Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 71.1921

Seite: 32
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von Kunst und Handwerk gelangen zu lassen, damit eine
gründliche und aufklärende Behandlung des so wichtigen
Themas im Rahmen unserer Zeitschrift erfolgen kann.

In diesem Zusammenhang geben wir folgender Zuschrift
Raum:

Es ist erfreulich wahrzunehmen, wie allerorts im Lande
künstlerisch ausgeführte Kriegerdenkmäler, da in beschei-
dener, dort in pompöser Ausführung errichtet werden. So
rüstet sich gegenwärtig auch Edelstetten in Schwaben,
seine gefallenen Helden zu ehren. Und da auch der dortige
Gutsherr Fürst Esterhazy einen namhaften Beitrag zugesagt
hat, so wird hier ein Monument größeren Stiles erstehen.
Und doch hat sich erst ein einziger Bildhauer für die Sache
interessiert. Es dienen vielleicht diese Zeilen zur Aufmun-
terung für eine weitere Beteiligung.

Die Deutsche Gewerbeschau 1922 findet bei der Industrie
und den Gewerbetreibenden allseits Interesse. Sie sind in
richtiger Auffassung und Würdigung der Ziele der Deut-
schen Gewerbeschau vielfach bestrebt, ihre Erzeugnisse
durch Künstler überarbeiten und sich von diesen beraten
zu lassen. Es ist deshalb dringend notwendig, daß sich die
Künstler zur Mitarbeit in größtmöglichstem Umfang bereit-
erklären und sich melden. Abgesehen von der künstleri-
schen Betätigungsmöglichkeit eröffnet sich für viele eine
gute Einnahmequelle. Der Münchner Bund, dem die Ver-
mittlung von Entwürfen an Industrie und Gewerbetreibende
und die allgemeine künstlerische Beratung hinsichtlich der
Ausstellungsgegenstände von der Gewerbeschau übertragen
worden ist, bittet daher alle Künstler, die in diesem Sinne
mitarbeiten wollen, sich auf der Geschäftsstelle des Münch-
ner Bundes, Briennerstr. 55/11, zu melden, wo auch eine
Liste der Gegenstände aufliegt, die für die Gewerbeschau
in Betracht kommen und von Künstlern in Zeichnungen
und Modellen bearbeitet werden sollen. Schon vorhandene
Entwürfe, Modelle, Musterzeichnungen, Skizzen werden gern
dort entgegengenommen und nach Prüfung an Industrielle
und Gewerbebetreibende vermittelt.

Reformen der staatlichen Kunstanstalten in Bayern. Der
Arbeitsausschuß bildender Künstler Münchens hat, um eine
Entscheidung der Gesamtkünstlerschaft über obige Fragen
herbeizuführen, eine Sitzung abgehalten, zu der Vertreter
der Fachverbände der Architekten, Maler, Bildhauer und
Graphiker, der Akademie, der bildenden Künste, der Neuen
Sezession, des Münchner Bundes und des Kunstgewerbe-
vereins, ferner der Stadtschulrat mit Vertretern des Schul-
rates der Fachschulen, Vertreter der Gewerbeschulen und
des freien Flandwerks anwesend waren. In dieser Sitzung
wurde folgender Beschluß einstimmig gefaßt: Es solle an
die Staatsregierung das dringende Ersuchen gestellt werden,
möglichst bald zur Verwirklichung der ihr zugegangenen
Leitsätze zu schreiten und besonders folgende drei Haupt-
punkte zur Ausführung zu bringen: 1. Schaffung eines
Senates im Sinne der Leitsätze, mit diesem 2. Ausbau
der Fachschulen im Sinne der Leitsätze, 3. Überführung
der in den Leitsätzen bezeichneten Fächer der Kunst-
gewerbeschule an die Hochschule für bildende Kunst.

Unter dem Namen Münchner Kunsthort ist jüngst in
München ein Unternehmen gegründet, das vielleicht eine
große Bedeutung für die Regulierung des privaten Kunst-

besitzes in seinem Verhältnis zum Handel gewinnen kann,
namentlich dann, wenn es in den Bahnen weiterwandelt,
die ihm bei seiner Gründung vorgezeichnet wurden.

Der „Münchner Kunsthort" verfolgt gemeinnützige
Zwecke bei Verwertung von Kunstbesitz besonders aus
den Kreisen des schwerleidenden Mittelstandes. Er nimmt
Kunstwerke in Kommissionsverkauf unter Garantie einer
bestimmten Minimalsumme; wird ein höherer Verkaufs-
preis erzielt, so erhält der Besitzer den Mehrerlös. Außer-
dem werden bei momentaner Notlage Darlehen auf Kunst-
besitz gewährt, wenn dadurch alte Familienstücke erhalten
werden können. Die Schätzungen der eingelieferten Kunst-
werke werden durch eine Kommission von Wissenschaft-
lern, Fachleuten und Sammlern vorgenommen. Tatsäch-
licher Überschuß wird zur Förderung von Kunst und Unter-
stützung von Künstlern verwendet. Die vor kurzem er-
öffnete erste Ausstellung des Institutes zeigte, wie sehr
sich der private Kunstbesitz für die Einrichtung inter-
essiert. Es sind eine große Anzahl trefflicher Werke zu-
sammengestellt, sehr schöne Möbel, Teppiche, gotische Holz-
figuren, Gemälde, Porzellane, Fayencen, Miniaturen,Schmuck
usw., die des Käufers harren. In der Zwischenzeit haben
sich schöne und wertvolle Zugänge eingestellt, die eine
Reihe neuer interessanter Ausstellungen ermöglichten. —
In dieser Angelegenheit hat das Bayerische Kultusministe-
rium an die Behörden nachfolgende Mitteilung ergehen
lassen: Unter Bezugnahme auf die Ministerialbekannt-
machung vom 19. Januar 1921 wird bekanntgegeben, daß
sich in München eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung
unter der Firma „Münchner Kunsthort", Institut zur Ver-
wertung und Begutachtung von Kunstbesitz, G. m. b. H.,
gebildet hat, die als unparteiische Beratungsstelle bei der
Verwertung von Kunst- und Altertumsbesitz in Anspruch
genommen werden kann. Der Münchner Kunsthort arbeitet
ohne die Absicht einer Gewinnerzielung. Die Gemeinnützig-
keit des Unternehmens ist in den Satzungen festgelegt und
wird durch ein Kuratorium gewährleistet. Die Geschäfts-
stelle befindet sich in München, Neuhauserstr. 51 (Alte
Akademie).

Bernhard Pankok, Direktor der Stuttgarter Kunst-
gewerbeschule, wird an der Akademischen Hochschule für
die Bildenden Künste in Berlin eine Professur übernehmen,
und zwar eine neu einzurichtende Abteilung für Theater-
malerei, die der Heranbildung von Künstlern für die Deko-
ration und Inszenierung von Bühnenwerken dienen soll,
und gleichzeitig eine Malklasse an der Hochschule leiten.

Peter Behrens ist von der preußischen Unterrichts-
verwaltung als Professor der Architektur an die Kunst-
akademie in Düsseldorf berufen worden.

Bernhard Halbreiter, der Münchner Bildhauer, erhielt
einen Auftrag als außerordentlicher Professor für Plastik
nach Aachen.

Wettbewerb zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für
Gründerurkunden und Postkarten. Der Deutsche Kultur-
verband in Prag 2, Katharinengasse 40, schreibt einen
Wettbewerb aus zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für
a) Gründerurkunden und b) Postkarten. Ablieferungs-
termin 31. Juli 1921. Näheres beim Deutschen Kultur-
verband in Prag.

Die Klischees zu den Abbildungen dieses Heftes lieferten die Firmen Zerreiss & Co. in Nürnberg und Meisenbacli, Riffarth & Co. in München

Schriftleiter: Prof. Dr. Jos. Ludwig Fischer - Herausgegeben vom Bayerischen Kunstgewerbeverein — Verlegt bei Georg W. Dietrich
Für die Anzeigen verantwortlich: F. C. Mayer — Druck von R. Oldenbourg — alle in München
Copyright: 1921 by Georg W.Dietrich

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