Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 66.1915-1916

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im Verein verschiedene organisatorische Bestrebungen
bemerkbar. Im besonderen bemühte sich damals
der Verein um eine bessere Vertretung des Mün-
chener Kunstgewerbes auf den jährlichen Münchener
Runstausstellungen. Liner Anregung des höchst-
seligen Prinz-Regenten Luitpold folgend, unternahm
der verein Schritte, einen Teil des Glaspalastes
für eine ständige Beteiligung des Runstgewerbes
an den Iahresausstellungen zu gewinnen. Der
verein wandte sich an namhafte Rünstler zur
Erlangung von Plänen und Vorschlägen für eine
Runstgewerbeschau im Glaspalast. In der am
26. Juni \o>02 einberufenen außerordentlichen Ge-
neralversammlung fand das von Wilhelm Bertsch
ausgearbeitete Projekt allgemeine Anerkennung.

Bertsch gab dazu Erläuterungen, die sich als prin-
zipielle Grundsätze richtunggebend für spätere Aus-
stellungen erwiesen. Bertsch sprach schon damals
die Ansicht aus: „daß bei einer Ausstellung mehr
auf die Güte als auf den Umfang zu sehen sei —,
daß Räume und Gegenstände in der Beleuchtung
und Gestalt vorgeführt werden sollen, wie sie im
täglichen Leben erscheinen." Lr bekundete einen
durchaus richtigen und scharfen Blick für unsere
besondere Ligenart, als er sagte: „Münchens Be-
deutung in raumschmückender und raumgestaltender
Kunst liegt in der harmonischen Verbindung von
Kunst und Leben."

Seine Berichte über die Türmer Ausstellung (stOS
und über die Ausstellung in Düsseldorf (903 sind
reich an trefflichen Beobachtungen über das moderne
Ausstellungswesen, so daß ihm für seine spätere
Tätigkeit auf diesem Gebiete vielfache Erfahrungen
zu Gebote standen.

Der öaperische Runstgewerbevecein und üas
Deutsche Warenbuch

Der Bayerische Kunstgewerbeverein hat laut Ausschußbeschluß
zum Deutschen Marenbuch, herausgegeben von der Dürerbund-
Merkbund - Genossenschaft, in folgender Erklärung Stellung
genommen:

Der Bayerische Kunstgewerbe-Verein hält sich ver-
pflichtet, zu dem von der Dürerbund-Werkbund-
genossenschaft, Hellerau bei Dresden, herausgege-
benen „Deutschen Warenbuch" folgende Erklärung
abzugeben:

Der Bayerische Kunstgewerbe-Verein in München
unterschätzt in keiner weise die Tätigkeit und Ziele
des Deutschen Werkbundes, anerkennt vielmehr im
vollsten Maße seine idealen Bemühungen zur He-

wenn schon die (904 geplante Kunstgewerhe-
ausstellung im Glaspalast an dem widerstand der
Künstlergenossenschaft scheiterte und so Bertschs
Pläne nicht ausgeführt werden konnten, so fand
er doch anläßlich der Nürnberger Landesausstellung
(906 Gelegenheit, sich als Ausstellungsarchitekt zu
betätigen.

Als solcher schuf er das Kunstgewerbehaus mit dem
Vorgarten, das eine Gruppe Münchener Künstler
und Kunsthandwerker beherbergte. Auch der Ent-
wurf zum Repräsentationssaal dieses Hauses
stammte von Bertsch.

In großzügigerer weise konnte er aber seine Ideen
und Pläne erst bei Aufstellung des Programmes
zu der Münchener Ausstellung (908 entwickeln.
Die Grundlinien dieses Programmes sind auf die
Vorarbeiten von w. Bertsch zurückzuführen. Sie
entstanden größtenteils in den Vereinsberatungen
zur späteren Ausstellungsorganisation.

Mit dieser seiner organisatorischen Tätigkeit im
Kunstgewerbeverein und im Münchener Ausstel-
lungswesen hat das wirken und Schaffen von
Wilhelm Bertsch in den Jahren (906, (908 und
(9(2 eine besondere Bedeutsamkeit für die Ent-
faltung des Münchener Kunstgewerbes gewonnen.
(Am künstlerisch wirksamsten wohl auf der Aus-
stellung München ryos.) Und wie das Münchener
Kunstgewerbe im allgemeinen, verdankt ihm der
Bayerische Kunstgewerbeverein im besonderen als
einem Berater und Führer vielfache Anregungen
und Förderungen seiner idealen wie wirtschaftlichen
Interessen. Und dieses ideale wirken sichert Wil-
helm Bertsch in den Annalen des Vereins ein
dauerndes, ehrenvolles Andenken. A. H.

bung des allgemeinen Geschmackes, wenn er sich
trotzdem veranlaßt sieht, zu dem Deutschen Waren-
buch Stellung zu nehmen, so geschieht das aus
folgenden Erwägungen.

Der begleitende Text im Deutschen Warenbuch be-
tont, daß es sich bei der Vorführung der abgebil-
deten waren nur um Massenerzeugnisse, keines-
wegs um kunstgewerbliche Gegenstände handle.
Line Durchsicht des Warenbuches beweist, daß dies
nicht der Fall ist. Da natürliche Grenzen zwischen
Kunstgewerbe und Industrie weder vorhanden sind
noch ohne Zwang künstlich hergestellt werden kön-
nen, so kann kein solches Unternehmen durchgeführt
werden, ohne zugleich das Kunstgewerbe zu be-
rühren.
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