinten Kräften gelinge, dem Verein nach
dem Kriege den ihm gebührenden Platz an der Sonne zu
erhalten. Das Vortragsthema des Abends hieß: Bayerische
Städtebilder von Dr. Hans Karlinger. was der Vortragende
bot, war mehr als ein freundlicher Lichtbilderabend, was sich
da vor unseren Augen entwickelte, stand in engster Verbin-
dung mit künstlerischen Problemen und kunstgeschichtlicher
Forschung. Gbwohl der Vortragende zumeist Bilder aus den
fast allen bekannten Städten Augsburg, Nürnberg, würzburg,
Straubing, Landshut, Wasserburg a. I., Regensburg, passau
zeigte, bot er doch durchaus Neues; zum Teil höchst malerische,
aber noch mehr architektonisch lehrreiche Ansichten. Der Vor-
tragende ließ schon aus der Wahl der Motive und Ansichten
seine Absichten erkennen, auf bestimmte Merkmale geschicht-
licher Entwicklungen, auf Darlegung gewachsener und gewor-
dener Formen, wie auf lokale Eigentümlichkeiten und den
volkstümlichen Charakter einzelner Städtebilder hinzuweisen.
Seine historisch und kulturhistorisch gerichtete Betrachtungsweise
erhielt noch einen besonderen Reiz und erfrischende Aktualität
durch Heranziehung interessanter städtebaulicher Fragen;
allerdings immer unter Betonung der Relativität dieses aller-
jüngsten kunstgeschichtlichen Problems.

Das reiche positive wissen und der feine ästhetische Kritizismus
des Vortragenden boten von diesem Thema so viele inhaltlich
wertvolle Seiten dar, daß der Fachmann davon sogleich an-
geregt wurde, verschiedenen dieser Fragen nachzugehen; den
Freund und Liebhaber schöner Städtebilder aber mußte die
Lust anwandeln, all diese Schönheiten auch einmal in Wirk-
lichkeit aufzusuchen. Der Vortrag hat sicher vielen genug An-
regungen und Freude bereitet. A. H.

Am 23. November sprach Prof. Dr. Lucian Scherman über
Altchinesische Plastik. Die Materie, die manchem viel-
leicht fernliegend scheinen mochte, gewann ganz besonderes
Interesse dadurch, daß der Vortragende in den Mittelpunkt
seiner Ausführungen den Besitz unseres Münchener Ethno-
graphischen Museums stellte und ihn durch Heranziehung von
vergleichen mit bemerkenswerten Parallelstücken, mit den
Ergebnissen der einschlägigen Literatur und namentlich der
neueren französischen Forschung dem Verständnis seiner Zu-
hörerschaft näher rückte. Der Vortragende begann mit einem
Überhlick über die Kunst der Han-Zeit, welche die Periode
200 Jahre vor und 200 Jahre nach Ehristus beherrscht, und
wies auf die Unterschiede der vorhergegangenen Zeit hin,
deren Beschränkung auf geometrische Muster und strenge

Stilisierung in charakteristischen Lichtbildern klar zutage trat.
Es folgte sodann eine besondere Besprechung der Grabfunde
aus der Ban-Zeit, zu deren besserem Verständnis einige Be-
merkungen über den Totenkult der Chinesen vorausgeschickt
wurden. Die Ban-Grabfunde sind vorzugsweise keramischer
Art, die im Münchner Museum durch eine von dem Lhina-
reisenden Herrn Schoede geschenkte Sammlung gut vertreten
sind, dann auch Metallgegenstände und Steinschnitzereien,
von denen die berühmtesten Stücke aus den durch Läufer für
das Museum in Chicago besorgten Sammlungen gezeigt wurden.
Diese Kleinkunst wird auch noch in der Tang-Zeit (7. bis 40.Jahr-
hundert nach Christus) gepflegt, Hier treten die Vasen in den
Hintergrund, dafür sind um so mehr Menschen- und Tier-
figuren gefunden worden, die in hervorragender Meisterschaft
geformt sind. Die tanagraartigen Mädchengestalten, die ge-
rüsteten Grabwächter, die prächtig modellierten Kamele und
Gäule sind Neuerwerbungen der Sammlung. Zwischen die Han-
und Tang-Zeit setzt der Vortragende die überaus merkwürdigen
Tonköpfe, die der fachkundige amerikanische Missionär Torrance
aus dem südwestlichen China nebst anderen wichtigen, von
ihm gemachten Grabfunden an das Münchener Ethnographische
Museum qesandt hat. Dieser bürgerlichen Kunst gegenüber
hebt sich die buddhistische Kunst mit ihren mehr repräsentativen
religiösen, großenteils monumentalen Zwecken scharf ab. Die
Verpflanzung des Buddhismus auf chinesischen Boden reicht
nach neueren Untersuchungen <D. Frankes bis ins 2. vorchrist-
liche Jahrhundert zurück, ikonographisch aber scheint er die
chinesische Kunst nicht vor dem 4. bis 5. Jahrhundert n. Lhr.
durchdrungen zu haben. Das älteste, was uns von chinesisch-
buddhistischen Kunstdenkmälern erhalten ist, sind die Skulpturen
in den während des s. Jahrhunderts bearbeiteten Felsgrotten
von pün-kang bei Tatong fu im Norden der Provinz Shan-si.
Hier lag die Hauptstadt der aus der Mandschurei eingewan-
derten nördlichen Wei-Dynastie, deren politisches wirken sich
bis nach Zentralasien erstreckte — in der Richtung nach Gst-
Turkestan, wo die aus der nordwestindischen Grenzprovinz
Gandhara stammende gräkobuddhistische Kunst zu üppiger Ent-
faltung gekommen war. So erhält China, wahrscheinlich unter
der tätigen Mitwirkung fremdländischer Künstler, über die
zentralasiatische Brücke einen ganzen Kultapparat: in altindische
Zeiten zurückreichende (damals durchaus nicht ausschließlich
buddhistische) Höhlentempelanlagen, das vom Hellenismus ge-
schaffene Buddha-Bild und die von der nordbuddhistischen
Schule mit Vorliebe gepflegten Nebengötter. Zur Seite des
in indische Formen umgegossenen spätantiken Gutes treten
merkwürdige klassische Überreste: der geflügelte Hut Merkurs,
der Dreizack Neptuns, der Thyrsos-Stab, die bacchische Wein-
traube usw.; im Vrnamentenschatz der Nischenumrahmungen,
in denen die Buddha-Figuren sitzen, begegnen Akanthus- und
Geisblattmotive, iortifd?e und korinthische Kapitale uff. Die
Tätigkeit der Bildhauerschule, die unter der Wei-Dynastie
so eifrig schafft, wird auch noch von den ersten Tang-
Herrschern weitergeführt, und so sind uns in den Grotten
von pün-kang und Long-men förmliche Kunstgalerien hinter-
lassen. Leider hat der Kunsthandel nur herausgerissene
Stücke aus diesem Gebiete in den verkehr und damit in die
Museen gebracht; eine wissenschaftlich methodische Einführung
aber ermöglichen die mit reichem Tafelmaterial belegten
Untersuchungen Chavannes'. Auf diese weise gewinnen wir
eine lebendiae Anschauung von dem herben, bisweilen geradezu
an die Gotik gemahnenden Stil einer Periode, die auch darum
näherer Betrachtung lohnt, weil sie die Formen der religiösen
Bildnerei, die sie aus Indien über Zentralasien übernommen
hatte, in größerer oder geringerer Treue nach Korea, Japan
und dem übrigen Bstasien weitergegeben hat.

Vorträge:

Dienstag den jz. Januar: Herr Gberstleutnant Jos. Bau-
mann, „Erinnerungen vom großen Kriege".
Dienstag den \8. Januar: Herr Gberstleutnant Jos. Bau-
mann, „Erinnerungen vom großen Kriege".
Dienstag den Februar: Herr Dr. Dirr, „Land und
Leute im Kaukasus".

Dienstag den {5. Februar: Herr Prof. Dr. Halm, Thema
unbestimmt.

Dienstag den 29. Februar: Herr Dr. L. Grazl, „Zwei in-
dische Fürstenstädte: Biyapnr und Ahmedabad".

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Percmtro. Redakteur (ausgenommen Anzeigeteil)- Alexander heiliueyer. — herausgegeben vom Baser. Annstgewerbeverein. — Druck und Verlag

von R. CD 1i> pii b 0 u nj, München.
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