Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 66.1915-1916

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Zur Ausstellung „Zrauenluxus von Einst"

von Eva Gräfin von Sauäiffin

Uber die Wirkung, der Öffentlichkeit gesammelte
Kunstschätze zugänglich zu machen, ist man sich be-
reits im Altertum klar geworden. Der glückliche
Besitzer des farnesischen Stieres und anderer köst-
licher Werke, Asinius Pollio, der zur Zeit des Kaisers
Augustus in Rom lebte, war der erste, dessen Altru-
ismus genug entwickelt war, um nicht nach auch
heute noch beliebter Sammlerart das Erworbene
vor profanen Blicken zu verstecken. Er war es^auch,
der zur Errichtung der ersten öffentlichen Bibliothek
beisteuerte und sie dadurch ermöglichte. Die künst-
lerische Bedeutung wie die erzieherische Wirkung
öffentlicher Sammlungen ist unbestritten. Daneben
darf aber auch der wert der Privatsammlungen nicht
unterschätzt werden. Ihnen verdanken wir seit Jahr-
tausenden, denn schon die Despoten des Orients
haben gesammelt, die Erhaltung zahlreicher seiner
Kunstwerke jeder Art. was sich da im Laufe
der Zeiten und in allen Ländern im Privatbesitz auf-
gespeichert hat, ist von unendlichem kulturellen
wert. Denn gerade an besonderen Kunstdingen,
wie an kunstgewerblichen Erzeugnissen lassen sich
der Geschmack und der Stil einer Epoche gut er-
kennen. „Glücklich", sagte der verstorbene Professor
Lichtwark in Hamburg, der seiner schönen Vater-
stadt zu einem neuen großen Aufschwung in künst-
lerischer Beziehung verholfen hat, „ist nur der, der
eine Liebhaberei hat." Das Wort ist gewiß wahr;
aber es wäre schön, könnte man immer hinzufügen:
„Der wird auch seine Umgebung glücklich machen,
indem er sie an seinem Besitz teilnehmen läßt."
Zu oft aber setzt der Sammler voraus, daß die
Mitwelt nicht die richtige Würdigung für seine
Schätze besitzt; und eh' er sie vor teilnahms-
losen Augen ausstellt, verschließt er sie lieber.
Und doch kann einen ästhetisch empfindenden
Menschen nichts mehr entzücken, als eine mit
Liebe und Ausdauer zusammengetragene Samm-
lung, die in jedem Stück Verständnis aufweist. Da
kommt es durchaus nicht auf den materiellen
wert der Dinge an, sondern rein auf ihren künst-
lerischen.

Was in dieser Hinsicht sich an pietätvollem Interesse
in Münchener Familien vorfindet, das zu zeigen
war das Ziel der Ausstellung „Frauenluxus von
Einst". Um die zarten, kleinen, oft zerbrechlichen
Dinge, die Frauensinn entzücken mnd oft selbst von

Frauenhänden hergestellt sind, handelte es sich.
Manchem mag auf den ersten Blick die Ausstellung
zu klein im Umfang vorgekommen sein, womit er
ihren Zweck verkannt hatte. Denn dieser sollte ge-
rade darin bestehen, Gelegenheit zu geben, sich
liebevoll in diese speziellen Frauensachen der ver-
schiedensten Epochen zu vertiefen. Nicht durch
die Menge, allein durch die (Qualität wollte die
Ausstellung wirken. Sorgsamst ist das ausgesucht
worden, was das Typische jeder Zeit in Spitzen-
näherei und -klöppelet war, in Goldschmiedarbeit,
in feinen Handarbeiten, in Kostümen, in Fächern,
Dosen, Nippes und diesem Tausenderlei, das eine
Frau umgibt und das von ihrem Wesen annimmt
und noch nach Jahrhunderten den Reiz des Per-
sönlichen bewahrt. So konnte man in dem schönen,
von Kommerzienrat Helbing zur Verfügung ge-
stellten Raum stundenlang weilen, ohne die ge-
ringste Ermüdung zu fühlen, die den Lintretenden
sonst auf Ausstellungen schon angesichts der un-
übersehbaren Menge der aufgestapelten Dinge
überfällt und seine Aufnahmefähigkeit von vorn-
herein lähmt, vor diesen Vitrinen wurde das
Anschauen zum Genuß, die liebevolle Zusammen-
stellung vertiefte das Verständnis und hat gewiß
manchen Besucher auch zum Sammeln angeregt!
Nicht nur der materielle, sondern gerade auch der
ideelle Erfolg der Ausstellung hat bewiesen, wie
sehr man mit dieser Art und dem Umfang der
Ausstellung auf dem rechten Wege war. Nicht die
Anhäufung von Dingen, ihre Auswahl, ferner
die Beschränkung auf ein bestimmtes Gebiet sollte
das Ziel jeder Ausstellung werden. Nur dann
kann sie ihren Zweck erreichen: dem Publikum einen
ästhetischen Genuß zu bereiten und durch die An-
schauung, diesem höchsten und feinsten Lehrmittel,
unbewußt erzieherisch zu wirken, wer eine Aus-
stellung wie die des „Frauenluxus von Linst" ohne
das übliche Vorurteil gegen derlei Veranstaltungen
besucht hat, wird jedenfalls für die nächste Zeit —
wenn nicht für immer — den Geschmack an billiger
Fabrikware verloren haben und sich bedenken, ehe
er sich einen Plunder zulegt, ob er nicht lieber
warten und sparen soll, bis sein Geld zu einem
besseren Einkauf reicht.

Und da zwischen materiell wertvolles auch soviel
Dinge gestellt waren, die nur durch ihre Form,

Aunst und Handwerk. 66. Jahrg. Heft 9.

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