Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 72.1922

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W. T. WETZLAR-MÜNCHEN

Kaffeeservice (Deutsche Gewerbescfiau)

Firmen, so die „Bayernkunst A. G.", die Münchener
Handwerkskunst G. m.b.H., Münchener Metallkunst,
MünchenerWerkstätten für Kunsthandwerk, aber auch
einzelne Meister von Namen wie Steinicken und andere
stehen mit an der Spitze.

Endlich ist den Kunstgewerbeschulen eine besondere
Abteilung gewidmet, in der oft freilich die ganz wunder^
vollen Arbeiten bedauerlicher Weise in drangvollster
Enge sich in ihrer Wirkung beeinträchtigen. Linter
ihnen finden wir auch München mit seiner Kunstge-
werbeschule und die MünchenerWerkgesellschaft wür-

dig vertreten. Der österreichische Edelraum schließlich
bringt die feinnervige und hochentwickelte Kultur un-
seres politisch absterbenden Nachbarstaates in hervor-
ragender Weise zur Geltung. Und wem fiele bei dieser
Gegenüberstellung von staatlicherOhnmacht und künst-
lerischer Kraft und Lebendigkeit nicht das Wort Hans
Sachsens ein, das unsichtbar über dieser ganzen Ge-
werbeschau ertönt:

Zerging in Dunst das heilige römische Reich
Uns bliebe gleich die deutsche Kunst.

Dr. Eugen Ro th=München.

GLASPALAST 1922

RUND DURCH DIE SÄLE

Das leise Unbehagen, das den Kunstfreund allemal
beschleicht, wenn er nach mehreren, der ernsthaften
Forschung dienenden Wanderungen dem Glaspalast
den Rücken kehrt, das Gefühl, trotz reicher Eindrüd<e
mit leeren Händen, ohne Ergebnisse von dannen gehen
zu müssen, legt die Frage nahe, ob es nicht unrecht ist,
gerade heute eine Kunstausstellung mit der sittlichen
Forderung nach Ergebnissen zu durchforschen. Wir
stehen ja inmitten der Neuordnung der Dinge, wir
leben die erschütternde Zeit der großen Geschehen,
der Weltkriege, der Weltrevolutionen, der UmwäL
zungen, der sittlichen und wirtschaftlichen Umwertung.
Alles in uns hat Flügel bekommen,- wir stehen einem

All gegenüber, das in Auflösung zu zerflattern, in
schwindelnd wirbelndem Kreistanz zu vergehen scheint.
Das Schlimme ist, daß wir selbst mit tanzen, kreisen,
zerflattern ohne Halt. Wie wollen wir da den festen
Punkt finden, auf dem wir uns sonst in der Welt be-
haupteten und der Erscheinungen Flucht gegenüber
ruhig betrachtend und wägend gegenüberstanden, von
dem aus wir selbst eingriffen in das Weltweben? Dieser
feste Punkt des Betrachters und des Mitzeugers ist uns
unter den Füßen verloren gegangen. Im Innersten stand-
punktlos, werden wir von einem Standpunkte zum
andern geschleudert. Das erschwert uns, sofern wir
Betrachter sind, nicht nur die Beurteilung der Situation,

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