Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 72.1922

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DEUTSCHE GEWERBESCHAU.

Aus den Wochen der Vorbereitung.

BAYERISCHER KUNSTGEWERBE*VEREIN UND GEWERBESCHAU

Da uns nur wenige Tage von der Eröffnung der Deutschen
Gewerbeschau trennen, mag es nicht unangebracht sein, einen
Blick auf die Mitarbeit des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins
in der Zeit der Vorarbeiten zu werfen. Von der Stunde der
ersten vorbereitenden Sitzungen an, von dem Zeitpunkt da der
erste Ruf an den Verein erging, die in ihm gesammelten Kräfte
in den Dienst der großen Veranstaltung zu stellen, hat derBaye-
rische Kunstgewerbe - Verein all' seinen Einfluß geltend gemacht
um die Deutsche Gewerbeschau zu ermöglichen. Die ersten Be-
ratungen gehen fast zwei Jahre zurück und von diesem Zeitpunkt
an findet man führende Namen unseres Vereins in den Listen der
leitenden Männer der Gewerbeschau. Das Direktorium und der
Hauptausschuß der Gewerbeschau führt eine große Anzahl un-
serer Mitglieder, die aktiv in der Gewerbeschau tätig sind, an.

Wir erwähnen davon die Herren: Unseren Präsidenten General-
direktor Professor Dr. Ph. M. Halm, als III. Präsidenten der
Deutschen Gewerbeschau, Geheimrat, Justizrat Robert Maur-
meier als Justitiar, Josef Leipfinger, Kunstanstaltsbesitzer,
Georg Pezold, Professor und Bildhauer, Professor Friedrich
Reidt, Oberregierungsrat, Professor Heinrich D ü II, Else Jas»
kolla, Otto von La übe, Adolf vonMayrhofer, Karl Roth-
müll e r, Karl Schöttle, Eduard Steinicken, Oskar Zett-
ler, Josef G a u t s ch, Kommerzienrat, als II. Präsidenten, Gott-
lob W i Ihelm, Professor Eugen H ö nig, Martin B all i n, Aug.
Baumgärtner u. a. Aber mit dem Zeichnen Ihres Namens
'ießen sich fast alle diese Herren nicht genügen, sie haben auch
ratend an vielen Sitzungen teilgenommen und in Kommissions-
gruppen oft und oft getagt. Nicht nur die Vorstandsmitglieder,
sondern auch unsere gesamte Mitgliedschaft hat sich zu den Fragen
der Gewerbeschau eingehend befaßt, Vorträge in unserer Mitte,
Versammlungen einzelner Gruppen haben schon vor Jahresfrist
stattgefunden und eine Versammlung im August 1921 hat den
Wunsch klar zum Ausdruck gebracht, daß der Bayerische Kunst-
gewerbe-Verein geschlossen in Gruppen nach dem Material
getrennt und unter eigener Geschmacksberatung auf der Ge-

werbeschau vertreten sein wolle. Die Folge davon war, daß sich
die Mitglieder, die auf der Gewerbeschau auszustellen wünschten,
von vorneherein in Fachgruppen vereinigten, und daß bereits vor
dreiviertel Jahr damit begonnen wurde, Einzeichnungslisten auf-
zulegen und Versammlungen der einzelnen Gruppen abzuhalten.
Vom 1. März ab war eine weitere Propagandatätigkeit für die
Gewerbeschau von unseren Büros entwickelt, allen die sich zu-
erst eingezeichnet hatten, wurden die Anmeldeformulare mit den
nötigen Drucksachen zugesandt, gleichzeitig neue Gruppenver-
sammlungen abgehalten, durch Rücksprache mit den Herren der
Gewerbeschau in vielen Fragen Klarheit verschafft und den sich
immer zahlreicher einfindenden Interessenten während der ganzen
Bürostunden Auskünfte über die Ausstellungs - Möglichkeit er-
teilt. Viele Stunden gingen mit diesen Besprechungen, mit der
Entgegennahme von Stücken zur Jury, mit der Jurierung selbst
dahin. Schon nach der ersten Versendung der Anmeldeformulare
zeigte sich, daß weit über 100 Mitglieder im Rahmen des Baye-
rischen Kunstgewerbe-Vereins die Gewerbeschau beschicken woll-
ten und daß in vielen Fällen kaum der Platz bei der Gewerbe-
schau zur Verfügung stand, den wir nach den zahlreichen An-
meldungen hätten gebrauchen können. Mit aufklärenden Druck-
sachen wurde der mündlichen Beratung nachgeholfen. Um ein
Bild über das Ausstellungsmaterial zu bekommen, wurde der
27. März 1922 als der Einlieferungstermin für die Arbeiten oder
falls diese nicht fertig wären für Entwürfe und Skizzen bestimmt,
und von da ab sofort zur Jurierungsarbeit geschritten, in der sich
Herren unseres Vereins mit den Delegierten der Gewerbeschau
in zahlreichen Sitzungen, bei den verschiedene Materialgruppen
juriert wurden, teilen. Damit ist natürlich die Arbeit, die wir
als Sammelstelle der Gewerbeschau für unsere Mitglieder über-
nommen haben, nicht beendigt. Raumbeschaffung, gemeinsame
Raumausstattung fordern fort Beratungen, Gänge und Kosten, die
der Bayerische Kunstgewerbe-Verein gerne auf sich nimmt, in der
Hoffnung, daß er damit zum Gelingen des großen Unternehmens
beitragen kann.

DIE ERÖFFNUNG DER DEUTSCHEN GEWERBESCHAU MÜNCHEN 1922

An dem seit Monaten festgesetzten Termin, am 13. Mai vor-
mittags fand die feierliche Eröffnung der Deutschen Gewerbe-
schau in den Hallen des Münchener Ausstellungsparkes statt,
obwohl wie die meisten Ausstellungen auch diese noch weit von
der wirklichen Vollendung entfernt war. Immerhin konnte die
Halle I, die als großer Repräsentationsraum für Glas und Kera-
mik gedacht ist und durch Kunstmaler Rümelin mit Unterstüt-
zung der Professoren Theodor Fischer und R. Riemerschmid ganz
neu ausgestattet worden war, einen würdigen Rahmen zu der
feierlichen Eröffnung abgeben, die im Beisein aller Ministerien,
der gesamten Künstler- und Kaufmannschaft, der Vertretungen
von Handel, Gewerbe und der Aussteller abgehalten wurde.

Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten derGewerbe-
schau Professor Scharvogel, ergriff der bayerische Minister-
präsident Graf Lerchenfeld, das Wort und betonte die Zwecke
und Ziele der Ausstellung, die trotzdem gesamtdeutsch, doch auch
die bayerische Note allen Besuchern deutlich zeigen werde. Die
Gewerbeschau betone das Streben nach der guten Leistung, das
Sein stehe über dem Schein. Die Gewerbeschau sei eigentliche

Aufgabe des Gewerbes, nicht des Staates und der Regierung
Der Staat schaffe nur den Rahmen der Ordnung für die gewerb-
liche Erzeugung, er müsse vorbereiten, entwickeln, anregen,
mäßigen, ausgleichen : er könne das Erzeugnis weder organisieren
noch beherrschen.

Reichsminister des Innern Dr. Köster überbrachte die
Wünsche und Grüße der Reichsregierung. Langsam gehe es
im deutsehen Vaterlande wieder vorwärts, die deutsche Arbeit,
das deutsche Können sei unzerstörbar, unausrottbar und spot-
tend aller Ketten. Er kam im Laufe der Rede auf das Heimatliche,
Völkische, unbewußt Gewachsene zu sprechen, das in den deut-
schen Gauen erhalten bleiben müsse, bei aller Einheit, die sonst
zu wünschen sei. Nach ihm sprach noch Oberbürgermeister
Schmidt. Nach einigen musikalischen Darbietungen begann der
erste Rundgang, der nur durch die ersten drei Hallen führen
konnte, da die übrigen noch der Vollendung und Einrichtung
harren.

Ein künstlerisches Werturteil heute über die Gewerbeschau zu
fällen, ist nur als Impression möglich. Vor allem läßt sich der

Kunst- und Handwerk Jahrgg. 1922. 1. und 2. Viertcljahrsheft.

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