Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 71.1921

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bedenkenfreien Vortrabs, dem das Gros, nur sehr
zögernd in weiten Abstand und jeden Schritt neu
abtastend, auf die von vielen Zerklüftungen ge-
fährdete Höhe der Entwicklung folgt. Wie sich
die beiden Kräfte auf die Ausstellung verteilen,
wird bei der Besprechung des einzelnen zu würdigen
sein; in diesem Zusammenhang soll nur betont
werden, daß wir darin eine starke Gewähr für die
gediegene und ununterbrochene Weiterentwicklung
des Münchener Kunstgewerbes erblicken. Fast alle
kunstgewerblichen Gebiete sind in der Ausstellung
vertreten, bunt untereinander gemischt, vieles
bringend, daher jedem etwas bringend. Man ge-
wahrt einzelne Lieblingsmotive der Zeit, so die
Freude an Tiermotivik. Unter den Edelmetallen
herrscht begreiflicherweise fast ausschließlich das

weichen, diskreten, duftigen Ton, der auch bei der
Verwendung des Königs der Metalle, des Goldes,
geschätzt ist. Und es erscheint nicht ohne treffen-
de Charakteristik, daß jene Kreise, die ihre Ge-
winne in „Goldwerten", z. B. sehr schweren Zigar-
renetuis anlegen, diese in hellem Glanz erstrahlen
lassen, so laut und bezeichnend, wie eben der
„Geschmack" solcher Leute ist.

Bei der Knappheit des Raums und der ihr gegen-
überstehenden Fülle des Ausgestellten können nur
die charakteristischen Eigenheiten genannt werden,
um die einzig mögliche Art einer Skizze und Über-
sicht nicht zu stören, vielmehr durch eine solche
zum eingehenden Studium und Besuch anzuregen.
Das reich verarbeitete Gebrauchssilber erscheint
als veredelte Anlehnung an bewährte Formen und

KÄTHl FILCHNER, München

Tüllstickerei

Silber, und zwar als Gebrauchssilber wie als
Schmucksilber. Was das erstere betrifft, so ist die
gehämmerte Oberfläche bevorzugt. Sie erzeugt den
in den letzten Jahren besonders beliebten mattierten,

Stile und deren Umempfindung und Umgießung
in die Gegenwart, wie eingangs schon angedeutet
wurde. Unter ganzen Servicen sei auf die schön
ausgeglichenen Formen Theodor Heidens und auf

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