Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 76.1926

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nur jenes Gebundensein an die Fläche, sondern auch
die Hauptansicht der Körperbildung. Zwar springen
betonte einzelne Formen, die Knie z. B. und die Unter-
schenkel, vor und zurück. Aber dennoch sind alle For-
men, auch die der Seiten, auf die Reliefansicht einge-
stellt. Es ist, wie bei jenem Astträger des alten Peter
Vischel' im Nationalmuseum. Ja, es handelt sich um
das gleiche Formprinzip. Die Silhouetten besitzen mit
ihrer rhythmisch in leisen Kurven fließenden Bewegung
Bedeutung und Ausdruckskraft. Die so klingenden,
spröden Konturen isolieren und heben wirkungsvoll
aus der Umgebung heraus. Sie fangen die plastischen
Formen ein. Ebenso werden alle Innenflächen und alle

modellierenden Einzelheiten auf diesen in strenger,
gebundener Geschlossenheit gesammelt. Dem Rhyth-
mus der so reizvoll bewegten Konturen und Flächen
entspricht auch der parallele Rhythmus der zwischen
den plastischen Formen offen liegenden Hohlräume.
Sämtliche anatomischen Formen, die Führung aller
entscheidenden plastischen Linien im Haar, in Augen,
Nase und Mund sind gesättigt vom gleichen Bewe-
gungsrhythmus. So wird mit allen, der Bronzetechnik
zu Gebote stehenden und von ihr auch bedingten Mit-
teln, Ausdruck, Spannung, Energie im klaren, einheit-
lichen Aufbau und zugleich künstlerische Beseelung
der plastischen Form erzielt. Hermann Nasse

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