Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 71.1921

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Sonderausstellungen veranstalteten wir 10, und zwar
von folgenden Künstlern und Handwerkern: Jäger,
Anderson, de Bouche, Zöller, Zettler, Franz Mayer,
Schnitzlein, Mayer-Fassold, Knappe und die Münchner
Werkstätten.

Die Vereinstätigkeit sowohl als die Verkäufe und Ver-
mittlungen sowie die Sitzungen bedingen einen großen
Schriftwechsel und Versand. Auch hier zeigt die Statistik
am besten, welche Fülle von Arbeit im Bayerischen Kunst-
gewerbeverein geleistet wird. Es wurden im ganzen im
Jahr 1920 über 17000 Briefe, Karten und Drucksachen
versandt. Hierbei sind jedoch die von der Post direkt
versandten Zeitschriften nicht miteingerechnet. Hierzu
kommen noch 900 Post- und Bahnsendungen.

In der Halle waren 425 Aussteller an den Verkäufen
mit 4639 Gegenständen beteiligt. Eingebracht wurden im
Laufe des Jahres über 10000 Arbeiten. In 16 Sitzungen
wurden gegen 5000 Gegenstände juriert und zirka 1500
der eingebrachten Arbeiten abgelehnt.

Die Geschäfte des Vereins wurden in folgenden Sitzungen
erledigt: Es fanden statt: 8 Sitzungen des Hauptaus-
schusses,]! 9 Sitzungen der engeren Vorstandschaft, 3 Sitzun-
gen in Messefragen, 2 Mitgliederversammlungen, 2 Sitzun-
gen von Fachgruppen, 1 außerordentliche Hauptversamm-
lung, 40 Sitzungen und Besprechungen des Qeschäfts-
führenden Vorstandes, 2 Sitzungen der Redaktionskommis-
sionen, 16 Sitzungen der Aufnahmekommission, 7 Sitzun-
gen in Sachen Berufsberatung und Lehrlingswesen, hierzu
kommen noch zahlreiche Besprechungen der Vorstand-
schaft.

Außerhalb des Vereins war der Kunstgewerbeverein
beteiligt in 5 Sitzungen des Kunstgewerberates, in zirka
24 Sitzungen der Gewerbeschau, in 3 Sitzungen des
Künstlerrates für Schulwesen, in 5 Sitzungen des Stadt-
rates für Fachschulwesen, in 4 Sitzungen des Arbeitsaus-
schusses für die Leipziger Messe, in 3 Sitzungen Luxus-
steuer betreffend, , in 2 Sitzungen der Treuhag-Süd, in
3 Sitzungen des Kuratoriums der Dannerstiftung, in 4 Sitzun-
gen des Arbeitsausschusses der bildenden Künstler, in
9 Sitzungen der Musterschau, in 11 Sitzungen des Verbandes
der Messeinteressenten des Handelskammerbezirkes Mün-
chen und in 5 Sitzungen der Außenhandelsstelle des Reichs-
wirtschaftsministeriums. Außerdem waren Vertreter des
Vereins zu Sitzungen in der Handelskammer, im Handels-
und Kultusministerium bestimmt. In 2 Fällen wurden
Versammlungen auswärts besucht. Insgesamt erreicht die
Zahl der Sitzungen die stattliche Summe von nahezu
150, so daß auf jede Woche drei Sitzungen durch-
schnittlich treffen. In all diesen Sitzungen wurden wich-
tige Themata, die das Wohl und Wehe des Kunstgewerbes
berühren, besprochen. Es wurde Stellung genommen zur
Finanzgebarung, zur Errichtung der Musterschau, zur Er-
richtung von Filialen, zu Beschickung von Messen, Be-
handlung einer Denkschrift, Lehrlingsprüfung und Lehrlings-
wesen, Berufsberatung, Gewerbeschau, Zeitschrift, Halle,
Ausstellungen und Personalien. Besondere Arbeit brachte
die Neufassung der Satzung mit sich. Von großer Wich-
tigkeit waren besonders die Tagungen des Kunstgewerbe-
rates, die sich mit dem Lehrlings-, dem Schulwesen und
dem Ministerialerlaß über die staatlichen Lehrwerkstätten
befaßten- Ein weiteres Thema vieler Sitzungen war die
Luxus- bzw- die erhöhte Umsatzsteuer. Leider waren die

Eingaben des Vereins und diejenigen, die gemeinsam mit
dem Münchner Bund an das Reichswirtschaftsministerium
gesandt wurden, ohne Erfolg, trotzdem die Schädlichkeit
dieses Gesetzes gerade für unser Kunsthandwerk von allen
Einsichtigen längst erkannt ist. Im Verband der Messe-
interessenten des Handelskammerbezirkes München wurde
zum Projekt des Münchner Hauses Stellung genommen.
Die Erbauung eines Münchner Hauses in Leipzig in einer
der besten Lage wäre wohl das Ideal für alle Münchner
Aussteller, soweit sie Arbeiten bringen, die dem Namen
München als Kunststadt von Nutzen sind. Sollte das
Projekt infolge verschiedener Schwierigkeiten nicht zu-
stande kommen, so hat die Münchner Ausstellerschaft eine
Gelegenheit versäumt, die nie wieder kommen wird. Zu den
sachlichen Schwierigkeiten treten allerdings auch solche
ideeller Natur dazu. Doch wären letztere bei gutem
Willen und Zusammenarbeiten zu überwinden. Es ist ja
selbstverständlich, daß kunstgewerblicher Kitsch in
einem solch repräsentativen Haus nicht Platz finden
darf, denn nur das beste Kunsthandwerk ist gut genug
für ein Haus in Leipzig, das den Namen »Münchner Haus<
trägt.

In Zusammenarbeit mit dem hiesigen Ausfuhramt wurden
von uns Ausfuhreingaben begutachtet.

In zahlreichen Fällen wurde das Sekretariat von Frage-
stellern und Besuchern aufgesucht und ergibt die Statistik,
daß durchschnittlich jeden Tag 10 Besucher ins Sekretariat
kamen. Ein Kapitel für sich bilden die vielen Anfragen
und Besuche von Angehörigen unserer alten deutschen
Armee, die sich dem Kunsthandwerk zuwenden wollen.
Wo wir konnten, haben wir auch hier mit Ratschlägen
geholfen.

Die Berufsberattmgsstelle wurde in 16 Fällen in An-
spruch genommen. Wir konnten hier teils geschickte junge
Leute in gute handwerkliche Betriebe unterbringen, teils
standen wir den Anfragenden mit Ratschlägen zur Seite.
In 15 Fällen erteilten wir Gutachten in das Kunstgewerbe
berührenden Angelegenheiten, und in zahlreichen Fällen
vermittelten wir Aufträge an Münchner Künstler und
Handwerker. Zum größten Teil auch an Nichtmitglieder,
weil der Verein als gemeinnütziger Verein sich verpflichtet
fühlt, überall zu helfen, wo ihm dies möglich ist. In den
Wintermonaten war der Saal und die Trinkstube nahezu
jeden Tag Vermietet oder vom Verein besetzt. Die Ver-
waltung dieser Räume brachte naturgemäß auch eine Fülle
von Arbeit mit sich. Zum Schluß seiner Ausführungen
richtete Dunn an alle Mitglieder das Ersuchen, den Baye-
rischen Kunstgewerbe-Verein in seinen Bestrebungen durch
Einsendung von guten handwerklichen Arbeiten zu unter-
stützen. Von Arbeiten, aus denen auch vor allem die hand-
werklicheGesinnung spricht. Denn es ist ja eine der vor-
nehmsten Aufgaben des Bayer. Kunstgewerbe-Vereins, die
handwerkliche Gesinnung hochzuhalten. Herr Hofgold-
schmied Heiden referierte dann noch noch kurz über die im
Jahr 1920 abgehaltenen Vereinsfeiern und Vorträge. Hier
sei vor allem erwähnt die Feier zu Ehren des Herrn Professors
Fritz von Miller und des Hofgoldschmiedes Rothmüller,
die Lehrlingsfeier sowie der Vortrag des Herrn Ober-
regierungsrates Professor Reidt über Korbflechterei. Außer-
dem fanden verschiedene gesellige Abende in der Trink-
stube statt. Bei der Ergänzungswahl zum Ausschuß wurden
mit überwältigender Mehrheit gewählt die Herren: Halm,

Kunst und Handwerk. Jahrg lg21 3. vierteljahrsheft 49
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