Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 72.1922

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die Erscheinung, wo die fabrikmäßige Herstellung es erfordert.
Auf jeder Jahresschau werden nur Werterzeugnisse gezeigt,-
durdi Veredelungsarbeit, in Form, Farbe und Ausführung allen
Ansprüchen der Gediegenheit, Zweckmäßigkeit und künstlerischen
Wirkung genügende, so hochstehende Erzeugnisse, daß auch das
Ausland sich dafür interessieren muß. Linter dem Namen
,.Deutsche Erden" wird die vom Juni bis September 1922
dauernde erste Ausstellung das weite Gebiet der deutschen
keramischen und Glaserzeugung umfassen, soweit diese für Ge«
brauchst, Kunst» und technische Zwecke Höchstleistungen her«
stellen. Die bemerkenswerten künstlerischen und technischen
Fortschritte, die die keramische Industrie und die Glasindustrie
in den letzten Jahren in Deutschland gemacht haben, bestimmten
die Jahresschau Deutscher Arbeit, diese Gewerbe zu Pionieren
ihrer Ausstellungsserien zu erwählen.

Neuorganisation der Frankfurter Kunstgewerbeschulei
In einer Denkschrift weist das Lehrerkollegium der Kunst«
gewerbeschule darauf hin, daß die durch den Krieg und den Geld«
mangel des Kunstgewerbevereins schwer geschädigte Schule, seit
sie städtisch geworden ist und eine kollegiale Schulleitung besitzt,
sich wieder zur früheren Höhe hinaufgearbeitet hat und jetzt eine
doppelt so große Schülerzahl als vor dem Kriege aufweist, ob«
gleich das Schulgeld ums Fünffache erhöht worden ist. Auch
könnten jetzt wieder tüchtige Schüler an Unternehmungen, die
auf dem Gebiete der angewandten Kunst vollwertige Kräfte
suchen, als solche abgegeben werden. Damit sei der Nachweis
von der Exaktheit der kollegialen Ve r w a 11 u n g der Schule
geliefert. Keiner der Lehrer, so heißt es weiter, strebt nach selbst«
herrischer Willkür, alle haben sich gegenseitig die strengste Dis«
ziplin auferlegt, um dem Ganzen zu dienen und die eigene Ab«
teilung in die Höhe zu bringen. Das zerfallende Institut sei in
zehn Monaten wieder in eine gesuchte Lehranstalt verwandelt
worden. Überflüssige Lehrgänge wurden beseitigt. Endlich wird
gesagt, daß das Lehrerkollegium einen von den städtischen Be»
hörden dauernd anzustellenden verwaltungstechnischen
Beigeordneten der Schule, der alle Bedürfnisse des Frank-
furter zielbewußten Kunstgewerbes kennt und mit ihm, sowie
mit der Großindustrie, der Finanzwelt und den städtischen Be«
hörden und Betrieben in engster Fühlung steht, mit Freuden be«
grüßen würde, doch müsse das Kollegium selber die künstlerische
Leitung behalten, damit jeder Lehrer seine eigene persönliche Ent*
faltung zu bewahren imstande sei, um schöpferisch auf die Jugend
einwirken zu können. Die aus dem Kollegium gewählte rektorale
Vertretung müsse kurzfristig sein. Die Schule brauche keine Re«
klame für ihren weiteren Aufbau, wenn sie die Mittel habe,
künftig nach und nach, je nach Erfordernis weitere Abteilungen
und Werkstätten zu errichten, und wenn sie vor allem Roh«
und Betriebs materialien für Arbeiten der Schüler erhielte,
für deren praktische Ausbildung sie unerläßlich seien. Dann
werde die Schule ihre von den besonderen Frankfurter Verhält«
nissen bestimmte Aufgabe erfüllen können. Vor allen außerhalb
dieses Zieles liegenden Experimenten sei dringend zu warnen.
(Eine in Manchem recht eigentümliche und lehrreiche Denkschrift.)

Wirtschaftskartell des sächsischen Kunstgewerbes. Durch
die gemeinschaftliche Förderungsarbeit der Landesstelle für Kunst«
gewerbe und der wirtschaftlichen Zentralstelle des sächsischen

Handwerks, des Submissionsamtes in Dresden, ist das Wirtschafts«
kartell des sächsischen Kunstgewerbes gegründet worden. Das
Kartell bildet einen selbständigen Verein, für den die Rechtsfähig«
keit bei dem sächsischen Wirtschaftsministerium nachgesucht worden
ist. Es beabsichtigt, die in Sachsen bestehenden örtlichen Kunst«
gewerbevereine und die leistungsfähigen, in Sachsen ansässigen
Kunstgewerbetreibenden zu einer die Existenz der Kunstgewerbe«
treibenden wirtschaftlich fördernden und u .terstützenden Gemein«
Schaftsarbeit zu vereinen. Das Kartell beginnt seine Arbeit unter
günstigen Aussichten, da das Submissionsamt einen bedeutenden
Auftrag auf Lieferung von kunstgewerblichen Artikeln bereits
fest in Händen hat.

Künstlerisches Gewerbeschild. Der schöne, in Kleinstädten
noch allgemein übliche Brauch, Werkstätten und gewerbliche Be«
triebe, besonders Wirtshäuser, am Anwesen durch schmiedeeiserne,
mit Gewerbezeichen geschmückte Nasenschilder zu kennzeichnen,
scheint nun auch in München wieder aufzuleben. Während der
letzten Jahre wurden in verschiedenen Straßen solche Schilder an«
gebracht. Sehr hübsch wirkt u. a. das Schild des Gasthofes „Drei
Rosen" am Rindermarkt. Seit einigen Tagen ziert auch die Linsen-
mayersche Seifen«, Kerzen« und Sodafabrik, Sebastiansplatz, ein
prächtig bemaltes schmiedeeisernes Aushängeschild. Das Gewerbe«
zeichen, dessen Entwurf und Ausführung den kunstgewerblichen
Werkstätten Reinhold Kirsch übertragen war, zeigt im weißblau
gestrichenen ovalen Ring einen stehenden Löwen mit einem Bündel
Kerzen in der Pranke. Der Schildarm trägt reichen Zierat. M. N. N.

Das Ergebnis des Schmucks Entwurfs Wettbewerbes,
den die „Deutsche Goldschmiede«Zeitung" ausgeschrieben hatte
und dessen Zweck es war vor allem Entwürfe zu bekommen, die
handwerkliche Künstler für die Gewerbeschau erwerben und aus«
führen könnten, ist im Frühjahr in München unter dem Preisgericht
der Professoren Segmiller, Groß, Pezold,der Goldschmiede Heiden
und Rothmüller, von Mayrhofer, der Herren Dr. Wenz und
Dr. Rühle festgestellt worden. Das Preisgericht sprach die An«
sieht aus, daß dem Einlauf von 900 Entwürfen von 150 Einsen«
dem, die Durchschnittsleistungen nicht den gehegten Erwartungen
entsprachen, besonders weil durchwegs fast das plastische Emp«
finden den meisten Einsendungen fehlte und ein engeres Zu»
sammenarbeiten der Künstler mit dem Goldschmied vermißt
wurde. Ein 1. Preis wurde daher nicht vergeben, sondern drei
gleiche Preise zu je Mk. 1500.— ausgegeben. Diese erhielten:
Professor Emil Riester, Pforzheim, Architekt P. A. Keßler, Kre«
feld, Georg Dieterich, Goldschmied, Pforzheim. Es wurden ferner
vier zweite Preise ä Mk. 800.— an Franz Ochs, Juwelier und
Zeichner, Pforzheim, Ludwig Bub, Werkstättenleiter der Firma
K. J. Bauer, München, Professor Alfons Ungerer, Pforzheim und
Lehrer an der Akademie in Hanau, und sechs dritte Preise
ä Mk. 400.— Ritzenmeier Srhwäbisch«Gmünd, Franz und Her«
mann Wandinger, Dorfen, Karl Ruchser, Hanau«Kesselstadt,
Ernst Stolle, ZüridrBerlin, Hermann Koch, Stuttgart«Unter»
türkheim, Karl Scheu, Kunstgewerbl. Werkstätte, Breslau ver«
geben, 8 Belobungen erhielten: Kurt Baer, Goldschmied, Pforz-
heim«München, Lissy Eckart, Bildhauerin, München, Rudolf
Feldmann, Bielefeld, Eugen Eckstein, Zeichner, Schwäbisch«
Gmünd, Albert Hagenmayer, Pforzheim, Karl Dieterich, Srhwä-
bisch«Gmünd, Endre Farkas, Stuttgart, Otto Zahn, Pforzheim.

Die Klischees zu den Abbildungen dieses Heftes lieferte die Firma Joh. Hamböck <E. Mühlthaler), Graph. Kunstanstalr, München
Schriftleiter: Prof. Dr. Jos. Ludwig Fisdier — Herausgegeben vom Bayerischen Kunstgewerbeverein — Verlegt bei Georg W. Dietrich
Für die Anzeigen verantwortlich: F. C. Mayer — Druck von ]. Schön — alle in Mündien
Copyright: 1922 by Georg W. Dietrich

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