Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 72.1922

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VERSCHIEDENE MITTEILUNGEN

Persönliches. Einer der Führer der Münchener Neuen Sezes-
sion, Bildhauer Edwin Seharff, beginnt mit diesem Semester
seine Lehrtätigkeit an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbe-
museums als Nachfolger des seinerzeit nach München berufenen
Professors Wackerle, gleichzeitig mit dem bekannten Berliner
Graphiker Lucian Bernhard. - Professor Max Liebermann
hat jetzt für sein „Kohlfeld" auf der Internationa'en Kunstaus-
stellung in Venedig den Preis für Landschaftsmalerei erhalten.
Das Bild, eines der bekannten farbenreichen Gemälde aus dem
Garten des Meisters in Wannsee, ist Eigentum der Dresdner
Gemäldegalerie. — Der bekannte Kunstkeramiker Jean B e de,
langjähriges Mitglied des Bayer. Kunstgewerbevereins, feierte
vor einigen Wochen das Fest seines 60. Geburtstages. Herr
J. Beck war aus diesem Anlaß der Gegenstand zahlreicher Eh-
rungen, die sich auch in biographischen Artikeln in Tages- und
Fachpresse widerspiegelten.

„Staatlich anerkannte Lehrmeister und LehrsWerk*
statten." In feierlicher Weise wurde jüngst im Herkules-Saale
der Münchner Residenz auf Grund von Vorschlägen des Kunst-
gewerberatos an eine Anzahl verdienter Personen und Firmen
des Gewerbes der Ehrentitel „staatlich anerkannte Lehrmeister
und staatlich anerkannte Lehrwerkstätten" verliehen. Unter Bei-
sein des Ministers Dr. Matt, des Staatrates Dr. Meine!, der Mini-
sterialdirektoren Hentschel und Dr. Schmidt wurden die Ehren-
urkunden an folgende Herren und Firmen verliehen : Verliehen
wurde der Titel „Staatlich anerkannter Lehrmeister"
den Werkmeistern Karl Reichenberger und Heinrich Straß*
berger in München,- der Titel „s t a a 11 ich anerkannte
Lehrwerkstätte" an die Möbelfabrik M. Ballin, Deko-
rationsmalermeister Robert Berghaus, Graphische Kunstan-
stalt Brend'amour, Simhart 'S) Co.,DeutscheWerk-
statten A. -G., Buchbindermeister Karl E b e r t, Möbelfabrik
Otto Fritzsche, Schlossermeister Josef F ro h n s b e ck, Litho-
graphische Kunstanstalt Franz Hanfs taengl, Hof-Goldschmied
Theodor Heiden, Kunstschlosser und Studienrat Ottmar K e e s,
Kunstschreinermeister Oskar Matthes, Silberschmied Adolf
v. Mayrhofer, Graphische Kunstanstalt Meisenba ch, Rifc
farth'SDCo., Porzellanmanufaktur Nymphenburg,
Möbelfabrik Anton Pössenbacher, Steinmetzmeister Georg
Rödl, Dekorationsmalermeister Josef Rosenhauer, Hof-
Goldschmied Karl Rothmüller, Malerwerkstätte Konrad
Schmidt 'S) Co., Kunstschreinermeister Georg Schöttle,
kunstgewerbliche Werkstätte Steinicken 'S) Lohr, Metall-
werkstätte Wilhelm 'S) Co., Universitäts - Burhdrudcerei
Dr. C. Wo I f 'S) Sohn, Hofglasmalerei Franz Xaver Zettler,
sämtliche in München, und die keramische Werkstätte Franz
Reither in Landshut. — An die Verleihung der Titel schloß
sich in der Gaststätte Bauerngirgl eine gesellige Unterhaltung an.
Mit besonderer Genugtuung ist hervorzuheben, daß fast alle Aus-
gezeichneten langjährige Mitglieder des Bayer. Kunstgewerbe-
vereins sind.

Luxussteuer und Kunstgewerbe. Die Ausführungsbestim-
mungen zur Luxussteuer, die wegen ihrer die Künstlerschaft be-
drohenden Gefahren von besonderer Bedeutung sind, sind im
September der Entscheidung des Reichsrates unterbreitet worden.
Die neuen Bestimmungen stellen immerhin eine Erleichterung
gegen die erste Fassung des Gesetzes dar. Sie sind präziser ge-
halten und überreich mit fachtechnischen Ausdrücken gespickt.
Es kommt nun vor allem auf die Auslegung der Paragraphen an.

Pfälzisches Gewerbemuseum. Die Vorstandschaft des Pfäl-
zischen Gewerbemuseums in Kaiserslautern versendet ihren Jah-
resbericht, aus dem wir folgende bemerkenswerte Angaben mit-
teilen wollen. Dem Museum gehören korporativ an: 24 Gemeinden
und 65 sonstige Korporationen, sowie 580 Einzelmitglieder. Der
Jahreszuschuß beträgt Mk. 600000. -, wozu sonst noch einige
mehr oder minder belangreiche Stiftungen kommen. Die kunst-
gewerbliche Sammlung wurde durch eine Reihe echt volkstümlicher
alter Kunstwerke bereichert, vor allem aus dem Gebiet der Kera-
mik. Auch die Bibliothek, in der unter anderem unsere Zeitschrift
„Kunst und Handwerk" aufliegt, zeigt eine Reihe namhafter Zu-
gänge. Die Beratungsstelle für Kunst und Kunstgewerbe erteilte
über 800 mündliche Auskünfte für Gemeinden, Vereine, Indu-
strien, Gewerbetreibende und Privatpersonen. „Im Gegensatz zu
früheren Jahren machen die Behörden von der Beratungsstelle
auffallend wenig Gebrauch." Wirkliche Aufträge wurden 102 ver-
mittelt, vornehmlich Werbegraphik: Plakate, Packungen, Waren-
zeichen, Inserate, Briefköpfe, Signets. Auf der Gewerbeschau
München war das Museum mit Metall- und Holzarbeiten nach
eigenen Entwürfen vertreten. Geplant ist ferner die Einrichtung
von kunstgewerblichen Verkaufsstellen in 3 Städten der Pfalz und
die Organisation der Beschickung der Leipziger und Frankfurter
Messen durch pfälzische Qualitätshandwerker. Aus dem Bericht
der Bauberatungsstelle heben wii den warnenden Klageruf her-
vor, daß die Verunstaltung des flachen Landes in erschreckendem
Maße zunimmt. Unter den besonderen Maßnahmen zur Förde-
rung von Kunst und Gewerbe stehen 16 Aussteliungen, darunter
die Wanderausstellung„Kriegerehrung", 39 Vorträge über außer-
orden'lirh wichtige Themen und kunstgewerbliche Kurse, darunter
ein Wochenkurs über Einführung in die schmüdeenden Gewerbe, ein
graphischer Kurs und ein Akt-Abendkurs. Der Bericht des Mu-
seums, dem auch wir volles Interesse entgegenbringen, schließt mit
den Worten: „Das verflossene Jahr, in dem sich die ersten Anzeichen
der drohenden Verarmung bemerkbar machten, stand im Zeichen
ständig steigender Teuerung. Herzlichen Dank der Staats- und
Kreisregierung, allen Behörden und öffentlichen Körperschaften,
allen Freunden undGönnern, die die schwere Arbeit der Anstalt för-
dern halfen. Sie tritt in das neue Jahr im Vertrauen auf weitere Hilfe
und mit dem Wahlspruch: Wo Wille ist, da ist ein Weg! F.

Wirtschaftliche Hilfsaktion für das Pfälzer Kunstge-
werbe. Eine wirtschaftliche Hilfsaktion für das Pfälzer Kunst-
gewerbe will die Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler dadurch
schaffen, daß unter der Firma „Pfälzische Handwerkskunst" eine
Gesellschaft mit einem Großkaufmann an der Spitze und mit
Fachleuten in den einzelnen Sparten gegründet wird, die den Ab-
satz der pfälzischen kunstgewerblichen Erzeugnisse auf Messen
und an Exportfirmen übernehmen. Die Gesellschaft soll verzins-
liche Anteilscheine zu 5000 Mark ausgeben.

Bayerische Landesgewerbeanstalt Nürnberg. König-
Ludwigs» Preis-Stiftung 1922. Um die Medaillen der Stiftung be-
warben sich in diesem Jahre 5 Aussteller. Von diesen erhielten a) j e
diesilberneMedaille:l. Fachschule Zwiesel in Zwiesel „für
anerkennenswerte Leistungen in Arbeiten der Fachschule" 2.
Herr Kurt Baer, Nürnberg „für anerkennenswerte Leistungen
und Fortschritt, die die Goldschmiedearbeiten aufweisen" 3. Frl.
Elisabeth von Esseö, Bildhauerin in München „für gut fortge-
schrittene Arbeiten, die die Plaketten und Medaillen aufweisen";
b> die bronzene Medaille: Firma Bayerische Kunstkeramik
Keerl 'S) Schumann, Arzberg „für technisch gute Ausführung
von keramischen Arbeiten".

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